„Die Rippenhof Saga“ – Gastspiel dreier „würdiger“ Tiroler

Das Feinripp-Ensemble besitzt in Tirol Kultstatus und wurde auch bei seinen Gastspielen im Wiener Kabarett Simpl von Publikum und Presse gefeiert. Nachdem die drei kernigen Tiroler bisher mit Shakespeares sämtlichen Werken, Grimms Märchen und der Bibel, jeweils in extrem gekürzter Fassung, für Furore sorgten, unterhielten sie am 29.10.2016 im Kleinen Theater mit einem trashigen Bauernschwank.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Auf dem Rippenhof liegt der Altbauer im Sterben. Vor drei Jahren ist sein ältester Sohn aufgebrochen, um die große Freiheit zu suchen. Nun, wo es ans Erben geht, wird er zurückerwartet, vom „Jüngsten“ freudig, vom „Mittleren“ weniger freudig erwartet, hat er doch bisher den siechen Vater gepflegt und sich um Haus und Hof kümmern müssen. Beim Kartenspielen wird der „Älteste“ mit dem neuesten Dorfklatsch vertraut gemacht. Plötzlich ist der Vater, der von seinem Krankenbett aus mitspielt, „gegangen“. Jetzt wird es ernst, denn der letzte Wille des Toten ist nicht so leicht zu erfüllen. Wie sollen sich die drei Bauernsöhne als „würdige Tiroler“ erweisen? In einer Truhe, die bisher niemand öffnen durfte, finden sie ein Manuskript, das der theaterbesessene Alte verfasst hat. Es geht um die Schlacht am Bergisel und die versucht man nun nachzuspielen. Nach der Pause muss Wandlungsfähigkeit bewiesen werden, denn ob als größenwahnsinniger Napoleon, kerniger Andreas Hofer, kriegerischer Pater Haspinger, schießwütige Franzosen oder tapfere Tiroler Bauern, sie machen immer „das richtige Gsicht, zum richtigen Text“, wie der „Jüngste“ begeistert feststellt.

Die drei Söhne des Rippenhof-Bauern könnten unterschiedlicher nicht sein. „Der Älteste (Thomas Gassner) hat in der Fremde gelernt, dass Esoterik das Leben erleichtern kann und „das Leben ein Fluss“ ist. Sehr zum Ärgernis des cholerischen „Mittleren“ (Markus Oberrauch), der mit der mitgebrachten Klangschale wenig anzufangen weiß und lieber von der „Titanic“, dem einzigen Film in den ihn sein Vater mitgenommen hat, träumt. Herzerwärmend die Naivität des „Jüngsten“ (Bernhard Wolf), der von seinen Brüdern nicht für voll genommen wird.

Die anfangs äußerst wortkargen Herren, die sich nach der Beerdigung des Vaters ihrer Beinkleidung entlegigen, sorgen in ausgeleierter Ripp-Unterwäsche für beste Stimmung, besonders bei der Schlacht am Bergisel. Ein Theaterabend, schwungvoll in Szene gesetzt von Johannes Gabl, der völlig aus dem Rahmen fällt, eine irrwitzige Persiflage auf das Bauernmilieu, wobei kein Klischee ausgelassen und obendrein noch kernig gesungen und getanzt wird. „Mia san mia, mia san mia, mia san stärker wia die Stier, mia san stärker wia die Bam, wei ma Tiroler san.“

„Die Rippenhof Saga“ von und mit Thomas Gassner, Markus Oberrauch und Berhard Wolf. Regie: Johannes Gabl. Foto: Feinripp-Ensemble

 

 

 

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