„Ein ungleiches Paar“ – frei nach Neil Simon

 

Mit der weiblichen Version des erfolgreichen Bühnenstücks „Ein seltsames Paar“ von Neil Simon präsentiert die Theatergruppe stageARTproductions eine köstliche Satire im OVAL Salzburg. Regisseur Martin Schmiederer hat die Texte dem jugendlichen Alter der Schauspielerinnen angepasst und mit Bruchstücken der amerikanischen Comedy-Fernsehserie „Girls“ ergänzt.

elipi_aVon Elisabeth Pichler.

Während in der männlichen Version die Freunde regelmäßig wilde, rauchgeschwängerte Pokerrunden veranstalten, wird bei den Mädels relativ zivilisiert „Trivial Pursuit“ gespielt, da bleibt genügend Zeit zum Tratschen. Als sich Florence eines Abends verspätet, sind ihre Freundinnen Olive, Mickey und Vera schwer beunruhigt. Sie befürchten das Schlimmste, ist doch Florence gerade von ihrem Freund verlassen worden – nach sieben angeblich sehr glücklichen Jahren. Völlig verstört taucht diese endlich auf: „Ich bin 27 und ich hasse mich.“ Die drei Freundinnen kümmern sich rührend um sie und Olive bietet ihr schließlich an, vorübergehend bei ihr einzuziehen. Florence ist begeistert und, da sie sich beim Putzen am besten entspannen kann, macht sie sich gleich ans Werk. Kochen kann sie auch hervorragend und so verwöhnt sie die Mädels bei den Spieleabenden. Von Dankbarkeit aber keine Spur, ihr Putzfimmel vertreibt schließlich die Gäste Ungleiches P-Plakat_Kund Olive behauptet: „Ich krieg keine Luft mehr, sie treibt mich in den Wahnsinn.“ Vielleicht können ja die zwei feschen, feurigen Spanier mit den wohlklingenden Namen Manolo und Jesus, die gleich nebenan wohnen, Florence auf andere Gedanken bringen.

Prisca Schweiger hat als depressive Florence gleich zu Beginn ihren großen Auftritt. Während sich in der Bühnenmitte ihre Freundinnen beim „Trivial Pursuit“ Spielen vergnügen, steht sie verzweifelt am Bühnenrand und lässt ihrer Wut und ihrem Frust freien Lauf. Christina Laas darf als Olive die coole, etwas chaotische Blondine spielen, die auf Männer in knackigen Hosen steht. Mina Palada als Mickey und Anna Knott als Vera haben schließlich genug von den einst lustigen Spielabenden und suchen das Weite. Mit Perücken und Bärten versehen stehen sie kurz darauf als männliche Objekte der Begierde auf der Bühne. Es wird sehr offen über Liebe und Sex gesprochen, doch die wirklich wichtigen Dinge erfahren wir, wenn mit den Fingern geschnipst wird. Dann nämlich rückt eine der Protagonistinnen unverblümt mit ihrer Meinung heraus und die ist nur fürs Publikum bestimmt. Die kurzen Umbauphasen werden mit großflächigen Videoeinspielungen überbrückt, die uns Einblick in das turbulente WG-Leben verschaffen. Doch schwingen in der heiter-ironischen Satire, die von Martin Schmiederer flott in Szene wurde, stets auch ernste Zwischentöne mit.

Die Gesamtleitung der Produktion hat Elfi Schweiger über, deren große Leidenschaft dem Theater, der Kulturvermittlung und vor allem der Arbeit mit Jugendlichen gilt. Es gelingt ihr immer wieder, junge Talente zusammenzuführen und ihnen Auftritte zu verschaffen. Großer Dank gebührt auch der künstlerischen Leiterin des Ovals, Margret Stronegger, die dieser jungen Theatergruppe die Aufführung in Salzburg ermöglicht hat.

„Ein ungleiches Paar“ nach Motiven von Neil Simon in einer Fassung von Martin Schmiederer. Theatergruppe stageARTproductions. Inszenierung, Ausstattung, Video: Martin Schmiederer. Gesamtleitung: Elfi Schweiger. Mit: Prisca Schweiger, Christina Laas, Anna Knott, Mina Palada. Fotos: stagARTproductions

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