Die nackte Frau Percht

Die nackte Frau PerchtFoto: Wandergalerie/ h.rogra
Foto: Wandergalerie/h.rogra

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Immer zur Vorweihnachtszeit begegnen wir in Salzburg und dem benachbartem Bayern der Tradition der Percht. Hunderte Menschen pilgern zu den beliebten Perchtenläufen, die immer mehr auch zu touristischen Fixpunkten mutieren. Die Percht ist dabei als dämonische Gestalt schlechthin bekannt, die die verdammten Seelen einfängt und gerecht bestraft. Der Unterschied zwischen Krampus und Percht ist dabei weitgehend unbekannt.

Von Sonja Schiff

Eine starke Frau – Ursprung einer Tradition
Noch unbekannter ist die Herkunft der Figur PERCHT. Denn die heute männliche Figur, hat weibliche Wurzeln. Der Ursprung dieser Tradition ist weiblich. Sie hieß Freya, Frigga, Berechta oder Frau Percht. Sie war die Beschützerin der Frauen und Kinder.

Sie hielt Gericht über Mörder, Vergewaltiger, Schläger und Säufer. Sie brachte Glück in Haus und Hof, sie hatten den Kontakt zu den AhnInnen und half den verstorbenen Kindern den Weg zu den AhnInnen zu finden.

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Sie wurde als verführerische Frau beschrieben, aber vor allem als uraltes Weib mit Runzeln, langem schneeweißem Haar oder als riesiges Weib mit Hörnern, langen Zähnen und in Fellmantel gehüllt.

Foto: Wandergalerie/h.rogra

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Gezähmt und Maskulinisiert durch Kirche und Herrentum
Die katholische Kirche übergab die guten Anteile der percht der Figur „Maria“. Die bösen, strafenden Elemente der Figur wurden verleugnet. Später übernahm das Herrentum den Perchtenkult und maskulinisierte die Figur, machte einen Männermythos daraus.

Heute ist nicht nur die (!) Percht männlich, sondern auch die Tradition selbst eine Männerdomäne. Es laufen vor allem junge Männer als Perchten und es gibt fast nur männliche Maskenschnitzer. Perchtenmasken sind aus Holz geschnitzt und haben tierische Vorbilder (Wolf, Bär, Adler..) und sind ebenso wie der Krampus mit enormen Reiß- und Fangzähnen ausgestattet. Im Gegensatz zum Krampus haben sie allerdings mehrere Hornpaare um viele verdammte Seelen gleichzeitig aufzuspießen und danach ihrer Strafe zuführen zu können.

Foto: Wandergalerie/h.rogra

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Tradition trifft Kunst- die nackte Frau Percht
Die WANDERgalerie- der 2009 gegründete Verein für Kunst an wechselnden Orten- hat unterschiedliche KünstlerInnen eingeladen die Figur der Percht zu interpretieren. Herausgekommen ist ein Spannungsfeld zwischen Tradition und Kunst.

Helmut Brandecker – traditionelle Perchtenmasken
aus Pfarrwerfen ist einer der bekanntesten traditionellen Schnitzer von Perchten- und Krampusmasken. Die Familie Brandecker hat sich dem Brauchtum des Perchten- und Krampuslaufes verschrieben, neben Masken wird von den Brandeckers alles von Hand hergestellt was eine richtige Percht so braucht: Fellanzüge, Glocken, Schellen, Kuhschwänze, Hörner, Handschuhe mit langen Krallen.

h.rogra – Aktphotografie
aus Salzburg, sieht seine fotografischen Arbeiten zum Thema „Percht“ nicht im Gegensatz, sondern im Einklang mit dem Brauchtum. Er geht mit seinen fotografischen Interpretationen weit zurück in die Welt der kraft– und lustvollen Hexen, er führt die Percht wieder ihrer Unsprungsfigur zu. Akte mit Perchtenmaske sollen weiblicher Körperlichkeit und Ausstrahlung besonderen Ausdruck verleihen. Die abgebildeten Frauen waren nicht (Photo)Objekt, sie wurden zur Frau Percht und setzten sich selbst als diese in Szene.
Die Arbeiten von h.rogra sind August 2009 in Ronco/ Italien entstanden, wo der Künstler jährlich einen Kreativmonat verbringt. Spannend in diesem Kontext ist auch die Wanderschaft der Perchtenmaske. Aus dem Salzburger Innergebirg in die Lombardei. Nicht minder kraftvoll, aber ganz und gar befreit von der maskulinen Dominanz der Tradition Pfarrwerfens, des Geburtsortes der Maske.

LUMPENPACK/ KNARF und MeerSAU – StreetArt
Ein ‘’GRAFFITI –Kollektiv” junger Salzburger StreetArt-Künstler. Jedes Mitglied hat ihr eigenes Ausdrucksmittel, von digitaler Gestaltungen über handwerkliche Materialien, Fotos bis hin zu Schablonen und Graffiti.

MeerSAU versucht sich seit 4 Jahren in das Bild der Stadt einzubringen. Seien es Aufkleber auf Stromkästen, Dachrinnen, auf der Rückseite von Straßenschildern, Poster auf ungenützten Werbeflächen, Installationen aus Steinen, Styropor, Karton. Der Grund für diese scheinbare sinnlose Art einiges an Geld und Zeit zu verschwenden? Der Wiedererkennungseffekt und das damit verbundene Grinsen im Gesicht, wenn man wieder was auf der Straße entdeckt hat.

