Wolfgang Ecker:
Diskretion Ehrensache!

Ecker_Wolfgang

Zimmerkellner und Tierpflegerin bekommen einander.
Oder: Der Russe ist so. Der Regierungsrat auch. Und der Hoteldirektor erst recht.

Ecker_Wolfgang_01Von Wolfgang Ecker.

Natürlich säuft der russische Oligarch die Minibar leer. Natürlich wirft er die Gläser dann hinter sich. Natürlich hat er einen Koffer voll Geld. Natürlich ist es Schmiergeld. Eine Pistole hat er auch. Manchmal schießt er sogar damit.

Natürlich ist der Hoteldirektor ein schmieriger Typ. Geldgierig und verschlagen. Natürlich ist der Regierungsrat ein bisschen vertrottelt. Natürlich hat er seine dunklen Seiten, die aber natürlich niemand wissen darf. Also setzen beide, der schmierige Hoteldirektor und der vertrottelte Regierungsrat, alles daran, damit niemand was erfährt.

Die Domina, die sich der Regierungsrat ins Hotel bestellt hat, ist – natürlich – krank geworden. 41.9 Grad Fieber. Ihre Schwester, eine Tierpflegerin, die natürlich gerade vom Zoo gefeuert worden ist weil sie versehentlich eine der seltenen australischen Beutelratten im Käfig der Riesenschlange vergessen hat und die Riesenschlange natürlich nichts besseres zu tun gehabt hat als diese seltene Beutelratte zu fressen, ihre Schwester also muss für die Domina einspringen und weiß – natürlich – nicht um was es sich handelt bei all den komischen Utensilien, die ihr ihre Schwester als Arbeitswerkzeug mitgegeben hat: Ketten, Ringe, Vorhangschlösser, Masken, Kostüme und natürlich Peitschen.

Und natürlich ist da auch noch die junge Journalistin, die für ein katholisches Bezirksblatt arbeitet aber viel lieber bei der „Bild“ wäre. Und natürlich taucht sie immer dann auf, wenn es gerade ganz besonders ungünstig ist.

Der Zimmerkellner sieht dem Regierungsrat zum Verwechseln ähnlich und er muss die Rolle des Regierungsrats übernehmen, denn der ist gerade gefesselt und natürlich ist der Schlüssel zum Vorhängeschloss nicht auffindbar. Er darf nur „ja“ sagen, sonst nichts, alles andere wird der schmierige Hoteldirektor schon regeln.

Natürlich kommt auch noch die Gattin des vertrottelten Regierungsrates ins Spiel, sie taucht unerwartet auf im Hotel und weiß natürlich nichts von den dunklen Seiten ihres Gatten. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sie tief religiös ist und von irdischen Niederungen noch nicht einmal was in der Zeitung gelesen hat.

Aber die Geschichte geht – natürlich – gut aus. Die Gattin erfährt nichts, der Hoteldirektor schaukelt alles zu seiner finanziellen und zur moralischen Zufriedenheit aller Beteiligten, letztlich wird dann doch noch der Schlüssel des Vorhängeschlosses gefunden, der vertrottelte Regierungsrat kann befreit werden, die Regierungsratsgattin ist zufrieden, für den Hoteldirektor hat es sich auch finanziell gelohnt, Zimmerkellner und Tierpflegerin küssen einander und den Koffer voll Geld des Russen nehmen sie auch an sich.

Der Vorhang fällt, aber vorher säuft der Russe noch einen Wodka.

Und das Glas wirft er hinter sich. Natürlich.

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