„After Sunset“ – die Dosis macht das Gift

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Der Salzburger Jungautor Dominik Nießl hat ein semi-autobiographisches Jugendstück über die Problematik von Videospielen verfasst und dazu den passenden Soundtrack komponiert. Von Gerard Es in der ARGEkultur in Szene gesetzt, erweist sich das Stück als maßgeschneidert für das jugendliche Publikum und führte im Anschluss an die Vorstellung am 5. Dezember 2014 zu einer ungewöhnlich regen Diskussion.

elipi_aVon Elisabeth Pichler.

Der 16-jährige Thomas hat es nicht leicht, weder in der Schule noch zu Hause mit seiner alleinerziehenden Mutter, die über ihre Scheidung noch nicht hinweg ist. Dass sich ihr Sohn einsam fühlt und in der Schule als Muttersöhnchen gehänselt wird, scheint sie nicht zu bemerken. Als Thomas von einem Freund eine alte Spielekonsole samt kultigem Horrorspiel bekommt, kann er plötzlich mitreden. Nach zögerlichem Beginn wird er immer mehr zum großen Zocker und verbringt halbe Nächte vor seinem Computer. Kein Wunder, dass er in der Schule nur mehr teilnahmslos und müde herumhängt.

Auf die Ermahnungen seiner Mutter reagiert er zunehmend aggressiv, es kommt zum Eklat. Als auch seine Freunde beginnen, sich Sorgen zu machen, ist es fast schon zu spät. Für Thomas gibt es nur mehr das Spiel, Virtualität wird zur Realität, die virtuellen Figuren erzeugen reale Gefühle.

Die Mischung aus professionellen Schauspielern (Danila Meschtscherjakov, Bina Blumencron, Nadine Mühlböck) und gecasteten Talenten aus der Jugendszene (Ludwig Weissenberger, Nadine Mayr, Philipp Laabmayr Thomas Kirchhofer  und Jakob Sturm) macht das Spiel überaus authentisch, besonders in den Schulszenen, in denen es nicht gerade zimperlich zugeht. Auch wenn die Kids pausenlos von ihren tollen Computerspielen und der geilen Grafik schwärmen, haben sich die kleinen Ärgernisse im Schulalltag kaum geändert. Einem Muttersöhnchen das Pausenbrot wegzunehmen, scheint nach wie vor reizvoll zu sein.

„After Sunset“ beleuchtet die Rolle, die Funktion und die Wirkung von Videospielen. „Wie in so vielen Bereichen des Lebens heißt es besonders hier: Die Dosis macht das Gift. Und die Verteufelung von Videospielen durch Vorfälle wie Columbine oder Winnenden ist genauso gefährlich wie die Verharmlosung“, so der Autor Dominik Nießl. Als der 26-Jährige in der anschließenden Diskussion über seine eigenen Probleme mit Videospielen erzählt, zeigt sich das jugendliche Publikum schwer beeindruckt und scheut sich nicht, sehr persönliche Fragen an ihn zu richten. Ein aktuelles, überaus wichtiges Stück über Jugend und (Computerspiel-)Sucht von einem jungen Autor für ein junges Publikum.

„After Sunset“ – Ein Theaterstück von Dominik Nießl. Eine Koveranstaltung von Es-Theater und ARGEkultur. Regie: Gerard Es. Mit: Danila Meschtscherjakov, Bina Blumencron, Nadine Mühlböck, Ludwig Weissenberger, Thomas Kirchhofer, Nadine Mayr, Philipp Laabmayr und Jakob Sturm. Fotos: ARGEkultur/ Sigrid Riepl

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