„Die Wunderübung“ – Komödie von Daniel Glattauer

Anita Köchl und Edi Jäger haben bereits mit der dramatisierten Fassung von Glattauers E-Mail-Roman „Gut gegen Nordwind“ einen sensationellen Erfolg gefeiert. Als heillos zerstrittenes Ehepaar stehen sie nun gemeinsam mit Georg Clementi als Paartherapeuten auf der Bühne im Kleinen Theater. Ein weiterer Publikumserfolg scheint garantiert, denn diese Eheberatung hat großes komödiantisches Potential mit Wiedererkennungseffekt. 

elipi_aVon Elisabeth Pichler.

Nach einer heftigen Auseinandersetzung während der Anfahrt erscheinen Joana und Valentin Dorek in angespannter Verfassung bei ihrem Eheberater. Während sie nur darauf wartet, endlich loslegen zu dürfen, wirkt ihr Gatte gelassen und resigniert. Nach ersten groben Vorwürfen und Beschuldigungen attestiert der Paartherapeut dem Ehepaar eine „außergewöhnlich hohe Streitkultur“. Die Doreks geben zu, dass sie derzeit nicht ihre beste Phase hätten, sie seien Lichtjahre entfernt von jeglicher Harmonie. Erstaunlich lange bleibt der Therapeut ruhig und gelassen und versucht, die Streithähne mit diversen Psychospielchen zu beruhigen. Joana und Valentin versagen aber kläglich. Während sie stur bleibt, verweigert er sich diesem meditativen Unfug gänzlich. Nur den Rollentausch beherrschen die beiden hervorragend, die gegenseitigen Beleidigungen sitzen punktgenau. Als der Therapeut eine Trennung als logische Konsequenz dieser „Kampfbeziehung“ vorschlägt, erntet er nur Vorwürfe. Darauf hätten sie ja selber kommen können, da habe er wohl seinen Job missverstanden. Der Eheberater gibt jedoch nicht so schnell auf, vielleicht hat er mit seiner ganz speziellen „Wunderübung“ mehr Erfolg.

Anita Köchl schafft es als Joana kaum, ihre Wut und ihren Frust zu zügeln, man sieht förmlich, wie es in ihr kocht. Scharfzüngig versucht sie, ihren Ehemann aus der Reserve zu locken. Edi Jäger beweist in dieser Rolle Langmut, geduldig lässt er alles über sich ergehen und zeigt große Nehmerqualitäten. Im Laufe des Abends darf aber auch er Emotionen zeigen, besonders in den von Regisseur Fabian Kametz eingebauten Traum- bzw. Wunschsequenzen. Georg Clementi thront als Therapeut souverän lächelnd auf seinem Chefsessel und spielt, wenn er sich unbeobachtet fühlt, auf seinem Handy herum. Von ihm sind keine Tipps zu erwarten, er will dem Ehepaar nur helfen, klarer zu sehen.

Drei Sessel auf der Bühne und ein paar Polster als Requisiten reichen völlig aus, denn auch das Publikum im Saal wird in den Ehestreit miteinbezogen. Die wohlbekannten, klischeehaften Anschuldigungen und Vorwürfe erweisen sich als ein Garant für Heiterkeit. Versöhnlich stimmen die gut verborgenen zärtlichen Untertöne, die im Lauf des Abends vereinzelt aufblitzen. Ein überaus vergnüglicher Theaterabend dank pointierter Dialoge und einem groß aufspielenden Trio.

 „Die Wunderübung“ von Daniel Glattauer. Regie: Fabian Kametz. Mit: Anita Köchl, Edi Jäger und Georg Clementi.

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