Michael Winterhoff: Deutschland verdummt

Michael Winterhoff | Foto: Gütersloher Verlagshaus/ privat

Michael Winterhoff | Foto: Gütersloher Verlagshaus/ privat

Michael Winterhoff Deutschland verdummt

Autor: Michael Winterhoff
Titel: Deutschland verdummt – Wie das Bildungssystem die Zukunft unserer Kinder verbaut – und wie wir das ändern können
ISBN: 978-3-641-24077-6
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Erschienen: 20.05.2019

Klappentext:

Bildung in Deutschland: eine Katastrophe. Kinder und Gesellschaft nehmen Schaden! Michael Winterhoff redet Klartext, zeigt anhand vieler Beispiele aus seiner langjährigen Praxis als Kinder- und Jugendpsychiater, aber auch aus zahlreichen Rückmeldungen zu seinen Büchern und Vorträgen, was heute in Kitas und Schulen falsch läuft – so falsch, dass in seinen Augen die Zukunft unserer Gesellschaft gefährdet ist. Leidtragende sind für ihn die Kinder, die man quasi sich selbst überlässt.

Winterhoff verharrt nicht bei der Bestandsaufnahme und Analyse, er zeigt konkrete Lösungen und Maßnahmen auf und fordert u.a. eine groß angelegte Bildungsoffensive: Weg von Kompetenzorientierung und den unfreiwillig zu Lernbegleitern degradierten Lehrern, hin zu echter Bildung und Pädagogen, die den Kindern wieder ein Gegenüber sein dürfen. Denn nur die Orientierung an Bezugspersonen ermöglicht die Entwicklung von emotionaler und sozialer Psyche

Die aktuelle Bildungskatastrophe: Michael Winterhoff redet Klartext
Konkrete Lösungsvorschläge und Wege aus der Misere
Erschütternde Insiderberichte aus Kita und Schule
Der aufrüttelnde Appell des renommierten Kinder- und Jugendpsychiaters

Anni Lemberger

Rezension: Anni Lemberger

Der Autor, der eine Praxis, als Kinder- und Jugendpsychiater in Deutschland hat, ist immer häufiger mit Verhaltensauffälligkeiten von Kindern konfrontiert, die er als Folge des „neuen“ Lernens in deutschen Schulen vermutet. Obwohl er über Deutschland berichtet, führt er im Buch auch Beispiele Österreichischer PädagogInnen an.

So beschreibt er, dass Kinder keine Schreibschrift mehr erlernen, sondern dass sie aus der erlernten Druckschrift und den verschiedenen Schreibschriftvorlagen selber einen individuellen Schreibstil entwickeln sollen.

Selbst die Korrektur der Hausaufgaben sei diesem Modell zufolge nicht nötig, weil es die Verantwortung und die Selbständigkeit der Kinder einschränke.

Die Reaktion vieler Kinder auf dieses völlig „Alleingelassen werden“ sind Lernschwächen Verhaltensauffälligkeiten (nach neuer Definition als „Verhaltensoriginalität“ bezeichnet), das gerne auf die Schwierigkeiten mit den vielen Kindern, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, geschoben wird, aber auch in nur „deutschsprachigen“ Klassen auftritt.

Ein erschütterndes und aufrüttelndes Buch, das leider auch im Österreichischen Schulsystem beobachtet werden kann.

Denn wir mit Volksschul- bzw. Grundschulkindern lernt, merkt sehr schnell wie weltfremd die neuen Unterrichtsmaterialien sind und Kinder mit Koordinationsproblemen scheitern sehr schnell daran (verwechseln einiger Buchstaben, die in der Druckschrift sehr ähnlich sind = d und b oder g/p)

Beim Lesen dieses Buches hatte ich das eine oder andere „Aha-Erlebnis“ und es wurde mir klar, warum sich einige Kinder derart schwer tun beim Lesen, Schreiben und Rechnen lernen.


Dorfzeitung.com
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Dorfladen

1 Kommentar zu "Michael Winterhoff: Deutschland verdummt"

  1. Anna Lemberger Anna Lemberger | 26. November 2019 um 10:24 |

    Das neue Lernen – eine Sackgasse?

