Brasilien „addio“

brasilien rio

oder “Ein Neokolonialismus von dem sogar Frantz Fanon nicht zu träumen gewagt hätte!”

Brasilien ist, was Tragödien betrifft, stets Vize-Weltmeister und Zweiter! Irgendwo auf dem Erdball ereignen sich gerade jetzt und immer irgendwelche Desaster. Damit meine ich Katastrophen, die um eine Kleinigkeit größer, entsetzlicher, verheerender und folgenschwerer sind als die alltäglichen Wehwehchen Brasiliens.

Reinhard LackingerVon Reinhard Lackinger

Die Fernsehteams sind deshalb andauernd an anderen Flecken des Planeten unterwegs. An Orten, wo gerade ein Erdbeben, ein Tsunami, ein Erdrutsch, ein Wirbelsturm Tausende von Todesopfern forderte und eine schier unübersehbare Masse aus Obdachlosen vor den Objektiven der Kameras defiliert. Nichts gerechter als das!

Brasilien kennt keine Naturkatastrophen! Die Urheber allen Unheils haben Tauf-, und Familienname und nicht selten auch Doktortitel, sind Abgeordnete, Senatoren oder noch höhere Viecher.

Die internationale Presse bringt es nicht. Sie kann ihrem Publikum höchstens die Zahlen der alljährlich und hierzulande ermordeten Menschen nennen. 65.000 und noch mehr waren es in den letzten Jahren. Die Medien können auch Bilder von Elendsvierteln zeigen. Filme mit elfjährigen Buben, die Sturmgewehre tragen, öffentlich zur Schau stellen und auch abfeuern. Szenen, die aus sicherer Entfernung aufgenommen wurden. Das alles beantwortet keine Fragen. Sofern diese überhaupt gestellt werden.

Zum Beispiel: „Wie kommt es zu jenen humanen Tragödien“? Wie konnte es nur zur Wahl Bolsonaros kommen?

Bolsonaro, der abscheulichste und dümmste Politiker Brasiliens wurde am 28. Oktober 2018 zum Präsidenten des größten Landes Südamerikas gewählt. Er ist abscheulich, weil er durch und durch rassistisch, homophob, frauenfeindlich und vor allem faschistisch ist. Wir sprechen jetzt nicht von der persönlichen Meinung eines politischen Gegners. Das ist nicht bloß meine Ansicht. Jair Messias Bolsonaro hat diesen Diskurs während des Wahlkampfes täglich und bei jeder Gelegenheit heraus posaunt.

Er gab vor laufender Kamera zu, Befürworter der Tortur und der Diktatur zu sein. Auch versprach er, den indigenen Völkern keinen Zentimeter Land und Urwald zu lassen und alle Aktivisten, jede soziale Bewegung wie die Landlosen und Obdachlosen wie Terroristengruppen zu behandeln. Er ist dumm, weil er nicht in der Lage ist, auch nur einen einfachen Gedanken klar zu verbalisieren. Er spricht nicht, sondern schreit und schimpft lauthals und droht brüllend. Wahrscheinlich ist dieser stupide und hirnlose Unhold deswegen allen Debatten vor den Stichwahlen aus dem Wege gegangen.

Nach dem perfiden und kriminellen Staatsstreich gegen die Präsidentin Dilma Rousseff 2016, der schon Jahre vorher mit dem Abhören ihres Telefons durch die CIA begann, zeigt die Justiz ihre parteiische Fratze. Wie kam es zu ihrer Absetzung? Wie kam es zur Inhaftierung des ehemaligen Bundespräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva?

Lula, dem ein fadenscheiniger und nicht fundamentierter Prozess gemacht wurde. Ohne klare Beweise vorzulegen. Die Strafsache gegen Lula ist schwach und plump geführt. Das Verfahren ist voller Löcher. Die Staatsanwaltschaft, auf deren Seite Richter Sérgio Moro steht und sitzt, spricht von einer „unbestimmten“ Schuld. Die Zeugen die Anklage sind korrupte Banditen, die bereits jahrzehntelange Haftstrafen absitzen. Diese wurden angehalten zu lügen, um Lula zu beschuldigen. Auf diese unehrliche Art und Weise können sie eine substanzielle Minderung ihrer eigenen Strafe erwirken.

Lula musste von der Präsidentschaftswahl ausgeschlossen werden! Laut Wahlintentionen der befragten Wähler hätte Lula die Wahl gleich im ersten Durchgang für sich entschieden.

Es kam zu einem monatelangen Tauziehen. Alle rechtlichen Mittel mussten erschöpft werden. Sogar die UNO wurde eingeschaltet. Das alles entmutigte die Minister des obersten Gerichtshofes nicht, die brasilianische Verfassung und das internationale Abkommen zu ignorieren, zu zerfetzen und in den Papierkorb zu schmeißen.

Das Strafverfahren gegen Lula ist jedenfalls so plump, dass es einem vorurteilsvollen Menschen wie mir unmöglich ist, nicht sofort die wahren Rädelsführer dieses Skandals ausfindig zu machen und zu beschuldigen. Keine andere Nation hat mehr Expertise in solchen Affentheatern als jenes Volk nördlich von Mexiko, dem jedes Gefühl der Lächerlichkeit fehlt.

