„Grillenparz“ – Albträume wiederholen sich

Die Groteske des oberösterreichischen Dramatikers Thomas Arzt (Jahrgang 1983) feierte im April 2011 im Schauspielhaus Wien Premiere. Kathrin Herm bringt die schräge Sozialstudie über eine abgründige Betriebsfeier als Diplominszenierung im Kunstquartier Salzburg mit Schauspielstudenten des Thomas Bernhard Instituts auf die Bühne.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Personalchefin Hirsch stellt ein erfolgreiches „was auch immer produzierendes“ Traditionsunternehmen vor. Zur jährlichen Betriebsfeier auf dem Grillenparz, einem „Klotz in der Landschaft“ inmitten einer lieblichen Wiese, werden neben den verdienten Mitarbeitern – starken Männern und schönen Frauen – auch wichtige Investoren erwartet. Leider treibt ein Jäger sein Unwesen und stört die heitere Stimmung durch sein Herumgeknalle. Ob er wirklich nur hinter Kaninchen her ist? Aus dem wilden Gelage, Alkohol fließt in Strömen, wird nach und nach ein Kriminalfall. Die letztjährige Firmenfeier dürfte ziemlich aus dem Ruder gelaufen sein. Erinnerungen kommen hoch und bringen Gewalt ins Spiel.

Die zersägten Baumstämme auf der Bühne gaukeln romantische Naturidylle vor, doch die finstere Triebhaftigkeit eines geheimnisvollen Jägers lässt Schlimmes ahnen. In dieser Rolle zieht Johannes Meier die Fäden. Die verunsicherten Mitarbeiter sind sich seiner Gegenwart stets bewusst. Als Untoter geistert er durch das Stück, erzählt in einem großen Monolog von Borkenkäfern und ihren Rammelbuchten. Er fühlt sich verbunden mit der Natur, hört sie rufen, rumoren, kreischen und scheppern und genießt diese orgiastische Symphonie. Dolores Winkler hält als golfspielende Personalchefin mit aufgesetztem Dauergrinsen ihre Mitarbeiter in Schach. Als bärenstarker, überpotenter Betriebsrat Stieringer hechelt Simon Mantei der Damenwelt hinterher.

Vidina Popov als stets gut gelaunte, etwas überdrehte Bambi erträgt dessen Aufdringlichkeit mit Gleichmut, ganz im Gegensatz zu der zurückhaltenden Flora. Anton Andreew als verklemmter Buchhalter betet heimlich die schöne Flora an, doch stehen seine Chancen schlecht. Während alle Angestellten zur urigen Musik der bleamibrockers singen, schunkeln und tanzen, hält sich Sophia Burtscher in der Rolle der scheuen Flora stets zurück. Ein düsteres Geheimnis scheint sie zu umwehen, der lauschige Bach – eigentlich handelt es sich nur um einfache Wassereimer – übt eine starke Anziehungskraft auf sie aus. Die weißgeschminkten Schauspieler erinnern in ihren eigenwilligen Harlekinkostümen sowie ihrer übertriebenen Gestik und Mimik an Figuren der Commedia dell’arte (Kostüme: Miriam Hölzl).

Es ist eine feucht-fröhliche, unheimliche Nacht, die das Publikum in fast zwei Stunden miterleben darf. Ein rundum gelungener, mitreißender Theaterabend, ein starkes, vielschichtiges Stück eines jungen Autors, wirkungsvoll in starken Bildern in Szene gesetzt von Kathrin Herm.

„Grillenparz“ – Albträume wiederholen sich. Regie: Kathrin Herm. Kostüm: Miriam Hölzl und Anna Zadra. Bühne: Zuzana Ernst, Yvonne Kaufmann. Musik: Marco Döttlinger. Choreographische Beratung: Barbara Bardaka, Ulf Kirschhofer. Dramaturgie: Florian Hirsch. Regieassistenz: Julius Herm. Mit: Dolores Winkler, Simon Mantei, Vidina Popov, Anton Andreew, Sophia Burtscher, Johannes Meier, Natalie Fend und den bleamibrockers.

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