“Der Freischütz” im Salzburger Landestheater

Foto: Schristian Schneider/ SLT

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Ingrid Kreiter. “Hihihihi”, kichern die Frauen des Dorfes hämisch, während die Männer sich mit in die Luft gestreckten Gewehren über den Jägerburschen Max lustig machen. Dessen Chancen, die Erbförsterei und seine geliebte Agathe erwerben, stehen schlecht – immerhin hat er seit Wochen nichts mehr getroffen.

Da scheint dem unglücklichen Bräutigam ein Pakt mit dem Bösen der letzte Ausweg zu sein. Mit Hilfe von sieben Teufelskugeln, die Max zusammen mit dem zwielichtigen Kaspar in der sagenumwobenen Wolfsschlucht gießt, will der zukünftige Erbförster Agathe für sich gewinnen.

Dank der überzeugenden musikalischen Leistung ist auch die zweite Opern-Premiere in dieser Saison ein voller Erfolg für das Salzburger Landestheater. Annileses Miskimmons Inszenierung von Carl Maria von Webers romantische Oper “Der Freischütz” erntet andauernden Applaus.

Alle Fotos: Chrsitian Schneider/ Salzburger Landestheater

Julianne Borg kann als Agathe überzeugen, noch besser gefällt allerdings Karolína Plicková: Das dunkle, kräftige Timbre ihrer Stimme kommt beim Ännchen gut zur Geltung, auch Plickovás schauspielerische Leistung ist wie immer ein Augenschmaus. Schade nur, dass der gesungene Text zur Gänze unverständlich bleibt. Auch die Dialogszenen könnten etwas mehr Klarheit in der Aussprache vertragen. Nichtsdestotrotz – die Sängerinnen sind ohne Zweifel ein Gewinn fürs Landestheater.

Gütige Autorität und stimmliche Reife bringt Stefan Cerny als fürstlicher Erbförster Bruno auf die Bühne. Von der Magen-Darm-Grippe, die ihn plagt (Intendant Carl Philip von Maldeghem macht vor Beginn der Veranstaltung auf die Details der akuten Erkrankung aufmerksam), merkt das Publikum nichts.
Daniel Kirch verkörpert glaubwürdig den Naturburschen Max, Marcell Bakonyi fehlt es als Kaspar trotz überzeugender gesanglicher Leistung an der Bosheit und Verschlagenheit des Charakters. Mit Franz Supper (böhmischer Fürst Ottokar), Cornelius Hauptmann (Eremit) und Simon Schnorr (Bauer Kilian) sind die männlichen Nebenrollen gut besetzt.

Herausragend ist auch bei dieser Premiere das Orchester unter der Leitung von Leo Hussain: Da tönen die Hörner, tirillieren die Querflöten, klagen die Fagotte, seufzen die Geigen. Die Klarinetten und Oboen untermalen den Gesang ganz wunderbar. Mit Elan, Schwung, Leidenschaft und Begeisterung bietet das Orchester dem Premierenpublikum musikalisches Vergnügen auf höchstem Niveau.

Das Bühnenbild (Simon Lima Holdsworth) ist eine Symbiose aus Wald und Schankraum des Hauses. Die dicken Stämme von Fichten bieten sich im ersten Akt als Klettergerüste an. Dass die Szene in der Wolfsschlucht im Haus spielt, wirkt anfänglich etwas verwirrend. Doch die Spezialeffekte, die man sonst nur aus Filmen kennt, machen die Verlegung der Szene in die Stube wieder wett. Da drehen sich die Zeiger der Wanduhr in atemberaubenden Tempo zurück, Feuerzungen schießen aus der Blechtonne, das Licht flackert, wie von selbst züngeln kleine Flammen aus dem Fußboden. Die Inszenierung des Unheimlichen ist unheimlich gelungen.

Fazit: Eine hörens- und sehenswerte Inszenierung, mit deren Handlung man sich aufgrund der Textunverständlichkeit unbedingt schon vor Besuch der Aufführung vertraut machen sollte.

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4 Kommentare zu "“Der Freischütz” im Salzburger Landestheater"

  1. Das Problem der Textunverständlichkleit bei den Arien ist für mich die deutsche Sprache. Bei fast allen Opern sind doch die meisten gesungenen Texte, wenn man sie nicht auswendig kennt, eher unverständlich. Wird deutsch gesungen, ist die Verständlichkeit ein Thema, im Italienischen ist das kein Problem, weil gar nicht erwartet wird, dass man den Text auch verstehen könnte. Das ist der große Vorteil von Opern in der italienischen Sprache.

  2. Ingrid Kreiter Ingrid Kreiter | 12. Januar 2010 um 09:02 |

    Liebe Raphaela, mit Ihrer Anmerkung haben sie sicher recht. Aber erstens gehört ein fundierter Italienisch-Unterricht, der vor allem auf Artikulation und Aussprache Wert legt, zum Gesangsunterricht. Und zweitens ermöglichen die Untertitel bei italienischen Opern auch einem deutschen Publikum das Verstehen der Arien. Bei deutschen Opern wird angenommen, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer den Text verstehen – vielleicht wären Untertitel eine Lösung?

  3. Laubfrosch | 13. Januar 2010 um 20:35 |

    Das ist alles richtig, aber Untertitel sind für mich schon extrem störend. Ich lese dann dauernd mit und passe zu wenig auf die Musik auf. Wenn man sich vorstellt, dass bei Opernarien einzelne Wortsilben oft über 3-4 Takte gehen, ist es mit der Verständlichkeit sicher schlecht bestellt. Ich lese gerne vorm Opernbesuch das Libretto und widme mich ganz der Musik. Ich freu´ mich schon auf den Freischütz, den ich im Februar hören werde, das ist die Ouvertüre allein schon den Besuch wert!
    LG

  4. Ingrid Kreiter Ingrid Kreiter | 13. Januar 2010 um 20:43 |

    Der Opernbesuch zahlt sich auf jeden Fall aus. Viel Vergnügen! Liebe Grüße, Ingrid Kreiter

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