Die Konservativen, die mit ausländischen Konzernen um die Erdölvorkommen der Pre-Salt-Felder im Meer verhandeln, erinnern an die römischen Soldaten beim Würfeln um die Kleider Christi.

Diese extrem reichen Erdölfelder, die von der staatlichen Erdölfirma Petrobrás während Lulas Amtsperiode erforscht und erschlossen wurden, interessieren vor allem Verbraucherländer der nördlichen Erdkugel. Unter Lula und Dilma war der Treibstoff und das Kochgas billig, half dem armen brasilianischen Volk, leichter über die Runden zu kommen. So etwas konnte nicht länger gebilligt und toleriert werden.

Außerdem erschien in den Supermärkten plötzlich eine neue Art von Konsumenten. Kinder der Hausgehilfin frequentierten mit den Sprösslingen der Herrschaft den gleichen Lehrsaal in der Universität. Der Portier und die Krankenschwester teilten dieselbe Abflughalle mit der Bürgerschaft. Dagegen musste etwas getan werden. Die PT, die Arbeiterpartei musste weg und ausgetilgt werden!

Während Lula und anderen Granden der Arbeiterpartei beweislose Prozesse gemacht werden, gehen Politiker von konservativen Parteien frei herum, ihren Interessen nach und sitzen im Parlament, obwohl es gegen sie jede Menge Beweise wie Aufzeichnungen von Ton und Bildern gibt.

Nur um ein Beispiel zu nennen… Bis heute und nach vier Jahren weiß die Polizei nicht, wem die 450 kg rohen Kokain gehören, die die Polizei 2014 aufgegriffen hat. Sowohl der Helikopter als auch die Liegenschaft, wo das Kokain sichergestellt wurde, gehören einem Senator. Der Pilot, der die Drogen transportierte war Angestellter desselben Politikers, der auf den Namen Zezé Perrella hört. Als die Polizei erfuhr, wer der Besitzer des Helikopters war, stockten die Nachforschungen. Vielleicht befindet sich das Kokain auch nicht mehr im Besitz der Ordnungsmacht, sondern ist längst in die Hände der kleinen Dealer in Rio und São Paulo und weiß der Teufel wo gelandet, beziehungsweise bei der schnupfenden Klientel.

Im weiten Hinterland werden hin und wieder kleine Flugzeuge mit Kokain abgeschossen und von Piloten hinterlassen. Die Großgrundbesitzer, von deren Start – und Landebahnen sie abflogen, erklären sich nicht schuldig und sagen, sie könnten diese Start- und Landbahnen, die sie für das Bespritzen ihrer Sojafelder verwenden, nicht kontrollieren. Die Inhaber jener Latifundien sind natürlich auch Politiker oder Richter, oder Minister… jedenfalls stehen sie alle den Machthabern sehr nahe.

Das sind so von mir so frei daher geplapperte Informationen, die aber von Google und YouTube jederzeit bestätigt werden können. Man braucht nicht lange zu recherchieren. Wer sich aber diese Mühe gibt, der soll sich auch gleich über die kriminelle und illegale Wahlpropaganda Bolsonaros schlau machen.

Weitere Skandale, Gesetzesübertretungen und Drohungen Ministern des obersten Gerichtshofes gegenüber wurden bisher nicht geahndet, sondern links liegen gelassen. Manipulationen, die die Wahl vom 28. Oktober 2018 entscheidend beeinflussten.

Es handelte sich um fake news, um die gemeinsten Lügen gegen Fernando Haddad, dem Kandidaten der Arbeiterpartei und dessen Vize, Manuela D´Ávila, die per Twitter, Whatsapp und Facebook zu Abertausenden und Millionen über das Volk verteilt und verstreut wurden.

Eigentlich brauchte ich nicht zu sagen und zu betonen, dass Bolsonaro hinter diesen virtuellen Verleumdungen stand, beziehungsweise Dutzende von Großunternehmer, die diesen Coup finanzierten und sich damit vorsätzlich wider das Gesetz handelten.

Gegen Bolsonaro brauchte keiner Lügen erfinden, um sie per Computer zu verteilen. Bolsonaro diffamiert und beschimpft sich selbst sobald er sein blödes Maul aufreißt. Jetzt haben wir das Malheur! Der neugewählte Bundespräsident hat schon verlauten lassen, er wird das Landwirtschaftsministerium mit dem des Umweltschutzes zusammenlegen.

Das ist sehr praktisch! Diese Maßnahme dürfte von den Großgrundbesitzern nicht unangenehm sein! Ob am Ende seiner Dienstzeit noch ein Joch Regenwald bestehen und es noch indigene Völker geben wird?

Jair Messias Bolsonaro ist ein Desaster! Von ihm erwarten viele Millionen Brasilianer – die zur Wahl gegangen sind oder nicht – nichts Positives und Gutes! Das stimmt jetzt nicht ganz! Wir haben nun mit Abstand den ekeligsten, blödesten und unzurechnungsfähigsten Bundespräsidenten der Erde!

 

 

 

 

 

image_pdfimage_print