    Ich denke gerne an meine ersten Schuljahre zurück – besonders wie ich lesen und schreiben gelernt habe. Auch meine Lehrerin habe ich sehr guter Erinnerung, wie sie mir diese Fertigkeiten beigebracht hat. Ich habe aufgeschaut zu ihr. Ganz anders als heute!
    Nach einigen Bildungsoffensiven haben einige ganz kluge Köpfe das Lesen und Schreiben lernen revolutioniert?
    Aber was war so falsch in den Volksschulen der 60er und 70er Jahre, dass alles derart auf den Kopf gestellt wurde?
    Wir alle haben Schreiben und Lesen, und auch sehr gut Rechtschreiben gelernt. Auch wurde zu dieser Zeit noch darauf geachtet, dass Kinder eine leserliche Schrift erwerben.
    Die Lehrer von heute werden zu sogenannten Lehrbegleitern degradiert, die keinerlei Beziehung mehr zu den Kindern aufbauen. Außerdem wird ihnen eine Kompetenz und Verantwortung auf selbständiges Arbeiten aufgedrückt, die sie aufgrund ihrer Entwicklung einfach noch nicht haben (können).
    Unsere Schreibschrift verschwindet allmählich aus den Klassenzimmern, sie wird ersetzt durch eine Druckschrift und in weiterer Folge durch das Tastendrücken auf einem digitalen Gerät.
    Kinder schreiben ganze Absätze ab, die sie nicht lesen können und müssen.
    Auch werden Kinder bei Schwierigkeiten allein gelassen und Eltern haben vielfach keine Zeit, weil sie berufstätig sind.
    Lernschwierigkeiten und/oder Konzentrationsschwächen werden von Lehrern mit Zusatzausbildung z. Bsp. zur „Diplomierten Legasthenietrainerin / Diplomiertem Dyskalkulietrainer “ diagnostiziert und schon sind die Kinder im Eck „Störung“ gelandet.
    Natürlich erhalten die Kinder Trainingseinheiten in Koordination, Sinneswahrnehmung, Konzentration.
    Aber genau das ist es, was im Denken der Kinder das „Bewusstsein der Krankheit, der Störung“ hervorruft, obwohl die Kinder eine normale Intelligenzentwicklung aufzeigen. Das Elementarste bekommen die Kinder aber nicht – und das ist die Vorbildfunktion von Erwachsenen gegen dem Kind. Kinder sind nicht die kleinen Erwachsenen, zu denen sie in diesem neuartigen Unterrichtssystem gemacht werden. Sie brauchen Erwachsene die ihnen die Leitlinien der sozialen Kompetenz vorzeigen und vorleben.

    Die diagnostizierte „Störung“ bei der Benotung berücksichtigt, falls nicht überhaupt von einer Benotung abgesehen wird. Und wieder entsteht das Gefühl „ich bin anders, ich bin dumm, ich bin ein Außenseiter“: Und schon sind weitere Verhaltensauffälligkeiten vorprogrammiert.
    So wird aus einem völlig gesunden normalen Kind, deren schulische Probleme durch die neue Form des Lernens hervorgerufen werden, ein verhaltensauffälliges (nach neuem Vokabular, verhaltensoriginelles) Kind. Außerdem führt diese „Sonderbehandlung“ dazu, dass von Kindern keine Schreib- und Lesekompetenz erwartet wird.

    Durch meine Erfahrung bei der Lernunterschützung eines Volksschulkindes hatte ich ein Déjá-vu Erlebnis beim Lesen des Buches vom renommierten Kinderpsychiater Winterhoff (Deutschland verdummt), der einen deutlichen Anstieg von „verhaltensoriginellen“ Kindern durch fehlgeleitete Unterrichtsmethoden verzeichnet. Er bestätigte mich in meinem „Bauchgefühl“, dass ich mit diesen Lernunterlagen niemals lesen und schreiben gelernt hätte oder nur mit großen Schwierigkeiten.

    Um die Zahl der Analphabeten nicht deutlich zu erhöhen, ist es erforderlich, dass genau hingeschaut wird, wie, was und wie viel unsere Kinder in der Schule lernen.

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