„Träum weiter“ – Der Kleinganove und das Mädchen

Wilhelm Iben und Stephan Lack haben die Träume und Sehnsüchte junger und nicht mehr ganz so junger Menschen in einen frechen und zugleich spannenden Text verpackt und wie angekündigt ein perfektes „Jugendstück für Erwachsene – Erwachsenenstück für Jugendliche“ verfasst. In der bewährt flotten Inszenierung von Caroline Richards faszinierte das mitreißende Zwei-Personen-Stück bei der Premiere am 25.3.2015 Schüler und Pädagogen.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Der 34-jährige Jan wacht in einer fremden Wohnung auf. Er nutzt die Gelegenheit, steckt eine Halskette ein und durchsucht die herumliegende Handtasche nach Geld. Nur dumm, dass ihn Aurely, die 13-jährige Tochter seiner nächtlichen Bekanntschaft, dabei überrascht. Kummer gewohnt, reagiert sie gelassen. Dass Mama „einen Ex-Knacki aufgegabelt hat“, findet sie aufregend. Nach einem missglückten Autodiebstahl landet Jan im Gefängnis. Aurely besucht ihn, um Hintergrundinformationen zu erhalten, soll er ihr doch als „Negativbeispiel“ in einem Referat zum Thema „Was ich einmal werden will“ dienen. Jans Begeisterung hält sich in Grenzen, doch gelingt es dem aufdringlichen jungen Mädchen, ihm eine Brieffreundschaft aufzudrängen. Aurely zeichnet leidenschaftlich gerne und so legt sie jedem Brief ein selbstgemaltes Bild bei. Nach seiner Entlassung versucht Jan, solide zu werden, er arbeitet und besucht eine Abendschule. Aurely findet das spießig, für sie war Jan als Kleinkrimineller interessanter. Im Laufe der nächsten Jahre wird die Freundschaft des ungleichen Paares mehrmals auf die Probe gestellt, denn Jan wird rückfällig und Aurely ist am Boden zerstört, als sie die Aufnahmeprüfung für die Angewandte nicht schafft. Was wird am Ende von den hochtrabenden Plänen und phantastischen Träumereien der beiden übrig bleiben?

 
Victoria Morawetz als taffes junges Mädchen und Wilhelm Ibn als charmanter Ganove ergänzen sich auf der Bühne perfekt. Ständig versucht er, diese kleine anstrengende Nervensäge loszuwerden, doch ihre Hartnäckigkeit zeigt Wirkung. Die raschen Szenenwechsel werden von Videoeinspielungen begleitet, bei denen das Publikum miterleben darf, wie ein Cartoon entsteht.

 
Das rasante Jugendstück zeigt auf, dass Niederlagen zum Leben gehören. Aufgeben sollte keine Alternative sein, weiterkämpfen lohnt sich. Eine überzeugende Produktion des im Jahre 1999 gegründeten Taka-Tuka-Theaters, welches es sich unter der künstlerischen Leitung von Caroline Richards zur Aufgabe gemacht hat, spannende und Phantasie fördernde Geschichten für Kinder und Jugendliche mit einfachen Mitteln auf die Bühne zu bringen. Seit einigen Jahren konzentriert sich die freie Gruppe verstärkt auf Theater für Jugendliche ab 13 Jahren.

 
„Träum weiter“ – Ein Jugendstück für Erwachsene – Ein Erwachsenenstück für Jugendliche. Eine Uraufführung von: Wilhelm Iben und Stephan Lack. Regie: Caroline Richards. Komposition: Christopher Biribauer. Ausstattung: Ragna Heiny. Animation: Julian Besch. Mit Victoria Morawetz und Wilhelm Iben.

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