Sakura – rosarote Kirschblütenekstase in Tokyo

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Das ist wirklich die rosa Kirschblütenekstase hier in Tokio. Anders lässt sich dieses Naturschauspiel fast nicht beschreiben. Es war einer der Gründe warum ich unbedingt nach Japan wollte und auch meine Reise auf Ende März, Anfang April gelegt habe. Das muss ich eben unbedingt erleben. Und es ist wirklich der Wahnsinn schlechthin!

Clemens Gull

Von Clemens Gull

Überall nur Kirschblüten

Seit meiner Ankunft hier in Tokyo werde ich von Kirschblüten umzingelt. So habe ich es mir absolut nicht vorgestellt. Ich dachte eher so an Kastanienblüte in Salzburg.
Ja Bäume blühen.
Zur Kenntnis genommen.
Erledigt.

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Doch hier sieht das ganz anders aus. Es ist das Ereignis hier in Japan. Alles dreht sich um Sakura. Und es mag jetzt kitschig sein, doch es ist wunderschön!

Sakura! Sakura!

Ich vermute ja das jeder dritte gefällte Baum in Japan, durch eine Zierkirsche ersetzt werden muss. Sonst ist es doch nicht möglich, dass an jedem Eck und in jedem noch so kleinem grünen Flecken ein Kirschbaum steht. Eigentlich müssen die JapanerInnnen ja froh sein, dass es Zierkirschen sind, sonst würden sie im Sommer von den Früchten erschlagen werden.

Doch im Moment ist ganz Japan in einem “rosa Wahnsinn” versunken. Und dabei gibt es so viele verschiedene Blüten von ganz weiß bis rot. Aber rosa, ist eben auch eine beliebte Farbe, hier im Land des Lächelns (und des quietschbunten Alltags). Überall sind künstliche Kirschblütenzweige aufgehängt oder gestellt. Die Firmen geben Sakura-Rabatte und das Marketing springt voll darauf. Es gibt für alles mögliche Sondereditionen oder Limited Edition in rosa mit Kirschblüten darauf. Hauptsache die heimliche Landesblume ist dabei.

Hanami – die japanische Kirschblüte betrachten

Das Blüten betrachten, was eigentlich Hanami heißt, ist hier in Japan ein Volkssport. Sobald die ersten Blüten zu sehen sind gibt es für die JapanerInnen kein Halten mehr. Da wird die Kamera herausgeholt (warum wundert mich das bei dem Völkchen nicht?) und mit FreundInnen und der Familie zieht man in die freie Natur, in Parks oder zu irgendeinem Kirschbaum und bewundert diese Naturschönheit.

Wer sich jetzt fragt was ist den so besonderes an den blühenden Bäumen? Hey bei uns blüht die Marille oder auch die Kastanie, doch niemand zieht begeistert von Baum zu Baum. Ja man muss es erleben und ich bin gerade mittendrin und nicht nur dabei. Ich stehe gerade in der vollen Pracht der japanischen Kirschblüte. Dutzende, hunderte von Bäumen blühen, ich bin umgeben von einem zartrosa Farbenmeer und das alleine begeistert schon.

Wie machst du Hanami?

Am besten wie die JapanerInnen! Geh mit deinem (Reise)Partner raus oder genieße die Blüten- und Farbenpracht alleine. Naja in Japan ist alleine relativ, du bist hier immer von unzähligen JapanerInnen umgeben.
Wenn du hier dabei bist, verstehst du vielleicht das Volk ein wenig besser oder zumindest ein klein wenig.

Wenn du es aber vollkommen richtig machen willst, ja dann… Dann gehst du zu einem Picknick in einen Park. Du besorgst dir eine große Decke oder Plane, breitest sie aus und platzierst mal deine Snacks, mindestens eine Thermoskanne mit Tee und eine Bentobox darauf. Und nun verbringst du einen schönen Tag mit Freunden und/oder Familie.

Aber ein paar Sachen solltest du schon noch wissen. Das ist eben auch Japan. Während der Kirschblüte ist es erlaubt lauter zu sein, sonst gilt noble Ruhe. Deine Decke oder Plane mit Schuhen zu betreten ist ein absolutes No-Go! Und deinen Müll nimmst du brav wieder mit. Erstens gibt es (fast) keine Mülleimer. Zweitens wird hier immer Rücksicht genommen. Der/Die Nächste will auch wieder einen sauberen Platz vorfinden. Und falls es erlaubt ist (es gibt Tafeln bei jedem Park) kannst du ja auch ein paar lokale Bierdosen (Kirin ist sehr gut) oder eine Flasche Sake mitbringen. Dann heißt es Kampai – na dann Prost!

Der Zauber der Kirschblüte

Ich glaube dem kann sich keiner entziehen. Einerseits ist es wunderschön in dieser Blütenpracht zu stehen, unter einem Dach aus Kirschblüten von weiß über zartrosa bis rot. Und andererseits ist die fast schon wieder kindliche Begeisterung der JapanerInnen für dieses jährlich wiederkehrende Naturereignis schon mitreisend. Da kann ich gar nicht anders und muss mitmachen.

Und es ist wunderschön zu betrachten und auch zu erleben wir die traditionelle Bekleidung ausgeführt wird, wie alle fröhlich sind und diese “fünfte Jahreszeit” genießen. Und außerdem ich habe noch nie sovielmal Menschen auf einem Platz gesehen und bin so wenig gestoßen, berührt und beim Fotografieren eingeschränkt worden. Hier nimmt wirklich jeder Rücksicht auf den/die anderen. Es ist unglaublich… Da steht wer auf dem besten Aussichtspunkt für ein Motiv und dann? Es wird ein, maximal ein zweites Foto gemacht und dann der Platz mit einer Verbeugung für den/die Nächste/n freigegeben. So etwas habe ich noch nie erlebt.

Und die Organisation um das ganze Spektakel ist ebenso faszinierend. Da werden komplette Straßenzüge gesperrt. Überall sind Imbissbuden aufgebaut und auch Informationsstände für Einheimische und Touristen. Dort werden mehrsprachige Flyer verteilt mit Verhaltensregeln und auch Plänen mit den besten Plätzen in Tokyo.

Da gibt es Führungen welche die Arten der Bäume erklären und, dass Kirschblüten zuerst weiß sind und erst nach ein, zwei Tagen diesen zarten rosa Ton bekommen.

Und alle sind in Ekstase und auf den Beinen. Wie hier im Ueno-Park wo man keinen freien Platz für ein Picknick findet und auch schon das Gehen schwierig wird. Es ist einfach ein Spektakel die Einheimischen bei dem Spektakel zu beobachten. Doch Sakura und Hanami sind ein Erlebnis, dass wir Europäer schwer verstehen, uns ihm aber auch nicht so richtig entziehen können.

Dieser Artikel wurde erstmals auf The Magical Digital Nomad veröffentlicht. Herzlichen Dank an Clemens Gull aus Salzburg.

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