„Figaro für Kinder“ – Salzburger Landestheater

Foto: Christian Schneider, Salzburger Landestheater

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Elisabeth Pichler. Der Untertitel „Cherubinos nicht ganz so toller Tag“ weist darauf hin, aus welcher Sicht die nicht ganz einfache Geschichte des Herrn Grafen Almaviva und seiner Bediensteten Figaro und Susanne, die so gerne heiraten möchten, erzählt wird.

Foto: Christian Schneider, Salzburger Landestheater

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Das Interesse an Oper für Kinder scheint groß zu sein, erwartungsvolle Kinder mit ihren Eltern und Großeltern füllten das Salzburger Landestheater. Doch die Aufmerksamkeit von Kindern zu gewinnen ist bekanntlich nicht einfach. Bei der Ouvertüre waren die Kleineren von einem blinkenden Blaulicht hinter dem Vorhang so fasziniert, dass sie sich kaum auf die Musik konzentrieren konnten. Wenn sich der Vorhang hebt, wird auch das Geheimnis des Blaulichts gelüftet, denn ein Sanitäter (Gero Nievelstein) versucht, den wehleidigen jungen Cherubino, der in einem Rollstuhl sitzt, zu verarzten. Dieser hat eigentlich nur einen Wunsch, er will seine Freundin Barbarina abholen, um mit ihr auf das große Fest zu Figaros Hochzeit zu gehen. Doch der Sanitäter besteht darauf, erst den Unfallbericht auszufüllen. Wie ist es zu diesen Verletzungen gekommen? Warum ist er aus dem Fenster mitten ins Blumenbeet gefallen? Cherubino beginnt zu erzählen: „Der Tag fing so schön an…“ und damit befinden wir uns nun am Anfang der Oper, denn Figaro ist gerade dabei das neue Ehebett für Susanna zu vermessen.

Foto: Christian Schneider, Salzburger Landestheater

Rudolf Frey, Gero Nievelstein und Heiko Voss haben eine geraffte Version von Mozarts „Die Hochzeit des Figaros“ erstellt. Eingebettet in die Erzählung des jungen Cherubinos wird italienisch gesungen und es fehlt eigentlich keine der großen, schönen Arien. Das wunderbare Ensemble der erfolgreichen Figaro-Inszenierung tritt fast geschlossen auf, nur der Figaro ist mit André Schuen neu besetzt. Auch das Bühnenbild mit seinen bunten Prospekten und dem riesigen Bett macht Eindruck auf die Kinder, besonders Cherubinos Kletterkünste auf dem Dach des großen Himmelbettes sorgen immer wieder für Heiterkeit. Ein großes Lob auch an das Mozarteum Orchester unter der Musikalischen Leitung von Leo Hussain, das unbeeindruckt von der doch immer wieder vorhandenen Unruhe im Publikum mitreißend musizierte. Der äußerst komplizierte 4.Akt wurde sehr phantasievoll zusammengefasst und so endet die Oper nach nur 60 Minuten mit einem eindrucksvollen Schlussbild: Das gesamte Ensemble hat sich um das Krankenbett des armen Cherubino versammelt, er wird mit Geschenken überhäuft, alle sind glücklich und zufrieden und liegen sich in den Armen.

Foto: Christian Schneider, Salzburger Landestheater

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Die Kinder waren begeistert und spendeten kräftig Applaus. Doch sollte man die Empfehlung „Ein Opernerlebnis für alle ab 8 Jahren!“ wirklich ernst nehmen, denn die jüngeren waren doch etwas überfordert, besonders mit der italienischen Sprache. Dieses Problem dürfte es im nächsten Jahr nicht geben, denn da steht eine „Kleine Zauberflöte“ auf dem Programm.

Foto: Christian Schneider, Salzburger Landestheater

“Figaro für Kinder oder Cherubinos nicht ganz so toller Tag”  nach Wolfgang Amadeus Mozart, in einer Fassung von Rudolf Frey, Gero Nievelstein und Heiko Voss / Musikalische Leitung: Leo Hussain/Adrian Kelly / Inszenierung: Rudolf Frey / Bühne: Christian Sedelmayer / Kostüme: Betina Schanz-von Koch / Dramaturgie: Heiko Voss / Mit: Linda Sommerhage, Gero Nievelstein, Karolina Plicková, André Schuen, Simon Schnorr, Juliane Borg, Franz Supper, Sophie Mitterhuber

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