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Ein magisches, schräges Labyrinth mit eisig leuchtenden Flächen beherrscht die Bühne im neuen Veranstaltungs- und Theaterraum in der Neuen Mitte Lehen (TriBühne Salzburg). Im Hintergrund ein schwerer, roter Samtvorhang, der eine Videoleinwand verbirgt. Zwei Paare versuchen, auf diesem unbequemen Untergrund zu schlafen, doch vergeblich, denn es ist eine heiße Sommernacht.

Die Kellnerin Tanja stellt uns die Bewohner dieses renovierungsbedürftigen Altbaus in der Willigstrasse 38 vor. Sie ist nicht nur von ihrem Partner, dem erfolglosen Schriftsteller Schröder, der sich neben ihr herumwälzt, genervt, sondern auch von der Lichtreklame aus dem benachbarten Supermarkt. Ein paar Türen weiter kämpft Theo, ein mäßig erfolgreicher Schauspieler, mit Schlafstörungen. Seine junge Frau Philomena, eine Eisprinzessin mit Ehrgeiz und einer Vorliebe für ihren russischen Trainer Dimitri, hat kein Verständnis für seine ständigen Annäherungsversuche. Dann gibt es da noch den Rentner Feratu, der ständig an der Sexhotline hängt, und den Physiker und Junggesellen Oscar, der stundenlang „Darkwood“ spielt und zunehmen Probleme hat, zwischen Realität und Virtualität zu unterscheiden.

Schon bald kommt Bewegung in diese bunte Truppe, denn Tanja setzt ihren Freund vor die Türe und beginnt ein Verhältnis mit Theo. Schröder findet bei Oscar Unterschlupf und der bösartige, alte Feratu benimmt sich immer verdächtiger. Wenn die arme Philomena am Eis verunglückt, wird klar, wie das Stück zu seinem Namen kam. Diese tragische Wendung bringt nochmals das Leben der Mieter gehörig durcheinander.

Regisseur Georg Clementi sorgt dafür, dass man, trotz der turbulenten Handlung, den Faden nicht verliert. Die vielen, kurzen Szenen wirken wie Spot-lights, werden dialogisch miteinander verknüpft und fließen wie die Schicksale ihrer Darsteller ineinander. Durch das Auftauchen eines Regisseurs, der immer wieder ins Set eingreift, wird die reale Welt mit der fiktive Welt vermischt.

Der junge Autor Stephan Lack (geboren in Wien 1983) über sein Stück: „Identitäten sind ein rutschiges Terrain. Gerade in Zeiten, in denen der Veränderung von Identität eine sehr hohe gesellschaftliche Priorität zugemessen wird.“ „ Das eigene Identitätskonzept, obgleich meistens als stabil empfunden, benötigt oft nicht viel, um aus der Balance zu geraten.“

„Blut auf Eis“ ist ein unterhaltsames, sehr groteskes Stück, mit schrägem Humor, einem spektakulärem Showdown, und kann sicherlich auch jugendliches Publikum begeistern. Die Theater (Off)ensive bereitet derzeit den Spielplan für die nächste Saison vor. Das sehr engagierte und äußerst professionelle Team mit vielen großartigen Schauspielern erhofft sich, einen fixen Platz unter den Salzburger Bühnen zu erobern.

Blut auf Eis von Stephan Lack – Uraufführung – eine Koproduktion mit der Neuen Bühne Villach / Inszenierung: Georg Clementi / Ausstattung: Andreas Lungenschmid / Musik: Manfred Plessl / Dramaturgie: Gaby Berginz-Plank / Mit: Anja Clementi, Detlef Trippel, Sarah Elena Timpe, Alex linse, Christoph sommer, Michael Kuglitsch, Eva-Maria Frank, Andreas Ickelsheimer, Jan Alexander Zabbée