Alpenkönig und Menschenfeind – die Läuterung eines Wüterichs

2_Marcus Bluhm und Ensemble

Alexandra Liedtke bringt am Salzburger Landestheater Ferdinand Raimunds „romantisch-komisches Original-Zauberspiel“ als modernes Märchen mit Live-Musik auf die Bühne. Der durch Geldsorgen gestresste Herr von Rappelkopf macht seinen Mitmenschen das Leben zur Hölle. Das kann und will der Alpenkönig nicht dulden. Das bitterböse Märchen sorgte bei der Premiere am 21.11.2015 für beste Stimmung.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Vogelgezwitscher und schrille Tierlaute begleiten den Alpenkönig und seine kleinen Alpengeister bei ihrer wilden Jagd in den Bergen. Im Hause des Herrn von Rappelkopf herrscht hingegen miese Stimmung. Das Gesinde streikt, singt die Internationale und skandiert ständig: „Wir wollen alle gehen!“ Auch Sophie, die Gattin des mürrischen Hausherrn, ist mit den Nerven am Ende, verschlimmert sich doch die „Seelenkrankheit“ ihres Gatten von Tag zu Tag.

Als dieser in seinem Verfolgungswahn sämtliche Möbel demoliert und in den Wald flieht, ist sie jedoch nicht erleichtert, sondern bedauert den armen Irren auch noch. Dieser logiert nun in einer armseligen Hütte, die er einer völlig asozialen Köhlerfamilie abgekauft hat. Hier sucht ihn der Alpenkönig auf und schließt mit ihm einen Teufelspakt. Die Therapie beginnt mit Naturgewalten und dem anklagenden Auftritt seiner drei verblichenen Gattinnen. Der Weg bis zur Erkenntnis erweist sich als langwierig und mühsam.

5_Britta Bayer und Georg Clementi

Lange darf Christoph Wieschke als Rappelkopf toben und wüten, bevor der erste Funke Menschlichkeit an ihm zu entdecken ist. Wenn Marcus Bluhm als charismatischer Alpenkönig in diese Rolle schlüpft, überbietet er dessen wilde Ausbrüche an Gemeinheiten und Bosheiten noch um einiges. Warum Britta Bayer als vierte Gattin dem Wüterich stets in Liebe ergeben ist, bleibt ein Rätsel, neigt sie doch gegenüber ihrer Dienerschaft selbst zu hysterischen Ausrastern. Es ist aber auch eine eigenwillige Truppe, die im Hause Rappelkopf für Unruhe sorgt: Sofie Gross als selbstbewusstes Kammermädchen und „intrigantes Frauenzimmer“, Axel Meinhardt als Kutscher und „Brandstifter“ sowie Nina Steils als Köchin und „Kräuterhexe“.

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Ergänzt wird das schrille Panoptikum durch den einfältigen Diener Habakuk (umwerfend schräg Georg Clementi), dessen Hinweis auf seinen Parisaufenthalt zum Running Gag wird. Rappelkopfs Familie wird auch als Köhlerfamilie eingesetzt und dazu ordentlich eingerußt. Bedauernswert der Laufbursche (Walter Sachers), der als verwirrte, alte Oma nicht versteht, worum es eigentlich geht, während alle übrigen „So leb’ denn wohl, du stilles Haus“ trällern. Von all diesem Wahnsinn unberührt zeigt sich das Liebespaar Malchen und Anton (rührend Nikola Rudle und Hanno Waldner).

15_Britta Bayer und Christoph Wieschke

Raimund Orfeo Voigt zeichnet verantwortlich für das grandiose Bühnenbild, in dem die Berge mit Neonröhren angedeutet werden und ein magischer Tempel der Erkenntnis von der Decke schwebt. Valentina Mercedes Obergantschnig hat weder an Federn noch an Pelzen gespart, um das Gefolge des Alpenkönigs entsprechend einzukleiden. Karsten Riedl ergänzt Raimunds Liedpoesie mit modernen Klängen, Sprechgesang und Chansons und sorgt gemeinsam mit Jay Beitel für die musikalische Umrahmung des märchenhaften Geschehens.

17_Hanno Waldner und Christoph Wieschke

Durch Alexandra Liedtkes originelle, schräge Inszenierung wird aus Ferdinand Raimunds romantischem Kunstmärchen eine schrille Komödie über die Bekehrung eines Haustyrannen. Viel Applaus für das spielfreudige Ensemble und das Leading Team.

„Alpenkönig und Menschenfeind“ – Romantisch-komisches Original-Zauberspiel in zwei Aufzügen von Ferdinand Raimund. Inszenierung: Alexandra Liedtke. Bühne: Raimund Orfeo Voigt. Kostüme: Valentina Mercedes Obergantschnig. Musik: Karsten Riedl. Mit: Marcus Bluhm, Axel Meinhardt, Georg Clementi, Walter Sachers, Christoph Wieschke, Britta Bayer, Nikola Rudle, Walter Sachers, Hanno Waldner, Sofie Gross, Georg Clementi, Axel Meinhardt, Nina Steils. Fotos: Anna-Maria Löffelberger

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