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odin rune

Meine Gedanken schweifen um Kunst in Österreich. Namen in der Gedankenwelt. Egon Schiele. Friedensreich Hundertwasser. Hermann Nitsch. Gottfried Helnwein. Valie Export. Marina Abramovic. Gelitin. 7. Weil die Zahl so magisch ist. Repräsentativ für freies und innovatives Kunstschaffen in Österreich.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Dann ziehen Wolken auf. Dunkle Wolken. Ein weiterer Name erscheint: Manfred Odin Wiesinger. Wer bitte verwirrt da meine Gedanken? Es erscheinen Runen. Es erscheinen Burschenschaftler. Es erscheinen Szenen aus dem Dritten Reich. Und Stimmen erscheinen. Stimmen aus dem rechten Lager. Sie machen sich stark für Odin. Eine dieser Stimmen wollte Bundespräsident werden. Will es immer noch. Da sei Gott vor – welcher auch immer. Oder eine Göttin. Welche auch immer.

Sebastian Kurz, wann
bekennen Sie sich zu Manfred Odin Wiesinger? Passt der nicht hervorragend zu
der Klientel, die Sie rechtaußen bedienen möchten? Sind Sie vielleicht sogar
selbst ein Fan Odins? Hat er Sie gemalt? An den Außengrenzen in heldischer Pose
mit Natodraht im Hintergrund? Oder am Mittelmeer? Vielleicht sogar bei Ihnen
zuhause, ganz versunken in das Spiel „Schiffe versenken“?

Entschuldigen Sie bitte,
Sebastian Kurz. Es sind die manchmal etwas verwirrten Gedanken eines nicht mehr
jungen Mannes. Der immer noch träumt. Auch und gerade von der Freiheit der
Kunst. Davon, dass der Begriff „entartet“ für immer der Vergangenheit angehört.
Wiesinger hat Sie nicht gemalt. Das wäre absurd. Und natürlich werden Sie sich
bekennen. Zur Freiheit der Kunst. Gegen das Gestrige. Sie werden die Ernennung
Manfred Odin Wiesingers zum Kulturbeirat eines Bundeslandes scharf kritisieren.
Sie werden auf Bundesebene Zeichen setzen. Moderne, liberale, innovative
zeitgenössische Kunst großzügig unterstützen. Ja, unter Ihrer weisen Führung
wird sich die gesamte ÖVP distanzieren von einem möglichen Trend zur
„Reichskunst“. Oder?