„77 CENT“ – Karriere kein Kinderspiel

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Susanne Lipinski und Caroline Mercedes Hochfelner (Kollektiv KOLLINSKI) bieten mit ihrer schrägen Performance nicht nur Frauen Spannung, Erkenntnis und Seelenfrieden. Als Seminar in sieben Modulen angelegt, erweist sich „77 CENT“ als bissiges Kabarett, das bestens unterhält, aber auch zum Nachdenken anregt.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

77 Cent verdienen Frauen, wenn Männer einen Euro bekommen. Der Gender Pay Gap (die Statistik über die „geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede in Form von prozentuellen Einkommensnachteilen von Frauen, gemessen an den Einkommen von Männern“) gibt also zu denken. Die Schauspielerinnen Susanne und Caro sind über diese Ungerechtigkeit zu Recht empört. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte man Goethe ein Viertel seines „Faust“-Textes gestrichen. Was also lässt sich dagegen unternehmen? Können die sieben Module des Seminars (Situation, Clarity, Aim, Network, Start-up, Go with the flow und Stay-up) wirklich weiterhelfen? Bereits die Demonstration von Modul 1 sorgt für allgemeine Heiterkeit, denn hier ist Flexibilität gefragt und die schafft frau angeblich nur, „wenn sie die Beine breit macht“.

kollinski_77centAls zweifache Mutter weiß Susanne aus eigener Erfahrung, dass beim Kinderkriegen Emanzipation und Gleichberechtigung auf der Strecke bleiben. Liegt also doch alles an den Genen? Während Frauen mit dem Angst-Gen zu kämpfen haben, geht es den Männern dank Hörnix-, Riechnix- und Sehnix-Gen bestens, denn so können Babygeschrei, volle Windeln und staubige Fußböden einfach ausgeblendet werden. Kein Wunder, dass an den Frauen so viel Arbeit hängen bleibt, das „Ich mach‘s mir selber“-Gen erweist sich dabei als äußerst hilfreich. Als Susanne ob all dieser Ungerechtigkeiten mehr und mehr in Rage gerät, kommt ihr Caro zwar mit Anti-Hysterie-Globuli zu Hilfe, schildert ihr dafür aber ausführlich, wie man mit solchen Frauen früher umgesprungen ist.

Schließlich wird das Publikum in die Pause geschickt, denn angeblich steht im benachbarten Urban Keller ein köstliches Buffet bereit. Leider handelt es sich dabei nur um einen dramaturgischen Gag, der den beiden Damen die Möglichkeit bietet, über das angeblich abwesende Publikum zu lästern. Es ist nicht leicht, zwischen den Privatpersonen und den Kunstfiguren zu unterscheiden, „Flip Chart“ Traudi hingegen erweist sich als authentisch und punktet mit der finalen Erkenntnis: Der Nabel der Welt ist DEIN Nabel!

„77 CENT“ ist eines von acht Gewinner-Projekten von Podium 17, einer Kunst-Förder-Initiative des Landes Salzburg. Die Jury schreibt in ihrer Begründung, dass sich die Produktion „mit prekären Lebens- und Beschäftigungsverhältnissen von Frauen und soziopolitischen Diskriminierungsmechanismen auseinandersetzt und die Zuschauenden eine charmante Mixtur aus Theater und Seminar, Fake und Fakten, Analogem und Digitalem, Tiefgang und Humor“ erwartet.

„77 CENT“ – Karriere kein Kinderspiel. Eine Produktion von KOLLINSKI. Spiel, Text: Caroline Mercedes Hochfelner und Susanne Lipinski. Regie, Text: Karin Gschiel. Musikalischer Support: Gudrun Raber-Plaichinger. Gefördert von LAND SALZBURG in Kooperation mit dem Frauen Büro und dem Jugend Büro. Foto:  Karin Gschiel

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