Shakespeares Zaubermärchen: „Der Sturm“

Foto: Kleines Theater

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Elisabeth Pichler. Barbara Sonntagbauer steht als Luftgeist Ariel auf der Bühne und erzählt im Alleingang die märchenhafte Geschichte vom Zauberer Prospero, der mit seiner schönen Tochter Miranda auf einer einsamen Insel lebt.

Auf der Bühne befindet sich nur ein großes, weißes Podest, ein Siegespodest mit drei Stufen. Dahinter kann Ariel immer kurz verschwinden, um dann mit neuen Accessoires wieder aufzutauchen. Es heißt ganz schön aufpassen, denn es ist nicht immer leicht all die nach einem heftigen Sturm gestrandeten Personen, die nun auf der Insel herumirren, auseinander zu halten. Schwarzer Schal bedeutet Prospero, ein romantischer Blumenhut gehört zu Miranda, der königliche Samthandschuh kennzeichnet Prosperos bösen Bruder Antonio u.s.w. Der Pfeil mit Herzchen gehört natürlich dem jungen, schönen Ferdinand, der sich auf den ersten Blick in die liebliche Miranda verliebt.

Foto: Kleines Theater

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Sonntagbauer Barbara hat es nicht leicht, denn die Geschichte ist äußerst kompliziert und es wird nicht das kleinste Detail ausgelassen. Die kleineren Kinder hatten sichtlich Mühe, der Geschichte zu folgen. Sie spendeten jedoch dankbar Applaus, wenn der Sturm tobte, der böse Caliban, das „stinkende Fischgesicht“, über die Bühne schlich, oder Trinculo vor sich hin grölte. Sogar die Harpyie erscheint auf der Bühne, da konnte man ein Kind die berechtigte Frage stellen hören: „Was ist denn das, das kenn ich nicht?“

Die Geschichte geht natürlich gut aus, Miranda bekommt ihren Ferdinand, Prospero verzichtet auf die Rache an seinem Bruder und vergibt ihm. Der Luftgeist Ariel wird in die Freiheit entlassen und verabschiedet sich mit den Worten: „Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind, und unser kleines Leben ist von einem Schlaf umringt.“

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Stefan Ey hat Shakespeares „Sturm“ für Kinder bearbeitet und eine einfache, kindgerechte Sprache gewählt. Umso verblüffender ist es, mit welcher Selbstverständlichkeit er Shakespeare-Zitate eingeflochten hat. Beeindruckend gelingt es Barbara Sonntagbauer, nicht nur mit den vielen kleinen Requisiten, sondern auch mit wechselnder Mimik und Sprache diese komplexe Geschichte auf die Bühne zu bringen. Sie springt zwischen den vielen Rollen hin und her, appelliert an die Phantasie der Kinder und lässt sie über manch komische Situation lachen. Auch das erwachsene Publikum hat diese Solovorstellung sichtlich genossen, Kindern sollte die märchenhafte Geschichte besser schon vorher in groben Zügen erzählt werden, um sie nicht zu überfordern. Die Empfehlung für Kinder ab 7 Jahren sollte man  ernst nehmen.

“Der Sturm“ von Stefan Ey nach William Shakespeare / Mit: Barbara Sonntagbauer / Regie: Irmgard Lübke



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