Bürmooser Kulturstammtisch

KulturstammtischCartoon Alois Fuchs Bürmoos, Fotos: Karl Traintinger

Diskussion und Jazzbrunch  im Gemeindezentrum am
26. September 1999 um 10.30 Uhr

Nach zwei hervorragenden Stücken der Musiker, die meiner Ansicht nach viel zu wenig zum Einsatz kamen, wurde die Diskussion von KH. Schönswetter mit den Worten begonnen:

” Za wos – Kultur – za wos”

Da hört man schon die erste Stimme: So wenige kommen, “za wos” machen wir dann solche Veranstaltungen, wenn eh so wenige Interesse haben. Will niemand mit Kultur zu tun haben? Ist nicht Kultur auch in jedem unserer Vereine gegeben? Ist nicht auch ein Sportverein oder ein Gesangsverein eine kulturelle Einrichtung? Nicht nur Weinfeste oder Erntedank (die auch an diesem Wochenende stattfanden und sich bedeutend größerer Zuschauerzahl erfreuten) sind Veranstaltungen zu denen man gehen kann und die man genießen kann.

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Doch hört man von anderer Seite, daß es angeblich ja einen Unterschied gibt zwischen Volkskultur (=Brauchtum) und Kultur im künstlerischen Sinn. Da möchte ich doch wissen, was es da für einen Unterschied in der Kultur gibt. Geht es in der Kultur nur um die Menge an Zuschauern, (sollen wir sie überhaupt so betiteln oder sind es nicht eher Teilnehmer. Es gibt überall diese und jene, das wiederum ganz auf die Mündigkeit des Einzelnen ankommt.) die vielleicht doch etwas von ihrem Geld da lassen, oder geht es nicht eher um die Qualität der kulturellen Veranstaltung, die vielleicht nur für einige wenige des Ortes oder der umliegenden Orte interessant und begeisterungswürdig ist. Geht es nicht eher darum, daß einzelne mit einem Gefühl der Befriedigung nach Hause gehen und dies den anderen begeistert mitteilen und so Kultur auch weitergetragen wird und nicht einfach nur viele irgendwo hingehen, um eben auch dort gesehen zu werden oder dort gewesen zu sein.

Dann kommt ein Betrag der sich höchst kritisch an die Gemeinde wendet und wie ich meine nicht zu unrecht. Warum sich diese so wenig hinter so eine Veranstaltung wie die Kulturtagesteht stellt und bei der Diskussionen viel eher eine politische Beweih-räucherungsaktion daraus macht (was ja am Wochendende vor der Wahl wichtig ist). Warum können KIF und Gemeinde nicht Hand in Hand so eine Veranstaltung aufbauen? Sind hier wieder politische Hürden gegeben – wie Parteizugehörigkeit oder ähnliches? Oder ist es so, daß es zwar in der Gemeinde einen neuen Kulturschausschuß gibt, der von Hr. Bauer würdig aber ziemlich einsam vertreten wird, der budgetlos von der Gemeinde im Regen stehen gelassen wird und somit kaum handlungsfähig ist?

Aber so die Gemeindevertretung, es kann sich ja ein jeder Bürger in das kulturelle Ortsleben einbringen. Es muß nicht immer die Gemeinde alles servieren, man wende sich hierzu an den Kulturausschuß und stelle sich z. B. als neuer Ortschronist zur Verfügung, der ja eigentlich eh schon lange fehlt.

Jedoch das Gegenarbeiten gegen die Kultur oder eine UNKULTUR kann und darf nie institutionalisiert werden

Andere möchten darauf hinweisen, daß ja bei uns in den Schulen Kultur auch sehr gefördert und auch zu diesem Zweck verschiedenes Neuland beschritten wird, was auch meine Zustimmung findet und wirklich großartig ist. Und das alles ist oft nur durch viele unentgeldliche Stunden von engagierten Lehrer möglich, die mit viel Begeisterung und persönlichem Einsatz unseren Kindern lehren, daß Kulturerleben etwas sehr wichtiges ist.

Nur könnten wir jetzt nicht zu Hause sitzen und darauf warten, bis unsere Kinder uns lehren, wie wir Kultur zu erleben haben. Eine Meinung, die allgemeines Kopfnicken erntete: Kultur beginnt in der Familie und muß sich somit überall abspielen. Kultur ist nicht nur auf eine Institution alleine beschränkt.

Kunst ist wie ein Essen. Nur weil jemand mir sagt wie toll und wichtig die Produkte in dieser Speise sind muß mir das Gericht nicht schmecken; nur weil mir jemand erklärt was für ein tolles Kunstwerk dies ist, muß es mir nicht gefallen.

Karl-Heinz Schönswetter

Die Diskussion verschachtelt sich dann fürchterlich in ein politisches Hick-Hack: wie viel doch die Gemeinde tut oder auch nicht tut, was jene oder andere Gemeinden nicht alles tolles zu Wege bringt, etc. Die Gedanken sind vom Grundthema za wos Kultur wohl etwas abgeschweift.

So verlasse ich (leider aus terminlichen Gründen) vorzeitig den Saal und kann nicht mehr nachvollziehen, ob es dann noch zu anderen Themen genaueres gegeben hat, oder nicht und bedauere nur sehr, daß ich dem Kulturgenuß den Musikern zu lauschen nicht mehr Zeit widmen konnte.

Für mich ist Kultur ein Leben in 3 Ebenen: “gestern – heute – morgen”.

(Text: Ulli Mairinger)

Künstler, Kulturarbeiter und Politiker diskutierten mit interessierten Gästen über die Tätigkeit der örtlichen Kulturvereine heute und morgen.

Teilnehmer der Diskussion am Podium: K.H. Schönswetter (Diskussionsleiter), Rosemarie Ofner (Kulturinitiative Flachgau), Bgm. Martin Seeleithner, Wolfgang Bauer (Kulturausschuß Bürmoos)

Die “Adabeis”: Vertreter der Gemeinden L’hausen, St. Georgen, und dann noch einige andere Interessierte, die man fast an einer Hand abzählen konnte.

Musik: Ch. Wegscheider – Piano, Alex Meik – Baß, R. Kainer – Drums

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