Die Post bringt allen etwas

Karl Traintinger. Die österreichische Post ist ein Unternehmen, das aktuell stark unter Erfolgszwang gekommen ist. Die Zeit der Unternehmensphilosophie: “Jedem Dorf sein Postamt” ist schon lange vorbei. Unrentable Ämter werden zugesperrt, Postbeamte in Frührente geschickt oder zum Polizeidienst umgeschult. Postpartner sollen in vielen Bereichen die Belange der Ämter übernehmen, zentrale Verteilerzentren die Zustellung. Alles wird besser, schneller, effizienter, und für den Verbraucher teurer. Leistung hat seinen Preis. Soweit, sogut.

Ein Bonus der Post war und ist ganz sicher, dass die Zusteller ihr Rayon samt Umgfeld sehr gut kennen und auch bei “fast” korrekter Adrtesse weiterhelfen können. Ich erinnere mich noch gerne an meine sommerlichen Ferialjobs beim Postamt 5028 Salzburg Kasern, als die älteren Postler oft rätselten, was die unleserliche handschriftliche Anschrift wohl bedeuten könnte. Meistens wurde der richtige Adressat gefunden, wenn es auch etwas länger als üblich dauern konnte.

Heute ist alles besser. Die Briefe werden mit Computerpickerln frankiert, mit maschinenlesbaren Codes versehen, und von riesiegen Sortieranlagen dem richtigen Verteilerzentrum zugeordnet. Viele Briefträger pendeln in den Nachbarort und holen dort im hochmodernen Verteilerzentrum die Post für die Heimatgemeinde.

Es  gibt in vielen Flachgauer Gemeinden zahlreiche Bauernhöfe mit sogenannten “Zuhäusern”, den kleinen Austragshäusern, die im Hofverband stehen und in denen die Austragbauern wohnen. Häufig kommt als Adresse zur Hofadresse nur ein Buchstabe dazu (Beispiel 5114 Göming: Bulharting 3 und Bulharting 3a).  Ab und zu gibt es in Gemeinden auch Straßennamensänderungen oder es zieht eine Familie von einem ins andere Orstende.

Die Briefträger der alten Generation waren mit derlei örtlichen Adressabweichungen nicht aus dem Gleischgewicht zu bringen. Die Post wurde zugestellt und der Adressat darauf hingewiesen, dass er besser den Absender von der Adressänderung verständigen sollte. Heute sind die Postler schon überfordert, wenn nur der Buchstabe fürs Zuhäusl fehlt und als Servieceleistung kommt dann die Erklärung: “Privat weiß ich zwar, wem der Brief gehört und wo der Adressat jetzt wohnt, aber leider darf ich ihn dienstlich dort nicht zustellen, Vorschrift!”

Wie es ausschaut, wissen viele Postler immer noch nicht, wie es in “ungeschützen Werkstätten” mit reschem Konkurrenzwind ausschaut. Man sollte die Serviceleistung “der Briefträger kennt alle im Dorf” nicht unterschätzen. Noch ist es mir lieber, wenn der Briefträger die Post bringt und ich mit ihm, wenn ich ihn zufällig treffe, ein paar Worte wechseln kann.

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2 Kommentare zu "Die Post bringt allen etwas"

  1. Cordula Auernigg | 23. März 2010 um 15:45 |

    Lieber Karl Traintinger,
    die partielle dienstliche Amnesie der Briefträger ist doch nichts Neues, sie ist sicherlich auch ein Grund, warum sich so wenige zum Polizisten umschulen lassen. Als Hackler steht ihnen doch sowieso eine Frührente zu, meinen so manche ihrer Gewerkschafter, die noch immer glauben, sie wären die einzigen wirklich hackelden Staatsdiener!

  2. Raphaela Vital Raphaela | 1. April 2010 um 15:01 |

    Endlich ist es soweit, man darf selbst entscheiden, ob der Postbeamte oder ich als Konsument den Brief stempeln darf. Ich habe mich für die Postbeamtin entschieden, sie hat die 52 Briefe abgestempelt und bei mir zusätzlich zum Porto 5,20 € Abstempelgebühren verlangt. Es wird Zeit, dass endlich zum beamteten Postler Alternativen kommen, nur sauteuersein ist halt auch zu wenig!

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