Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran – Schauspielhaus

Foto: Schauspielhaus Salzburg/ Griese

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Elisabeth Pichler. Eric-Emmanuel Schmitt, 1960 in Lyon geboren, gehört in Frankreich zu den bedeutendsten Theaterautoren seiner Generation und feiert auch international große Erfolge. „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ ist ein Theaterstück, das 2001 als Erzählung erschienen ist und 2003 mit Omar Sharif in der Titelrolle verfilmt wurde.

„Als ich elf war, habe ich mein Schwein geschlachtet und bin zu den Dirnen gegangen.“

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Mit diesem Satz stellt sich der junge Moses dem Publikum vor und erzählt uns dann seine Geschichte: Er lebt mit seinem depressiven Vater in einer kleinen Wohnung in der Rue Bleu in Paris. Da ihn seine Mutter kurz nach seiner Geburt verlassen hat, muss er sich um den Haushalt kümmern und kochen. Zum Einkaufen geht er in den Laden von Monsieur Ibrahim, der als weiser Mann gilt. Er ist „nur“ ein Araber, der in einer jüdischen Straße sein Geschäft führt, und das bedeutet: „Von acht bis vierundzwanzig Uhr geöffnet, auch am Sonntag.“ Doch dieser stellt immer wieder richtig: „Ich bin kein Araber, ich komme vom goldenen Halbmond, so heißt eine Region, die von Anatolien bis Persien reicht.“

Die wenigen Sätze, die die beiden anfangs miteinander wechseln, wachsen sich bald zu tiefsinnigen Gesprächen aus, denn Monsieur Ibrahim kennt die Geheimnisse des Glücks. Mit Hilfe seiner Weisheiten, die er dem Leben und dem Koran entnimmt, eröffnet er dem jungen Moses (den er lieber Momo nennt, denn „das klingt nicht so bedeutend“) eine neue Welt. Er steht ihm bei, wenn es um erste Liebeserfahrungen geht und sensibilisiert den Jungen für die Freuden des Alltags. So wie Moses profitiert auch der Zuseher von Monsieur Ibrahims charmanten Weisheiten. So etwa, wenn er das Geheimnis des Lächelns offenbart, das nicht – wie Moses meint – „nur etwas für glückliche Leute ist“, sondern – wie Monsieur Ibrahim lehrt – erst glücklich macht. Woran man eine reiche Gegend erkennt, wie man einer Frau Komplimente macht, oder warum man nur das behalten kann, was man verschenkt, erklärt der weise Araber auf liebevolle Weise.

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Es ist ein Stück über die wesentlichen Erfahrungen, die einem das Leben beschert. Über Freundschaft und Liebe genauso wie über Abschied und Verlust. Und nicht zuletzt geht es um das Ziel, das allen Religionen gemeinsam ist: Glück – für sich und für andere. Georg Batscheider bringt dieses Schauspiel als 2-Personen-Stück auf die Bühne. Mit Ogün Derendeli hat er einen absolut überzeugenden Darsteller des Moses gefunden, dessen anfängliche Verzweiflung bald einem gewinnenden, verschmitzten Lächeln weicht und uns 90 Minuten eindrucksvollstes Theater beschert.

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Georg Reiter ist stets präsent, agiert aber behutsam, meist im Hintergrund, denn „in der Langsamkeit liegt das Glück“.

Die minimalistische Bühne besteht aus einer trostlosen Mauer und einem Gehsteig, so bleibt viel Platz für unsere Phantasie und die Entfaltung der orientalischen Weisheiten.

Für die musikalisch stimmige Untermalung sorgt Sedar Kurtoglu auf einer Saz, einer türkischen Langhalslaute, die ein Synonym für die Volksmusik Anatoliens ist.

Monsieur Ibrahim ist ein kleines, weises Stück, das hier mit großer Nachdenklichkeit und Behutsamkeit, aber auch mit Heiterkeit vorgetragen wird und voller Zuversicht für das Leben steckt.

Eric-Emmanuel Schmitt: Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran / PREMIERE: 5. März 2009 / SCHAUSPIELHAUS SALZBURG / Mit: Ogün Derendeli, Georg Reiter / Livemusik: Serdar Kurtoglu / Regie: Christoph Batscheider / Dramaturgie: Veronika Breuning

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