Reinhard Lackinger: Die Befreiung der Tiere

Reingard Lackinger

Reingard Lackinger

Dr. Heron José de Santana Gordilho ist Staatsanwalt im Bereich Umweltschutz und auch regelmäßiger Gast in unserem Bistrô PortoSol in Salvador, Bahia, Brasilien. Ich lernte ihn in den 90er Jahren kennen, als er einige der Prozesse übernahm, den unsere Lärmschutz-NGO damals ins Rollen brachte. Dr. Heron ist Veganer und Präsident der Gesellschaft für die Abschaffung der intensiven Nutztierhaltung zum Fleischverzehr in Brasilien.

Im Gespräch mit ihm regt sich in mir ein leichter Verdacht, dass vielleicht doch etwas hinter dem steckt, was ich als Fleischfresser sowie Bratwurst, Schweinshaxen und Rindsgulasch servierender Beislwirt weder verstehe, noch wahrhaben will.

Wie lange lebte die Menschheit unter einem rachsüchtigen, blutrünstigen und nicht besonders lieben Gott? Wie viele Jahrtausende vergingen zwischen Moses und Johannes dem Täufer und schließlich Jesus Christus, zwischen den Aussagen des Alten Testaments und der frohen Botschaft durch die Lehre Jesu? Wie viele neue Erkenntnisse erhellten den Geist der Menschen, angefangen bei Sokrates und weiter bis Kopernikus und Darwin, um nur drei Namen zu nennen, die in Heron Gordilhos Texten erscheinen?

Andere wiederum berufen sich erneut auf Thomas Malthus, rechnen haargenau aus, wie viele Mägen gefüllt und Mäuler vegan und mit pflanzlichen Speisen gesättigt werden könnten, verzichtete man auf nur einen einzigen gemästeten und geschlachteten Ochsen. Die gasförmigen Ausscheidungen der Ochsenherden seien übrigens schuld an der Erderwärmung und an der Verdünnung der Ozonschicht, bemerken andere.

Ich esse liebend gerne Salat, besonders warmen Käferbohnensalat mit Kernöl, aber auch Vogerlsalat und natürlich auch Röhrlsalat, die es in Brasilien leider nicht gibt.

Ich sehe schwere Zeiten auf die künftigen Generationen der Menschheit zukomme, denn “die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere, und weil die Bäume hoch sind” … und da sind uns nicht nur die Elefanten und Giraffen überlegen. Auch die Affen, weil sie besser klettern können.

Bevor wir alle Veganer werden, muss unbedingt ein neuer Charles Darwin her. Denker, die uns beibringen, wie wir uns unter der tierischen Konkurrenz behaupten können, ohne auf ein Wild zu schießen, das sich in unseren Feldern den Magen voll schlägt. Dabei kann von “einem Wild” gar nicht mehr die Rede sein, sondern nur noch von Rudeln von Rehen und Hirschen und abertausenden von Hasen und Karnickeln, die nur der Fuchs, der Wolf, der Bär vernaschen darf.

Demnächst muss ich mit Dr. Heron José de Santana Gordilho über das menschliche Los angesichts der Löwen, Tiger und anderer Raubtiere sprechen, über die Grizzlybären, die sich die Lachse stromschnellenaufwärts bei der Laichzeit ins offene Maul springen lassen, während uns sogar der Kaviar nicht mehr gegönnt wird, auch nicht Camembert oder Honig; von einem wollenen Pullover und ledernen Haferlschuhen ganz zu schweigen.

Es wird wohl noch einige Generationen dauern, bis der Mensch reif wird fürs Vegane.

Am Rande meines Verständnisses werden Stimmen laut, die sagen, es würden im Zirkus schon keine Tiere mehr geduldet, dressiert und hergezeigt und dass, die DNA betreffend, Menschenfleisch von dem anderer Säuger kaum zu unterscheiden sei. Und dass wir Fleischfresser genau genommen Anthropophagen und Kannibalen seien.

Hoffentlich wird es bis zur vollkommenen Befreiung der Tiere keine Menschensklaven und auch keine Kinderarbeit mehr auf der Welt geben. Weder Zwangsarbeit auf Orangen- und Kautschukplantagen, noch Minderjährige zwischen Dutzenden von Kohlenmeilern. Weder Sechsjährige in Steinbrüchen, noch Zweijährige auf Müllhalden inmitten Baggern und Aasgeiern.

Derweil kaufe ich nur das beste Futter für meinen Schwarm wunderschöner Diskusfische, für meine Neonsalmler und andere Fische, die ich im Aquarium des Bistrô PortoSol halte.

Reinhard Lackinger, Salvador 11. April 2010

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