Nie wieder Sebastian Kurz

Gedanken aus Bleistift

Meine Gedanken schweifen um eine Kapitänin. Sie wurde verhaftet, weil sie Menschen vor dem Ertrinken bewahrte. Nein, nicht die Täter wurden verhaftet. Das helfende Opfer.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

„Ich habe die Balkanroute geschlossen.“

In einem Land, in dem ein faschistischer Minister vom Balkon Mussolinis Reden schwingt.

In einem Land, in dem ein faschistischer Minister Roma und Sinti kastrieren lassen möchte.

In einem Land, in dem ein faschistischer Minister Menschen ertrinken lassen möchte.

„Ich habe die Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken schweifen um einen ehemaligen Innenminister Österreichs. Der mit dem Rückenwind einer beispiellosen Fremdenfeindlichkeit eine GESTAPO aufbauen wollte. Dürfen meine Gedanken die Schutztruppe für ausschließlich Ministerinnen und Minister der FPÖ so nennen? Und was sagte der damalige Kanzler hierzu und zu all den anderen Versuchen Kickl´s und der FPÖ, die Meinungsfreiheit und die bürgerlichen Rechte in Österreich zu beschränken? Was sagte er zu „Strachismus“, bevor dieser unterging?

„Ich habe die Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken schweifen um das Gespräch am vergangenen Sonntag, welches Stöckl mit Sebastian Kurz führte. Selbstzweifel? Reue? Fehlanzeige. Als das Thema des wundersamen Auftretens des jungen Altkanzlers im Rahmen einer Sektenveranstaltung aufkam, da zeigte sich der „Heilige Sebastian“ ergriffen. Das Gebet für ihn. Seine Überraschung. Ja, fast erstarrt soll er gewesen sein. Und natürlich habe er dies nie gewollt. Welch eine Heuchlerei. Wäre es übrigens keine, dann wäre es unglaubliche Dummheit gewesen. Eine Dummheit, die alleine Sebastian Kurz jede Befähigung abgesprochen hätte, noch einmal Kanzler Österreichs zu sein. So aber war es ein kalkulierter PR-Gag, der jedoch nach hinten los ging.

„Ich habe die Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken kehren zurück zur mutigen und tapferen Kapitänin. Höre ich von Sebastian Kurz irgendetwas über sie? Höre ich ein „So darf das nicht weitergehen“? Höre ich etwas von Kurskorrekturen von einem, der sich aufgemacht hat, wieder Kanzler Österreichs zu werden? Ich höre nichts, oder doch:

„Ich habe die Balkanroute geschlossen.“

Nie wieder Sebastian Kurz!


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Dorfladen

3 Kommentare zu "Nie wieder Sebastian Kurz"

  1. Bernd Salomon Bernd Salomon | 30. Juni 2019 um 12:09 |

    Für mich ist Sebastian Kurz ein Populist wie viele andere auch. Rechte Ideen sind nicht nur in Europa modern.

    Österreich bekam vor Jahren wegen einer VP-FP Regierung EU-Sanktionen aufgedrückt, heute ist Le Penn die Stimmenstärkste bei EU Wahlen in Frankreich, um nur ein Beispiel zu nennen.

    Ich mag aber die Roten mit ihrer Chefin auch nicht und werde daher diesmal die Grünen wählen. Astrid Rössler hat mir schon als landeshauptmann-Stellvertretrin in Salzburg gefallen.

  2. Sebastian Kurz ist ein Produkt der aktuellen politischen Stimmungslage in Europa. Seinesgleichen gibt es viele, auch wenn ich das nicht gut finde.

    Die Globalisierung ist schlecht. Die Konzernisierung ist schlecht. Alles Große ist schlecht.

    Sie greifen hier in der Dorfzeitung immer nur Sebastian Kurz an. Das ist einseitig.

  3. Franziska Franziska | 30. Juni 2019 um 20:12 |

    Sebastian Kurz macht es sich doch sehr leicht, wenn er jetzt so einfach sagt: “Genug ist genug”. Immerhin hat er – gerade um Kanzler werden zu können – die Blauen mit Herrn Strache ins Boot geholt. Jetzt so zu tun, als ob das eine Qual gewesen wäre, wäre doch ein wenig naiv – und genau das ist Sebastian Kurz mit Sicherheit nicht.

    Ich stimme Herrn Rochus Gratzfeld aus vollstem Herzen zu:
    Nie wieder Sebastian Kurz.

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