Christiane Pott-Schlager – TIEF EINATMEN

Einladung zur Eröffnung des Inhalationszentrums – eine Rauminstallation:
“TIEF EINATMEN” Christiane Pott-Schlager
Freitag, 23. April 1999, 19 Uhr in der Kunststation in Oberndorf an der Salzachbrücke

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Rauminstallation: “TIEF EINATMEN” – Inhalationszentrum

Ich gehe bei dieser Installation von der Geschichte des Grenzwärterhäuschens aus, das ehemals als Trafik, bzw. Kiosk genutzt worden ist. Die Situation der offiziell zu verkaufenden Rauchwaren wird in eine Situation überführt, in der Rauch angeboten wird und von “offizieller” Stelle zugeführt und dosiert wird. Das ehemals individuelle Verhalten, mit dem man Freiheit, Cool-sein, In-Sein, aber auch Süchtig-Sein oder Gesundheitsgefährdung assoziiert wandelt sich in ein kollektives, etabliertes Verhalten, bei dem man nicht mehr in dem Maße Entscheidungsträger ist. Entscheidung und Verantwortung wird dem Individuum abgenommen und das oftmals angeprangerte Rauchen scheint sogar wie eine gesundheitsbringende Kur. Selbst die warnenden Hinweise lassen sich wie eine harmlose Packungsbeilage eines heilbringenden Medikaments lesen. Die zwiespältige Rolle der Institution, aber auch der gutgläubige Mensch gelangen ins Blickfeld, sowie die Gesellschaft mit der Kontrolle, mit ihren Rollenführern und Aussteigern, als auch die Vermassung aller Tätigkeit, das bis ins private Leben eingreift- angeblich freiwillig.

Die Umkehrung einer Situation führt in dieser Installation zu einer Pervertierung des Verhaltens und der Gesellschaft, die ganz so utopisch nicht ist, wie sie zunächst ausschaut.

Spätestens seit Beuys ist das Kunstobjekt nicht mehr einziger Gegenstand der Kunst, sondern auch soziale und gesellschaftliche Themen sind Wert, künstlerisch verarbeitet zu werden. Die verwendeten Materialen und ihr Aufbau suggerieren eine Situation, einen Ort, der Anstoß des Denkens wird und provozieren eine Handlung, die ebenso reflektiernd wirkt. “Kunst ist Geist” schreibt Hegel und so soll durch eine fast alptraumhafte Situation menschliches Verhalten bewußt gemacht werden. Freiheit und Individualität sind heute weiterhin gute Werbesprüche.

“WÄHLEN SIE IHREN INDIVIDUELLEN STANDORT, BEWEGEN SIE SICH GANZ FREI UND ATMEN SIE TIEF EIN UND AUS”

“STELLEN SIE SICH BEQUEM VOR DIE WAND SO DASS SIE DAS MUNDSTÜCK ERREICHEN UND ATMEN SIE IN INDIVIDUELLEM TEMPO DURCH DAS ROHR EIN UND FREI WIEDER AUS”

“DER EU- GESUNDHEITSMINISTER : RAUCHEN GEFÄHRDET DIE GESUNDHEIT”

Christiane Pott-Schlager

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