„Hotel Ultimus“ – Was für eine Nacht!

Die Plainburger Theaterwerkstatt präsentiert in ihrer 32. Spielzeit eine witzig-frivole Komödie des französischen Dramatikers Georges Feydeau. Der unbeschwert vergnügliche Theaterabend sorgt mit einem Feuerwerk an Pointen für beste Stimmung. Die Premiere fand am 16. Oktober 2015 im Hotel Vötterl in Großgmain statt.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Im Hause Pinglet hängt der Haussegen schief. Nach 30 Ehejahren ist Monsieur seiner Ehefrau überdrüssig. Als diese zu ihrer kranken Schwester fährt, nützt er die Gelegenheit, um mit seiner frustrierten Nachbarin Marcelle Paillardin anzubandeln. Diese hat bereits nach fünf Jahren von ihrem phlegmatischen Ehemann genug. Sie beklagt sich über mangelnde Aufmerksamkeit und Leidenschaft. Gerne stellt sich Pinglet als Tröster zur Verfügung. Im Hotel Ultimus soll dem Langeweiler von Ehemann eine Lektion erteilt werden. Zu dumm, dass dieser als gerichtlicher Sachverständiger eine Nacht im selben Hotel verbringen wird. Paillardins Neffe Marcel, ein junger, braver Studiosus, wird von einem verführerischen Dienstmädchen ebenfalls in dieses Etablissement geschleppt, um in die Geheimnisse der Liebe eingeweiht zu werden. Als wären mit dieser Konstellation nicht schon genug Verwirrungen vorprogrammiert, erscheint auch noch die geschwätzige Madame Mathieu mit ihren vier ungezogenen Töchtern im Hotel Ultimus, nachdem sie von Pinglet vor die Tür gesetzt wurde. Der zweite Akt spielt in diesem zwielichtigen Hotel, dessen beste Zeiten zum Leidwesen der Besitzerin schon lange vorbei sind. Hier überschlagen sich die Ereignisse, einige Personen landen schließlich sogar auf der Polizeiwache.

Eric Voggenberger gibt als Pinglet den großen Verführer, der ohne Skrupel seinen Freund und Nachbarn Paillardin (Peter Kaufmann) zu betrügen versucht. Bärbel Walter als vernachlässigte Ehefrau sehnt sich nach Rache und Leidenschaft. Pinglets Ehefrau (Brigitte Voggenberger-Göttl) traut ihrem Gatten nicht über den Weg. Verschlossene Türen sind für diesen aber kein Problem, wartet doch eine Strickleiter auf ihren Einsatz. Die quirlige Claudia Hölzl als Madame Mathieu sorgt bei jedem ihrer Auftritte für Heiterkeit, hat sie doch ihre vier Töchter, ihre „vier Elfen“, nicht wirklich im Griff. Sigrun Wagner und Helmut Schwinger versuchen, sich ihr Hotel Ultimus schönzureden. Hat hier wirklich die Kronprinzessin von Polen mit Hilfe ihres Kammerherrn die Hochzeitsnacht verbracht?

Gratulation an die Ensemblemitglieder der Plainburger Theaterwerkstatt, die bei dieser exakt konstruierten Bühnenkomödie mit ihrem organisierten Wahnwitz nie den Faden verlieren. In Feydeaus frivolen Komödien geht es stets um die Doppelmoral des Bürgertums. Das Rezept, ein Gramm Verwicklung, ein Gramm Pikanterie und ein Gramm Beobachtung, geht an diesem Abend voll auf. Thomas Landl hat das Stück mit enormem Tempo in Szene gesetzt und beschert dem Publikum einen überaus vergnüglichen Abend.

„Hotel Ultimus“ – von Georges Feydeau. Nach einer Bearbeitung von Reinhard Palm. Inszenierung: Thomas Landl. Produktion und Gesamtleitung: Norbert Wurster. Mit: Veronika Göttl, Claudia Hölzl, Peter Kaufmann, Christoph Langgartner, Lilli Panzer, Helmut Schwinger, Brigitte Voggenberger-Göttl, Eric Voggenberger, Sigrun Wagner, Bärbel Walther, Sabine Aigner, Svenja Burger, Vanessa Schnöll, Josefine Walther. Foto: Theaterwerkstatt

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