Immer diese Ausländer

Flüchtlingstreck aus dem Banat

Flüchtlingstreck aus dem Banat | Alle Fotos: Wolfgang Bauer - Archiv Wolfgang Bauer

Wenn ich jemand im Ernst so schimpfen höre – meist klingt das weit weniger vornehm wie im Titel – dann nehme ich das auch immer persönlich.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Denn immerhin hatte mein Großvater väterlicherseits 15 Kinder von zwei Frauen und die Großeltern mütterlicherseits hatten 11 Kinder. Bei so vielen Nachkommen zerstreut sich die Nachkommenschaft dann leicht einmal über die halbe Welt.

Meine Vorfahren väterlicherseits stammen aus Böhmen. Mein Bruder und seine Nachkommen sind US-Amerikaner und leben auch dort bereits in vierter Generation. Ein Cousin, eine Cousine und deren Familien leben in Kanada. Eine Cousine lebt mit Familie in Schottland.

Ein weiterer Cousin ist mit einer Belgierin verheiratet. Zahlreiche nähere Verwandte sind Deutsche oder leben in Deutschland.

Unter meinen Bekannten gibt es welche, die – oder deren Vorfahren – stammen aus der Türkei, aus Syrien, aus Sri Lanka (Ceylon) aus Siebenbürgen, dem Banat, Syrmien, Batschka und in Bürmoos, meinem Heimatort, viele aus Böhmen und Mähren.

Meine Urlaube verbrachte ich bisher in vier Kontinenten (außer Australien). Ob im Osten, in Thailand oder im Westen, in Kalifornien, ob im Süden, in Tunesien, oder in ganz Europa: Eigentlich fühlte ich mich überall wohl unter diesen Ausländern, in deren Land ich gerade der Ausländer war. Nur in Rom war ich nicht so glücklich, da waren aber nicht alle Italiener schuld, sondern der Taschendieb, der mir in der U-Bahn die Geldbörse geklaut hatte.

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Marktstand mit Kindern in Bangkok
Marktstand mit Kindern in Bangkok

Was wären wir auch zu Hause ohne Ausländer: Da gibt es den Chinesen und den Italiener, zu denen wir Essen gehen. Meine Schwester im Altenheim hat zu einem erheblichen Teil ausländische Pflegerinnen. Die Sprachlehrerinnen in der Volkshochschule waren aus Frankreich und England. Der Judotrainer bei einem Lehrgang war Japaner usw.

Judo mit Mahito Ohgo aus Japan

Auch ich selbst habe 36 Jahre im Ausland – in Deutschland – als „Entwicklungshelfer“ gearbeitet, am Anfang gab es da noch sehr viel mehr Bürokratie hüben und drüben als heute.

Mein Heimatort Bürmoos beherbergt ohne größere Probleme derzeit Menschen aus rund fünfzig Nationen bei nicht ganz 5.000 Einwohnern. Aus jedem vierten Staat, der von der UNO anerkannt wird, lebt jemand bei uns.

Nach einer interessanten Statistik des Landes Salzburg hat sich die Bevölkerungszahl der Bürmooser seit der ersten Zählung im Jahr 1869 ver-68-facht. Das ist einsamer Rekord. Damals lebten im Gemeindegebiet gerade einmal 72 Leute. Fast hundert Jahre später, im Jahr 1967 wurde Bürmoos eine eigene Gemeinde und hatte etwa 2.600 Einwohner. Der Zuzug in diesem Zeitraum waren hauptsächlich Leute aus dem Ausland, die bäuerliche Bevölkerung der Umgebung war kaum vertreten.

Die Gemeinde hält auch noch einen anderen Rekord: Mit 26 Meter Höhenunterschied zwischen dem höchsten Punkt auf dem Laubschachen beim Wasserturm und der tiefsten Stelle, dort wo der Pladenbach das Gemeindegebiet verläßt, sind wir auch die flachste Gemeinde des Landes.

Eine weitere Besonderheit ist, dass in Bürmoos vor der Gemeindegründung die Grenzen der Gemeinden Lamprechtshausen und St. Georgen teilweise mitten durch Gebäude und sogar Wohnungen verliefen. Ein Beispiel ist der Wohnblock „Bahnhofhaus“.

Bauer 5. Dan Prüfung 1982

Natürlich sind es nicht lauter Heilige, die in unser Land kommen. Es gibt unter ihnen genauso viele Gauner und Betrüger, Hackler und Faulpelze, Gescheite und Dumme wie in der angestammten Bevölkerung. Aber wenn jemand Angst hat, eine fremde Kultur oder Religion könnte uns aufgezwungen werden, dann zeugt diese Angst wohl vor allem von einem mangelnden Selbstbewußtsein des Betreffenden und nicht von der Realität. Nicht alle haben natürlich Platz bei uns, aber wenn ihr Leben bedroht ist, so muss ihnen Asyl gewährt werden. Um die Fluchtursachen wie Krieg oder Hungersnot in den Herkunftsländern zu bekämpfen, fehlt bei unseren zuständigen Politikern wie dem langjährigen Außenminister Kurz jegliche Ambition und jeglicher Plan. Grenzen schließen ist eindeutig zu wenig.

Straßenszene nahe einer Tunesischen Oase

Gibt es also Probleme mit einem Ausländer, dann nicht gleich auf Alle schimpfen sondern die schwarzen Schafe beim Namen nennen und daran denken: wenn ich in Oberndorf über die Brücke nach Laufen fahre oder gehe um mir ein Eis zu kaufen oder beim Bäcker die beliebten Süßspeisen zu holen, dann bin ich dort selbst bereits (seit 1816) Ausländer.

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Dorfladen

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