Gibt es Erotik auf einer dermatologischen Männerstation?

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Eindrücke eines Tagesaufenthaltes.

Nein, gibt es nicht. Und mit diesem Statement könnten sich die Gedanken wieder zur wohlverdienten Ruhe begeben. Denn die brauch ich ein wenig.

ErotikAber sie wollen doch noch ein wenig schweifen. Die Gedanken. Jedenfalls wurde ich vor exakt einer Woche zum ersten Mal operiert. Hier in Salzburg. Ein Basaliom an der Nase hatte beschlossen, zurückzukehren. Es wurde entfernt. Für gutartig befunden. Zum Glück. Heute die zweite Operation zur Schließung der Wunde und zur Wiederherstellung meiner relativen Schönheit. Einbestellt wurde ich auf exakt 8 Uhr in der Früh. Mir sollte ein Bett zugewiesen werden, was ich nachdrücklich verweigerte.

Nun denn. Jetzt begann es hoffnungsvoll. Eine junge, nach herkömmlichen Standards attraktive, Assistenzärztin begrüßte mich mit der Aufforderung, mich bis auf die Unterhose zu entkleiden.

Hoffnung keimte auf. Forsch entgegnete ich, dass ich doch auch bitte die Unterhose ausziehen möchte. Ihr fragender Blick erweckte bei mir Verständnis. Gut, es ging um meine Nase, nicht um meinen Johannes. Damit hatte ich auch alles vermasselt. Die Nase? Offensichtlich, antwortete ich, diese mit dem Verband versehen ihr entgegenstreckend. Ja dann brauchen sie sich ja gar nicht auszuziehen. Wie Recht sie hatte.

Was nun folgte war eine unaufgeregte Wartezeit von exakt 5 Stunden und 30 Minuten. Endlich, endlich dufte ich mich in den Klink-Look werfen. Dieses sexy Hemdchen, hinten offen, die liebreizende grüne Haube. Happy! Etwas verwirrte mich ein Armband, welches mir en passant angelegt wurde. Ich fragte, ob dies im Fall meines Ablebens zur Leichenentsorgung dienen würde. Das Schwesternlächeln war gequälte Antwort. Die OP selbst verlief zutiefst einfühlsam durch einen Oberarzt, für den ich ebenso wie für sein Team nur lobende Worte finden kann. Bravo!

Jetzt doch noch für zwei Stunden ein Bett. Bis zur Endkontrolle. Ein älterer Zimmergenosse ging unten ohne, na jedenfalls nur spärlich bedeckt durch eine Art Netz, umher, ein fürsorglicher Pfleger mit Bodybuilding-Vergangenheit hatte die Hosenbeine aufgekrempelt und eine offensichtlich dominante Schwester mit Dutt und strengem Blick hielt Wache. Das war´s.

Ein freundlicher junger Mann fragte mich, ob ich noch einen Wunsch hätte. Bewusst oder unbewusst vermied er das Wort „letzten“. Ich hatte einen: Nix wie weg!

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

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