„Der Vorname“ – intelligente Komödie mit Tiefgang

2015-03-02_019 der Vorname

Ilse Lackenbauer, langjährige Leiterin der erfolgreichen „English Drama Group“, hat mit einem engagierten Ensemble des Theatervereins Henndorf das bitterböse Konversationsstück des französischen Autorenduos Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière einstudiert. Das Szenario wurde von Frankreich nach Österreich versetzt und so findet das turbulente Abendessen im Kreise von Freunden und Familie diesmal in Salzburg statt. Premiere war am 7. März 2015 in der Aula der Musikmittelschule Henndorf.

elipi_aVon Elisabeth Pichler.

Es ist Samstagabend und die Kinder schlafen schon. Peter, Universitätsprofessor für Literatur, und seine Frau Betty, eine Gymnasiallehrerin, erwarten Gäste. Es soll ein gemütlicher Abend mit Wein und Multikulti-Buffet werden. Klaus, ein langjähriger Freund und angenehmer Zeitgenosse, erscheint im Frack, kommt er doch direkt von einem Konzert. Bettys Bruder Vinzenz hingegen trägt Designerklamotten und gibt sich arrogant bis provokant. Als er verkündet, dass er sein noch ungeborenes Kind „Adolphe“ nennen wolle, ist das allgemeine Entsetzen groß. Die Situation schaukelt sich auf, die gegenseitigen Vorwürfe und Beleidigungen werden immer persönlicher.

Vinzenz gesteht, dass er die Namen der Kinder des Gastgebers, Adonas und Athena, alles andere als originell findet. Für ihn zeigen sie nur auf, dass „ein linker Intellektueller raushängen lässt, dass er die griechische Mythologie intus hat“. Betty werkelt währenddessen als braves Hausmütterchen fleißig in der Küche und bekommt von den Unstimmigkeiten fast nichts mit. Die hochexplosive Stimmung führt aber dazu, dass auch sie ordentlich auszuteilen beginnt. Für die Überraschung des Abends sorgt der friedfertige Klaus, der sich lange aus allem rausgehalten hat. Sein Outing schlägt ein wie eine Bombe.

Stefan Mösenbichler als Gastgeber Peter mag es zu Hause gerne gemütlich, er latscht im legeren Freizeitlook durch seine billig eingerichtete Wohnung, er soll ja ein echter Geizkragen sein. Auch Waltraud Gregor als seine frustrierte Gattin legt wenig Wert auf Eleganz. Ganz anders Florian Friedrich in der Rolle des aufbrausenden Großkotzes Vinzenz. David Batra als friedliebender Klaus kann nicht verstehen, wie die gepflegte Konversation dermaßen aus dem Ruder laufen konnte. Bianca Farthofer in der Rolle der schwangeren Anna kommt verspätet zum Abendessen und erlebt nur mehr die Eskalation mit.

Das Publikum unterhielt sich am Premierenabend prächtig, bereitet es doch immer wieder ein Vergnügen, die großen und kleinen Katastrophen anderer Familien mitzuerleben. Das Stück wird noch am 12., 14., 15. und 20. März in Henndorf gespielt und wandert dann für zwei Gastspiele am 21. und 22. März ins Literaturhaus Salzburg.

„Der Vorname“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière in der Aula der MMS-Henndorf. Regie: Ilse Lackenbauer. Technik: Günther Strasser. Kostümberatung: Hellmut Hölzl. Maske: Sabine Koch: Ton/Lichtgestaltung: Hellfried Hassfurther. Gesamtleitung: Waltraud Gregor. Fotos: Albert Moser

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