„Die Wand“ – ein unsichtbares Hindernis

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Marlen Haushofers verstörender Roman aus dem Jahre 1963 wurde von Dorothee Hartinger 2011 für die Bühne bearbeitet. Die Burgschauspielerin stand selbst in der Rolle der namenlosen, einsamen Frau auf der Burgtheater-Feststiege. In Salzburg überzeugt Britta Bayer in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters mit dem geschickt gekürzten Text, einem intensiven Monolog, der unter die Haut geht.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Die Frau freut sich auf ein paar ruhige Tage in Hugos Jagdhaus. Als dieser mit seiner Frau von einer Fahrt ins Dorf nicht zurückkehrt, macht sie sich gemeinsam mit ihrem Hund auf die Suche. Plötzlich versperrt ihr eine unsichtbare Wand den Weg. Sie stellt fest, dass außerhalb der Barriere alles Leben erloschen ist, findet sich aber überraschend schnell mit ihrer Einsamkeit ab. Sie beginnt sich in und mit der Natur einzurichten und fühlt nur wenig Kummer, kaum Verzweiflung, denn die Wand schafft es, ihre Langeweile zu vertreiben. Neben dem treuen Hund bereichern auch eine plötzlich auftauchende Kuh und eine Katze, beide trächtig, ihr karges Leben. Sie entwickelt eine starke Bindung zu den Tieren und versucht ständig, sie vor den drohenden Gefahren der rauen Natur zu schützen. Die Sorge um die Tiere setzt ihr zu, es erscheint ihr unmöglich, sie im Stich zu lassen. Im zweiten Sommer ziehen sie alle voll freudiger Erwartung auf eine Alm. Das Auftauchen eines mysteriösen Mannes zerstört abrupt die Idylle.

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Auch wenn man das Buch gelesen und die Filmversion mit Martina Gedeck gesehen hat, kann man an diesem Abend mit Britta Bayer eintauchen in die zutiefst erschreckende, doch gleichzeitig faszinierende Vision der totalen Isolation. Claus Tröger hat den eineinhalbstündigen Monolog mit viel Feingefühl in Szene gesetzt und eine Stimme aus dem Off (Elisabeth Bayer) hinzugefügt. Britta Bayer schafft es, die unterschiedlichsten Emotionen auszudrücken, und macht ihre zunehmende Verzweiflung und ständige Angst vor dem Unvorhersehbaren und der Gewalt der Natur fast greifbar. Nach der unerklärlichen Katastrophe wirkt sie müde wie nie zuvor. Doch alles geht weiter, auch wenn ihr das Bewusstsein abhandengekommen ist, eine Frau zu sein.

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Die wörtliche Übernahme des Textes, das schlichte Erzählen des faszinierenden Romans von Marlen Haushofer, ermöglicht eine große Bandbreite an Interpretationen. Ein intimer, sehr berührender Abend, der vom Publikum äußerst positiv aufgenommen wurde und sicherlich noch länger nachwirkt.

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 „Die Wand“ von Marlen Haushofer. Bühnenfassung von Dorothee Hartinger. Inszenierung: Claus Tröger. Bühne und Kostüme: Eva Musil. Die Frau: Britta Bayer. Fotos: Anna-Maria Löffelberger

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