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Oberon

Mit Carl Maria von Webers romantischer Feenoper startet das Salzburger Landestheater in die neue Saison und bringt alle drei Sparten, Musiktheater, Schauspiel und Ballett auf die Bühne des großen Hauses.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Regisseur Volkmar Kamm hat die 1826 in London uraufgeführte Oper mit viel Witz und Ironie in Szene gesetzt. Die phantastische Reise in den Orient verzauberte bei der Premiere am 21.September 2019 das Publikum.

Schon während der Ouvertüre mit ihrer geheimnisvollen Einleitung und dem prägnanten Hornruf treibt Puck seine Späße. Sein Herr und Gebieter, der König des Feenreiches, ist jedoch total unglücklich, denn wieder einmal hat er sich mit seiner Gattin Titania gestritten und einen verhängnisvollen Schwur geleistet. Er muss ein Paar finden, dass sich nicht nur unendlich liebt, sondern auch noch die widrigsten Prüfungen besteht und großen Versuchungen widerstehen kann, sonst gibt es keine Versöhnung.

Puck ist begeistert und macht sich sofort auf die Suche. In dem fränkischen Ritter Hüon und der Kalifentochter Reza, die von ihrem Vater wie eine Gefangene gehalten wird, findet er die geeigneten Kandidaten. Als Straßensänger verkleidet gelingt es Hüon und seinem Diener Scherasmin die Geliebte und deren Dienerin Fatima zu befreien und mit ihnen auf einem Schiff zu fliehen. Der vorprogrammierte Schiffsbruch verheißt nichts Gutes, denn Seeräuber sind zur Stelle und nehmen die kostbare Fracht an sich, um sie in Tunis als Sklaven zu verkaufen.

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Wenn gar nichts mehr geht, schickt Oberon eben seine Geister zu Hilfe und so landen die Verliebten schließlich bei Kaiser Karl dem Großen und Oberon darf seine Titania in die Arme schließen, zumindest bis zum nächsten Streit.

Während Franz Supper als Oberon seine Depressionen pflegt, geht sein Diener Puck (hervorragend Gregor Schulz) ganz in seiner Rolle auf, denn er ist fasziniert von der spannenden Liebesgeschichte, die sich zwischen Orient und Okzident abspielt. Seine Lieblingsnymphe Arethusa (entzückend Verena Rendtorff) weicht nicht von seiner Seite. Das Liebespaar Hüon (Roman Payer) und Rezia (Anne-Fleur Werner) sowie deren Diener Scherasmin (George Humphreys) und Fatima (Shahar Lavi) haben Ballettdoubles, die ihren Emotionen tänzerisch Ausdruck verleihen. Der junge finnische Choreograf Kristian Lever beeindruckt aber auch mit kraftvollen, sehr maskulinen Gefängnisszenen. Der Höhepunkt des Abends ist sicherlich die große Ozean-Arie der Rezia, deren Text durch Aktualität besticht. Sascha Oskar Weis darf als finsterer Bösewicht glänzen, verkörpert er doch den Kalif von Bagdad, einen finsteren, völlig durchgeknallten Despoten, den Piratenkapitän und den Emir von Tunis, einen modernen, skrupellosen Politiker. Chor und Extrachor des Salzburger Landestheaters wurden von Katja Schindowski mit eleganten, extravaganten, transparenten Kostümen ausgestattet, in denen die nicht mehr ganz so jungen Elfen und Geister fast schwerelos über die Bühnen zu schwirren vermögen.

Die Bühne überragt ein riesiger Mond mit künstlerischen Projektionen, die die gespenstische, übernatürliche Atmosphäre des Geschehens betonen (Konrad Kulke). Der amerikanisch-israelische Dirigent Ido Arad hat den musikalisch kunterbunten Mix aus romantischen Klängen und arabischen Themen mit dem Mozarteumorchester Salzburg locker und doch souverän serviert. Ein Opernabend, der zu begeistern vermag, weil er sowohl den Freunden des Sprechtheaters, der Oper sowie des Balletts etwas bietet. Zur Pause hörte ich eine begeisterte Stimme hinter mir: „Das ist ja um Häuser besser als in Wien!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

„Oberon“ Romantische Feenoper von Carl Maria von Weber. Libretto von James Robinson Planché nach Wielands epischer Dichtung „Oberon“. Dialogergänzungen von Volkmar Kamm. Musikalische Leitung: Ido Arad. Inszenierung: Volkmar Kamm. Szenische Choreographie: Verena Rendtorff. Choreographie: Kristian Lever. Bühne: Konrad Kulke. Kostüme: Katja Schindowski, Lichtdesign: Michael Seemann. Mit: Franz Supper, Gregor Schulz, Roman Payer, George Humphreys, Anne-Fleur Werner, Shahar Lavi/Tamara Gura, Tamara Ivaniš, Hazel McBain, Sascha Oskar Weis, Verena Rendtorff, Mona Akinola, Ballett des Salzburger Landestheaters, Chor und Extrachor des Salzburger Landestheaters. Mozarteumorchester Salzburg. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger