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Lumpazivagabundus – es menschelt im Feenreich

Die Eltern haben Probleme mit ihren Kindern, die nach einer durchzechten Nacht ziemlich mitgenommen auf einer überdimensionalen Bierflasche der Marke „Lumpazi-Bräu“ hängen. Lumpazivagabundus, die Beherrscherin des lustigen Elends und Protektorin der Bösen, triumphiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Es kommt zu einer Wette zwischen der Glücksfee „Fortuna“ und der Liebesfee „Amorosa“. Wenn es Fortuna nicht gelingt, zwei von drei irdischen, besonders liederlichen Burschen durch einen Lotteriegewinn zu einem tugendhaften Leben zu bekehren, so dürfen Hilaris und Brillantin heiraten, obwohl ihre Eltern dagegen sind. Die Bewohner des Feenreiches wollen dieses Experiment verfolgen und begeben sich dazu auf die Erde.

Foto: Salzburger Landestheater

Vor dem Kiosk „Zum letzten Tropfen“ finden sich nach und nach drei Burschen ein, denen das Glück in letzter Zeit nicht gerade hold war: Leim ein Tischlergeselle aus Südtirol, der unter schwerem Liebeskummer leidet; Zwirn ein armer Schneidergeselle und Gigolo aus Wien; Knieriem ein Schustergeselle aus Bayern, der ständig betrunken ist und dann leicht in Schwierigkeiten gerät.

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Das große Glück erscheint ihnen ihm Schlaf: 7359 lautet die richtige Losnummer. Freudestrahlend kassieren sie den Gewinn, um sich mit dem vielen Geld ihre Herzenswünsche zu erfüllen: Für Leim ist es seine geliebte Peppi, für Zwirn sind es möglichst viele Frauen und Knieriem will von Bier auf Wein umsatteln. In einem Jahr am „Gedächtnistag ihres Glücks“ wollen sie sich in Wien wieder sehen.

Foto: Salzburger Landestheater

Die Regisseurin Beverly Blankenship, die das Salzburger Publikum bereits mit dem „Talisman“ (2007) begeisterte, liebt an Nestroy seine zeitlose Menschenbeobachtung, seine geniale Sprache und seinen schrägen Humor. Auch diesmal gelingt es ihr wieder, Nestroy zwar sehr modern, aber doch nicht gänzlich verfremdet, auf die Bühne zu bringen.

Mit Georg Clementi als Leim, Sascha Oskar Weis als Zwirn und Fritz Egger als Knieriem stehen wirklich drei verwegene, lockere und liederliche Gesellen auf der Bühne, die sich wunderbar ergänzen und ihre Rollen sichtlich genießen. Während der liebeskranke Leim ständig um seine Peppi weint, sieht Zwirn in jeder Frau ein potentielles Opfer seiner Verführungskunst. Knieriem ist da etwas bodenständiger, ein Schnaps reicht und sein Glück ist vollkommen.

Foto: Salzburger Landestheater

Die Bewohner des Feenreiches, eigentlich sind es ja lauter Elfen mit ihren riesigen Ohren, sind futuristisch ganz in weiß gekleidet (Kostüme: Susanne Hubrich), das macht es leichter, sie wieder zuerkennen, wenn sie auf Erden herumschwirren, um das liederliche Kleeblatt zu beobachten. Sie verstecken sich nicht nur in Iglu-Zelten und unter Lampenschirmen, sondern auch unter dem riesigen roten Sofa des Tischlers Hobelmann in Wien (Bühne: John Lloyd Davies).

Foto: Salzburger Landestheater

Der Schriftsteller und Kabarettist Werner Schneyder hat sich der Couplets angenommen. Das bekannteste ist wohl das Kometenlied mit dem Refrain: „Die Welt steht auf kan Fall mehr lang, lang, lang…“ und bietet sich geradezu an für Reflexionen über die österreichische Innenpolitik. Andere Gesangseinlagen bedienen sich bei deutschen Schlagern, Operetten und auch Opern. Sigrid Gerlach-Waltenberger > steht als entzückende kleine Elfe auf der Bühne und begleitet auf ihrer Ziehharmonika die musikalischen Einlagen.

Foto: Salzburger Landestheater

Das gesamte Ensemble war in dieser Inszenierung schwer beschäftigt, hatte es doch immer wieder die verschiedensten Rollen zu übernehmen. Es gab viel Applaus für die liederlichen Gesellen, die Bewohner der Feenwelt sowie das Leading Team. Eine Inszenierung, die sicherlich auch junges Publikum für Nestroy begeistern kann. Die Moral von der Geschichte: Das lustige Elend ist stärker als die Liebe, als das Glück, als das Schicksal, als die Zwänge der Arbeitswelt, es sollte man sich jedoch nicht zu Herzen nehmen.

„Der böse Geist des Lumpazivagabundus“ von Johann Nestroy / Inszenierung: Beverly Blankenship / Bühnenbild: John Lloyd Davies / Kostüme: Susanne Hubrich / Musik: Sigrid Gerlach-Waltenberger / Couplets: Werner Schneyder / Dramaturgie: Bettina Oberender/Felix Breyer / Mit: Georg Clementi, Sascha Oskar Weis, Fritz Egger, Werner Friedl, Gerhard Peilstein, Ulrike Walther, Christina Einbock, Britta Bayer, Susanna Szameit, Tim Oberließen, Matthias Hungerbühler, Sebastian Fischer, Anna Unterberger, Sigrid Gerlach-Waltenberger