Anja Jonuleit: Das Nachtfräulein Spiel

Anja Jounleit

Anja Jounleit | Foto: dtv/ Heike Bogensberger

Autor: Anja Jonuleit
Titel: Das Nachtfräulein Spiel
ISBN: 978-3-4232-6199-9
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co KG
Erschienen: 22.06.2018

Klappentext:
Die Nachtfräulein findet sie schlimmer als alle anderen Masken, schlimmer als die hexenhaften Linsenweible und schlimmer als die knorrigen Donaugriebler, die einen auch schon das Fürchten lehren. Vielleicht liegt das an der Sage. Von den Nachtfräulein, die kommen und die Kinder holen.“

Diesen Fasnachts-Donnerstag wird die 16-jährige Annamaria nie vergessen: Ein harmloser Brauch wird dem jungen Mädchen zum Verhängnis. Doch was Annamaria – die nach dem frühen Tod der Eltern bei einer nachlässigen und lieblosen Pflegemutter lebt – passiert ist, will keiner glauben, und das Unrecht bleibt ungesühnt.

Ihr Schicksal scheint sich zu wenden, als sie im „Haus der Glücklichen Familie“ aufgenommen wird. Sie schöpft neue Hoffnung, denn vom Leben in dieser Bilderbuchfamilie hat sie immer geträumt. Dort herrscht Übermutter Liane, die alles perfekt im Griff zu haben scheint und Karriere als Erziehungsberaterin macht. Doch ist Lianes Familienleben wirklich so makellos?

Rezension von Rebecca Schönleitner

Annamaria hat es nicht leicht im Leben. Die Mutter gestorben, der Vater verschwunden wächst sie bei einer alkoholkranken Pflegemutter auf und verliebt sich in ihren Deutschlehrer, der sie prompt schwängert und dann sitzen lässt.

Durch einen Zufall kommt sie bei der wunderbaren Familie von Liane und Carl unter und kümmert sich fortan um deren Kinder. Sie kann so ihre kleine Stella bei sich behalten und schupft den Haushalt. Mutter Liane, die Mutter der Nation ist voll berufstätig: Sie schreibt Bücher, hat eine Erziehungssendung im Fernsehen, therapiert verhaltensauffällige Kinder, da bleibt nicht viel Zeit für die eigene Familie.

Mit der Zeit entdeckt Annamaria, dass nicht alles Gold ist was glänzt und entlarvt das wahre Gesicht Lianes. Das wird ihr zum Verhängnis.

Das Buch ist großartig geschrieben, spannend, berührend und macht traurig.

Was mich dann richtig fassungslos machte ist das Nachwort, in dem die, im Roman als tolle Erziehungsmethode beschriebene „Festhaltetherapie“ als Tatsache, und heute noch praktizierte Methode beschrieben wird Kinder zu erziehen. Einfach nur entsetzlich, dieses System fällt für mich unter extremer Kindesmisshandlung.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre, aber keine leichte Kost – schwer zu verdauen.

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