Rendezvous für Spätzünder. Unterhaltsamer Beziehungsstress

Kanadas populärster Dramatiker Norm Foster schickt in seiner „romantischen Komödie“ zwei Frauen und zwei Männer auf die Suche nach dem idealen Partner. Das Publikum im Kleinen Theater amüsiert sich köstlich über turbulente „Dates“, die absolut nicht nach Wunsch verlaufen. Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 29.10.2015 statt.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Andi vermietet Lagerschuppen und hat eine gescheiterte Ehe hinter sich, beides nicht sehr spektakulär. Bevor er endgültig alt und gebrechlich wird, wünscht er sich eine tiefe, echte Beziehung. Er ist zwar ein herzensguter Kerl, aber auch ein richtiger Tollpatsch und so bittet er seinen besten Freund, den feschen Max, ihn zu seinem ersten Blind Date zu begleiten. Die Damen erscheinen ebenfalls im Doppelpack. Zwischen Max und der wilden Nina, einer taffen Polizistin, funkt es sofort. Die beiden verzichten auf den geplanten Konzertbesuch und lassen Andi und die leicht frustrierte OP-Schwester Vicky alleine zurück. Der Besuch eines wilden Rockkonzertes kann die Situation auch nicht mehr retten und so schwindet für Andi die Hoffnung auf ein weiteres Treffen. Das neue Liebespaar, Max und Nina, verdonnert die beiden jedoch, sie auf ein Jazz-Konzert zu begleiten. Ob diesmal der Abend besser verläuft?

 

Jurek Milewski glänzt in der Rolle des gutmütigen, unsicheren und überaus sparsamen Andi, der kein Fettnäpfchen auslässt und von Frauen oft missverstanden wird. Thomas Peschke überzeugt als selbstbewusster Max, als wilder Draufgänger, der sich seiner Wirkung auf Frauen sehr wohl bewusst ist. Heide Maria Hager träumt als Vicky von einer harmonischen Beziehung mit magischen Momenten. Daniela Zähl als männermordende Vicky ist da nicht so wählerisch, sie nimmt sich, was sie kriegen kann.

An diesem Abend wird deutlich, dass die Suche nach dem richtigen Partner im fortgeschrittenen Alter nicht einfacher wird. Stolz präsentieren die drei Geschiedenen die Fotos ihrer fast schon erwachsenen Kinder. Da kommt bei Nina Wehmut auf, vielleicht hat sie ja doch etwas versäumt. Ein wildes, freies Leben scheint auch nicht wirklich die Erfüllung zu sein. „Weine nicht, weil es vorbei ist, lächle, weil es passiert ist“, lautet einer der vielen schlauen Sprüche, mit denen die Herren die Damen beeindrucken wollen. Wenn allerdings die OP-Schwester gerade vom Ende eines Pockenalarms berichtet, kann Andi mit dieser Weisheit bei ihr nicht punkten.

Regisseur Mirek Polatynski und Jurek Milewski haben den Text übersetzt und dabei einige Kalauer eingebaut, die beim Publikum überaus gut ankommen. Ein langer, doch kurzweiliger Theaterabend, der die Lachmuskeln strapaziert und wieder einmal beweist, wie amüsant Beziehungsprobleme sein können – solange man nicht selbst betroffen ist.

„Rendezvous für Spätzünder“ von Norm Foster. Übersetzung: Mirek Polatynski und Jurek Milewski. Miluna Theater Salzburg. Deutschsprachige Erstaufführung in Kooperation mit Atlas Stage Productions Canada. Regie: Mirek Polatynski. Bühne: Alois Ellmauer. Kostüme: Hilde Böhm. Mit: Heide Maria Hager, Jurek Milewski, Thomas Peschke, Daniela Zähl. Fotos: Autrenalin/Mike Herzog

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