„Die Schneekönigin“ – ein berührendes Familienmärchen

Letzten Winter machte sich die kleine Gerda in einem Zirkuszelt an der Talstation der Leoganger Bergbahnen auf die Suche nach ihrem Bruder Kai. Nun begeistert Jewgenij Schwarz‘ Bearbeitung von Hans Christian Andersens komplexem Märchen in der Inszenierung von Reinhold Tritscher das Publikum im republic. Ein winterliches Theatervergnügen für die ganze Familie.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Fast 400 erwartungsvolle Kinder füllen den Zuschauerraum im republic am 17. Dezember 2015 vormittags um 10 Uhr und sie verstehen es, die Künstler würdig zu empfangen. Allein schon der Auftritt eines Schneemannes, der sich als verkleideter Märchenerzähler entpuppt, lässt die Stimmung fast überkochen. Heftiges Schneegestöber auf einer Videoleinwand vermag die Gemüter zu beruhigen und die Kinder dürfen eintauchen in die wundersame Welt von Gerda und Kai, die mit ihrer Großmutter ein gemütliches kleines Häuschen bewohnen. Der Besuch eines mächtigen Kommerzienrates sorgt für Unruhe, will er doch unbedingt den auch im Winter blühenden Rosenstock erwerben.

Das strikte „Nein!“ der Großmutter verärgert ihn schwer und er schwört Rache. Seiner Geschäftspartnerin, der mächtigen Schneekönigin, gelingt es, Kai zu einem Kuss zu überreden, der schwerwiegende Theater ECCE / Die SchneeköniginFolgen nach sich zieht. Sein Herz erstarrt zu Eis und so ist es für sie ein Leichtes, ihn in ihr eiskaltes Schloss zu locken. Gerda ist untröstlich und macht sich sofort auf die Suche nach ihrem Bruder und liebsten Spielgefährten. Auf ihrer abenteuerlichen Reise in den hohen Norden trifft sie auf zwei sprechende Raben, einen finsteren König, der sie unbedingt festhalten will, sowie eine gefährliche Räuberbande. Hilfreich hingegen sind ihr ein verspielter Prinz und seine muntere Prinzessin. Sie leihen dem kleinen Mädchen einen noblen Pferdeschlitten und nun kann sie nichts mehr aufhalten.

Reinhold Tritscher und dem Theater ecce ist heuer für ihre integrativen Projekte, in denen beeinträchtigte Menschen mit professionellen Schauspielern, Artisten und Musikern auf der Bühne stehen, der Kulturfondspreis der Stadt Salzburg verliehen worden. Es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie gut die Zusammenarbeit auf der Bühne funktioniert und wie perfekt die verschiedenen Rollen auf die jeweiligen Möglichkeiten abgestimmt sind. Ob als blühender Rosenstrauch, als Hofkavaliere oder Hofdamen, die Intensität und der Spieleifer aller Beteiligten fasziniert und berührt. Alois Ellmauer zeichnet verantwortlich für das fantastische, traumhaft schöne Bühnenbild.

Hinreißend Großmutters heimelige Wohnstube, die mitten im Schneegestöber zu schweben scheint. Jurij Diez führt als gut gelaunter Märchenerzähler durch die Geschichte und mischt in manchen Szenen auch kräftig mit. Anna Paumgartner verkörpert die liebe, kleine Gerda, die bis ans Ende der Welt läuft, um ihren Bruder zu retten. Die junge Pamina Milewska bringt mit ihren akrobatischen Einlagen Zirkusatmosphäre auf die Bühne.

Für die musikalische Untermalung sorgen gewohnt professionell Rupert Bopp, Gernot Haslauer, Robert Kainar und Fritz Moßhammer, die mit ihren vielen Instrumenten immer den richtigen Ton treffen, ob nun Vogelgezwitscher oder Schneesturm verlangt wird. Brigitte Trnka ist in einer Doppelrolle zu bewundern, als resolute Großmutter und wilde Räuberhauptfrau. Gerard Es hat als König, der es nicht schafft, Gerda festzuhalten, die Lacher auf seiner Seite. Als eiskalte, doch wunderschöne Schneekönigin verbreitet Anna Kuzmenko Angst und Schrecken.

Hans Christian Andersens Märchen über Blumen, die im Winter blühen, passt hervorragend in die Weihnachtszeit. Wenn uns der Schnee heuer im Stich lässt, so kann vielleicht ein Besuch der „Schneekönigin“ darüber hinwegtrösten.

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„Die Schneekönigin“ – Familientheaterstück nach Hans Christian Andersen und Jewgenij Schwarz. Inszenierung und Gesamtleitung: Reinhold Tritscher. Musik: Rupert Bopp, Gernot Haslauer, Robert Kainar, Fritz Moßhammer. Bühne: Alois Ellmauer. Werkstatt & Bühnentechnik: Gerd Walter. Kostüme: Hilde Böhm, Norbert Gruber. Choreografie: Wolf Junger. Akrobatik: Ulfried Kirschhofer. Video: Nicole Baier. Lichtgestaltung: Heide Tömpe. Ton: Daniel Mayrhofer. Mit: Salim Chreiki, Alexander Dick, Jurij Diez, Gerard Es, Gerhard Fagerer, Florian Heis, Philipp Kieninger, Anna Kuzmenko, Alexander Lughofer, Pamina Milewska, Jurek Milewski, Anna Paumgartner, Natalia Sarajlic, Michael Schernthaner, Andreas Schober, Brigitte Trnka, Stefan Wartbichler. Fotos: Andreas Hauch/ ECCE

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