Monika Wolfgruber: Pimp my witch!

Monika Wolfgruber

Monika Wolfgruber

Die Dame, die was auf sich hält,
sich gerne vor den Spiegel stellt.
Nur kriegt sie Falten im Gesicht,
sie zum Chirurgen geht und spricht:

„Herr Doktor, es ist ein Skandal!
Ich war einst schlanker als ein Aal.
Jedoch von meiner Traumfigur
blieben die Zehennägel nur!

Herr Doktor, bitte saugen Sie
an Hüfte, Schenkel, Bauch sowie
den Busen trag ich unterm Knie!“……………..

Pimp my witch!

Im Märchen sind Hexen hässlich, sie haben eine lange Nase und haufenweise Warzen im Gesicht, aus denen schwarze Borstenhaare wachsen. Ein fieses Lachen ist ihr Markenzeichen und bei jeder Gelegenheit schmieden sie Rachepläne und verzaubern aus Neid die jungen schönen Mitspielerinnen.

Im 3. Jahrtausend sind Hexen hässlich wegen der aufgespritzten Schlauchbootlippen und den vielen Nähten am Haaransatz, die von blondierter Haarpracht samt angeschweißten Extensions verdeckt werden. Sie können sich entscheiden, entweder immer ein Lächeln auf den Lippen gemeißelt zu bekommen oder gar keins mehr, weil aufgrund der nachjustierten Haut ist ein Wechsel nicht mehr möglich. Mimik, Ausdruck und Charme wird einer glatten Haut geopfert. Der Busen wird angehoben und aufgepolstert, Barbie würde erblassen vor Neid.

Und wir dürfen sogar zusehen. Das find ich ganz toll, dass frau andauernd daran erinnert wird, dass wir gar nicht in unserer ausgeleierten Hülle blieben müssen!! Erste Reihe fußfrei sehen wir im Fernsehen, wie betrübt und depressiv die Damen vor der OP sind. Weil wie kann frau nur mit hängenden Brüsten und Falten im Gesicht glücklich sein?? Das geht gar nicht. Wir werden schließlich von unseren Mitmenschen nur geliebt, wenn wir „schön“ sind. Unwichtiges wie Charakter oder Ausstrahlung lockt heut keinen Hund vom Ofen vor.

Darum sind diese Frauen nach der OP glücklich. Nicht gleich danach, erst wenn die Drähte unter den Brüsten entfernt wurden und das blutunterlaufene Auge wieder abgeschwollen ist. Klänge fast wie ein Happy End, nicht? Nun, ich wünsche es den Frauen sehr.

Und ich werde mich unoperiert weiterbemühen, mich so zu lieben, wie ich bin. Vielleicht werde ich eine Umfrage bei meinen Freunden starten, was sie an mir stört, ob ich mir vielleicht so nebenbei die Nase brechen und geraderichten lassen sollte? Wobei…da würd ich lieber die Freundschaft als meine Nase brechen.

.…….Als der Bandagen-Vorhang fällt,
die Dame sich nicht b’sonders g’fällt!
Die Haut ist kurz vor’m Explodier’n,
die Ohren sitzen auf der Stirn.

Und wo der Pansen einst gethront,
sind jetzt Krater wie am Mond,
der Eingriff der hat sich gelohnt!

Wehe wer die Geister rief,
die Augenbrauen sitzen schief!
Die Lippen sind so unterspritzt,
wie wo der Pavian draufsitzt!

© Liedtext: EAV Schnippel Schnipp>


Dorfladen

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