Nora oder ein Puppenhaus

Foto: Eva-Maria Griese / Schauspielhaus

Elisabeth Pichler. Der junge Salzburger Regisseur Rudolf Frey hat Ibsens Meisterwerk „Nora oder ein Puppenhaus“ aus dem Jahre 1879 in den fünfziger Jahren angesiedelt, da sich hier die Werteverhältnisse von Ibsen besonders gut verankern lassen. Am Sonntag, den 8. November 2009 war die viel umjubelte Premiere im Studio des Schauspielhauses.

Foto: Eva-Maria Griese / Schauspielhaus

Foto: Eva-Maria Griese / Schauspielhaus

Bevor sich der bemalte Vorhang hebt, kann man darauf eine köstliche Szene häuslicher Idylle bewundern. Die Ehefrau kniet am Boden und sieht voll Dankbarkeit und Bewunderung zu ihrem Gatten auf, der ihr gerade einen Mixer zum Geschenk gemacht hat. Der Vorhang geht auf und gibt den Blick frei auf eine riesige, sehr steril wirkende Einbauküche. Ein Christbaum kündet vom nahenden Weihnachtsfest (Bühne: Vincent Mesnaritsch).

Foto: Eva-Maria Griese / Schauspielhaus

Foto: Eva-Maria Griese / Schauspielhaus

Nora schwebt herein, selbstzufrieden begutachtet sie ihre vielen Einkäufe und gönnt sich ein paar Makronen. Ihr Gatte Helmer ist weniger begeistert: „Hat mein Vögelchen wieder mit Geld um sich geworfen?“ Neckisch erträgt sie seine Sticheleien und schmollt ein wenig, als er ihr vorwirft, flatterhaft und verschwenderisch zu sein.

Foto: Eva-Maria Griese / Schauspielhaus

Foto: Eva-Maria Griese / Schauspielhaus

Als eine alte Freundin (Elke Hartmann) verbittert und frustriert bei ihr auftaucht und auch diese ihr unterstellt, keine Ahnung vom Ernst des Lebens zu haben und leichtfertig wie ein Kind durchs Leben zu irren, verrät sie ihr voll Stolz ein großes Geheimnis: Auch sie hatte es nicht immer leicht, denn um ihrem kranken Gatten durch einen Aufenthalt im Süden das Leben zu retten, fälschte sie die Unterschrift ihres Vaters und muss seitdem mit einem schlechten Gewissen leben.

Foto: Clemens Kois / Schauspielhaus

Foto: Clemens Kois / Schauspielhaus

Oliver Hildebrand überzeugt in der Rolle des autoritären Ehegatten, ein Macho durch und durch, der die Welt nicht mehr versteht, als Nora plötzlich selbständig zu denken und handeln beginnt. Christiane Warnecke stellt ihre Wandlungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis, als liebliches Püppchen, als verzweifelte und schließlich als emanzipierte Frau. Timo Senff als schwer kranker Doktor Rank ist als bester Freund ein distanzierter Beobachter, der „bewölkte Hintergrund für das sonnige Glück“. Marcus Marotte als Rechtsanwalt Krogstad ist ein gebrochener, verzweifelter Mann, trotz seines Erpressungsversuches könnte man fast Mitleid mit ihm haben. Der Regisseur unterstellt keiner der Figuren böse Absichten, er wertet nicht. Für ihn ist Ibsens Stück kein moralisches Lehrstück, in dem es die Guten und die Schlechten gibt. Es werden grundsätzliche Fragen nach dem moralischen Zusammenleben gestellt, die der Zuschauer selbst bewerten soll.

Der Schluss dieses fast dreistündigen, intensiven Kammerspiels sorgt heute zwar nicht mehr für Aufregung, macht aber immer noch betroffen. Das gesamte Ensemble sowie das Leadingteam wurden ausgiebig beklatscht und gefeiert.

Nora oder ein Puppenhaus / Von Henrik Ibsen / Deutsch von Heinrich Schmidt-Henkel / Mit: Oliver Hildebrandt, Christiane Warnecke, Timo Senff, Elke Hartmann, Marcus Marotte und Nevena Lukic / Inszenierung: Rudolf Frey / Bühne: Vincent Mesnaritsch / Kostüme: Elke Gattinger / Musik: Fabio Buccafusco.

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1 Kommentar zu "Nora oder ein Puppenhaus"

  1. Super Stück ! Erstklassig inzeniert …. mir ist das Herz aufgegangen. Danke für diesen Hochgenuss

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