Foto: Wandergalerie/h.rogra

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KNARF wohnt in der Glockengasse im Zentrum von Salzburg und verbringt dort den Großteil seiner Freizeit. Die Fachschule für Bildhauerei in Hallein ist sein Zweit-Wohnsitz. Er schüttelte vor 4 Jahren das erste Mal gemeinsam mit der MeerSAU seine Dosen und liebt dieses ‘’Klack-Geräusch” bis heute.

Beide StreetArt-Künstler interpretieren die nackte Frau Percht mit ihren Mitteln, direkt an die Wand.

Annphie Fritz, Veronika Konrad, Sonja Schiff: Performance
3 Frauen unterschiedlichen Alters, eine Schauspielschülerin, eine PerformanceArt-Künstlerin und eine Neugierige – sie interpretieren die Frau Percht neu, schlüpfen unter die Maske, werden zur Frau Percht und erzählen als diese ihre Geschichte.

Perchtenpass Pfarrwerfen – traditioneller Perchtenlauf
zeigen den traditionellen männlichen Perchtenlauf und stellen damit das Pendant dar zur weiblichen Perchtenperformance.

Termin: 11. Dezember 2009 ab 17 Uhr in der Times Garage, Bergstrasse 2a, in Salzburg. Wandergalerie >

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Dorfladen

7 Kommentare zu "Die nackte Frau Percht"

  1. Endlich zeigt jemand die weibliche Seite der Perchten! Ich freue mich auf den Perchtenlauf in Salzburg.
    Alles Gute und viel Erfolg!
    Raphaela

  2. sonjaschiff | 10. Dezember 2009 um 00:30 |

    Sehr geehrter Dr. Traintinger,
    danke für die Ankündigung in der Dorfzeitung!
    Wir hoffen wir sehen Sie am Freitag!

  3. Denke, dass der Unterschied zwischen Percht u. Krampus doch eindeutig ist.
    Nikolaus (der Gute, Heilige mit der Mytra) hat einen Begleiter, den Krampus (den teuflisch Bösen). Vom Krampus weiß man, dass er immer die Rute bei sich trägt, mit unter auch einen Bucklkorb, um die schlimmen Kinder mitzunehmen. es ist bekannt, dass im 19. Jh u. frühen 20. Jh. in verschiedenen Gebirgstälern d. Ostalpen Kinder vom Krampus abgeholt u. ausgestiftet wurden (weil die Familien zu wenig zu essen hatten, und weil manche Eltern mit den Kindern erziehungsmäßig nicht zurecht kamen …). Hingegen Nikolaus mit seinem Heiligenstab (Hl. Nikolaus) bringt Geschenke für die Braven. Nikolaus und Krampus sind nicht nur moralische Träger von Gut und Böse, auch von kirchlich Heiligem und weltlich Heidnischem.
    Die Perchten (keltischen = heidnischen Ursprungs) gleichen Geistern, schönen und schiachen. Die (Schön- und Schierch-) Perchten bringen Glück und vertreiben Unheil. Teuflisch (wie der Krampus) sind sie nicht.

  4. Ich habe über eine nackte Frau Percht noch nie nachgedacht, ist mir auch gar nicht in den Sinn gekommen. Die perchtischen Brauchtumsveranstaltungen finden alle in der Winterkälte statt, da erübrigt sich der Gedanke an nackte PerchtenläuferInnen, die würden ganz einfach erfrieren. Interessant ist, daß die in Felle gehüllten Perchten oft am Rücken mit 2 großen Schepperkugeln ausgestattet sind; hat das einen tieferen Grund?

    Die Veranstaltung kann schon interessant werden, die männlichen Perchten werden neben den weiblichen nackten Perchten wahrscheinlich ganz schön ins Schwitzen kommen. Wo steht der behaarte männliche Percht und die nackte Frau Percht evolutionstechnisch gesehen? Leben beide in der gleichen Zeit oder die Frau tausende Jahre später? Fragen über Fragen, die auch am Freitag wohl nicht gelöst werden. Vorbeikommen möchte ich auf jeden Fall, schon wegen der für mich bizarren Aktion, die es in dieser Form wohl nicht so häufig geben wird.

  5. Eie interessanter Veranstaltung, wenn es sich irgendwie organisieren läßt, werde ich nach Salzburg kommen! Einen offenkundig weiblichen Percht oder eine Frau Percht habe ich noch nie gesehen! Es ist hoch an der Zeit, auch hier einmal den weiblichen Aspekt zu zeigen; was geht schon wirklich ohne die starken Frauen in Hintergrund! Frauenpower ist die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft!

  6. sonjaschiff | 11. Dezember 2009 um 22:43 |

    Sehr geehrter Dr. Traintinger,
    schön dass sie bei unserer Veranstaltung waren. Schade,, daß Sie sich nicht zu erkennen gaben und nicht mit uns ins Gespräch gingen.. Ich war übrigens die erzählende Frau Percht. Grüße Sonja Schiff

  7. Laubfrosch | 6. Januar 2010 um 12:24 |

    Ich bin fest davon überzeugt, dass eine nackte Frau Percht schöner anzuschauen ist als ihr haariges männliches Gegenstück mit seinen blechernen Murmeln am Rücken!

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