Urlaub am Wasser einmal anders

Rovinj Sonnenuntergang | Alle Fotos: Wolfgang Bauer

Vor einigen Jahren planten wir wieder einmal einen Urlaub in Kroatien. Diesmal sollte es nicht Istrien werden, sondern Dalmatien.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

In Istrien waren wir schon mehrere Male gewesen, wobei ein reiner Badeurlaub immer viel zu langweilig gewesen wäre. So hatten wir alle die interessanten Städte entlang der Küste schon gesehen:

Zum Beispiel Rovinj, das wie die meisten Istrischen Städte eine starke italienische Minderheit hat. So sind auch italienischsprachige Straßenschilder offensichtlich kein Problem. Die Stadt wird von ihnen Rovigno genannt in istrisch heißt sie Ruvèigno, die Deutschsprachigen nannten sie früher Ruwein. Schon die alten Römer hatten dort eine Siedlung, die sie Ruginium nannten.

Pola - Kolosseum vom Hafen aus
Pola – Kolosseum vom Hafen aus

Auch Pula  – deutsch und italienisch Pola – kannten wir schon länger. Die tief ins Land reichende Bucht mit einer Werft war einst österreichischer Kriegshafen. Seit 7000 Jahren ist die Stadt schon besiedelt und hat ein gut erhaltenes römisches Amphitheater sowie zahlreiche weitere Siedlungsspuren aus der Römerzeit.

Ebenso war Opatja, italienisch Abbazia, schon öfters Ziel unserer Besuche gewesen. Viele schöne alte Bauten erinnern an die Zeit, als hier der österreichische Hochadel, später auch der Geldadel, seine Kuraufenthalte und die Sommerfrische genoss.

Zadar Hafenpromenade
Zadar Hafenpromenade

Diesmal wollten wir zwei Wochen Anfang September in der kleinen Stadt Starigrad, italienisch Cittavecchia, verbringen. Sie liegt zwischen Karlobag und Zadar am Rande des Nationalparks Paklenica. In dem 96 Quadratkilometer großen und schönen Schutzgebiet, das auch ein Kletterparadies ist, wurden große Teile von mehreren Karl May-Filmen gedreht.

Wir hatten allerdings, – für diese Jahreszeit ungewöhnlich – eine Zeit mit vielen Gewittern erwischt. Dazu blies die Bora so arg, dass man sich einen Aufenthalt oder gar das Essen auf der Terrasse überlegen musste. Gewitter und Regen beglückten uns öfters. Das Meer war kalt und erreichte kaum 20 Grad, baden war bei den Meisten eine kurze Angelegenheit. Dafür hatten wir das Glück, ein Naturschauspiel zu sehen, das nach Auskunft unseres Quartiergebers äußerst selten auftritt.

Zadar - Ausgrabungen
Zadar – Ausgrabungen

Etwa hundert Meter vom Ufer entfernt trat eine runde Fläche auf der Wasseroberfläche auf, wo es keine Wellen gab. Es sah aus, als wenn es dort kochen würde. Hier mußte eine unterirdische Quelle oder ein Flusslauf ins Meer münden. Nach dem tagelangen Regen drängte wohl eine Menge des leichteres Süsswasser nach oben und erzeugte dieses Phänomen. Selbst Paddelboote konnten sich dort nicht in der Mitte halten und wurden an den Rand geschwemmt. Dieses Naturschauspiel war bald wieder verschwunden, bei unserer Abreise war alles wieder normal wellig.

Das Wetter wurde auch nach Tagen nicht viel besser und so besuchten wir die Stadt Zadar. Der Hafen bietet einen schönen Ausblick. Eine uralte Kirche wurde gerade restauriert und daneben waren auf einer großen Fläche römische Ausgrabungen eher lieblos und unbeaufsichtigt zugänglich.

Natürlich wollten wir auch die berühmten Wasserfälle im Krka Nationalpark besuchen. Vom Parkplatz fuhr man mit uralten Bussen zu den schönsten Stellen. Durch den tagelangen Regen waren die Seen und Flüsse stark angeschwollen. Über den Wasserfall führt ein Steg auf Holzpfählen ohne Geländer. Darüber konnte man nun gehen, wobei sich oft eine Schlange von Besuchern über die knapp einen Meter breiten Bohlen in beide Richtungen bewegte. Selbst kleinere Kinder wurden da mitgenommen.

Durch das Hochwasser waren nicht nur die verschiedenen Wasserarme angeschwollen, die zum Fall flossen, sondern auch die normalerweise dazwischenliegenden Inseln überschwemmt. Stellenweise war sogar der Steg bis zur Mitte überflutet. Die Bäume auf den Inseln standen einen Meter tief im Wasser, Farne und Sträucher wogten unter Wasser. Im Gegensatz zum Wasserfall, der donnernd und tosend hinunterstürzte, flutete das Wasser unter dem Steg beinahe lautlos zur Abbruchkante. Es war fast unheimlich. Jeder, der hier darüber marschierte, wußte, dass ein Taumeln oder Stolpern, aber auch der Rempler eines entgegenkommenden Besuchers den Fall ins Wasser und damit über den Wasserfall bedeuten konnte. Bei uns wäre so ein Szenario wohl undenkbar gewesen, dieser Teil des Parks wäre längst gesperrt worden.

Auf der gegenüberliegenden Seite führte ein Weg an den Fuß des Wasserfalls. Hier ist normal ein Gastgarten in Betrieb, der jetzt bis zu knietief überflutet war. Ein Fotograf, der dort eigentlich Hochzeitsmode fotografieren wollte, schickte seine Models kurzerhand ohne Schuhe ins Wasser.

Den ganzen riesigen Park mit den Seen und Wasserfällen konnten wir natürlich nicht besichtigen. Da bräuchte man Tage oder Wochen. So wurde aus einem Badeurlaub eher ein Kultur- und ungeplanter Abenteuerurlaub, was uns dennoch nicht im Geringsten störte, denn so etwas kann man nicht buchen.

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Dorfladen

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