Sommer und Winter – Die sprachliche Zweiteilung des Jahres

Maria Bühel im Dezember (Winter) | Foto: KTraintinger, Dorfbild

Maria Bühel im Dezember (Winter) | Foto: KTraintinger, Dorfbild

Die Germanen teilten das Jahr ursprünglich in zwei Hälften: in eine warme Jahreshälfte, die sie Sommer nannten, und in eine kalte, nasse Jahreshälfte, die sie Winter nannten. Diese alte Zweiteilung des Jahres hat sich bis heute in unserem Sprachgebrauch erhalten.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Der Ausdruck Sommer und Winter bezeichnete ursprünglich einen Zeitraum von zwei Halbjahren. Diese alte Verwendung von Sommer und Winter, als Bezeichnung für das gesamte Jahr, findet sich bis heute in unserem Sprachgebrauch. Wenn wir sagen, sie steht Sommer wie Winter am Markt oder er fährt Sommer wie Winter mit dem Rad, dann steht Sommer wie Winter für das gesamte Jahr, für alle vier Jahreszeiten.

Die Zweiteilung des Jahres in Sommer und Winter begegnet in vielen Bereichen unseres heutigen Lebens. Bei den öffentlichen Verkehrsmitteln haben wir einen Sommerfahrplan und einen Winterfahrplan. Bei der Uhrzeit haben wir eine Sommerzeit und eine Winterzeit. An den Schulen und Universitäten haben wir ein Sommersemester und ein Wintersemester. Im Tourismus gibt es eine Sommersaison und eine Wintersaison. Auch in der Tierwelt unterscheiden wir zwischen Sommerpelz und Winterpelz. Frühling und Herbst spielen bei den Benennungen keine Rolle.

Nach Sommern und Wintern wurden auch die Jahre gezählt, so z. B. bei Altersangaben: er ist 50 Winter alt, sie geht auf ihren 60. Sommer zu. Im Niederrheinischen wurden einjährige Tiere auch als einwinter bezeichnet, im Englischen zweijährige Nutztiere als twinter (= two „zwei“+winter). Auch wurden mit der Anzahl der Sommer oder Winter die Länge von Zeiträumen angegeben, so z. B. es dauerte 100 Winter lang.

In der nordischen Mythologie wurden Sommer und Winter als Riesen personifiziert. Sommer ist ein guter, freundlicher Riese. Winter ist ein böser Riese. Späte Nachklänge dieser Personifikationen finden sich ebenfalls bis heute in unserem Sprachgebrauch, wenn wir sagen der Winter steht vor der Tür, der Winter kommt, der Winter geht, wir treiben den Winter aus. Gleiches gilt auch für den Sommer: Der Sommer steht vor der Tür, der Sommer kommt, der Sommer geht.

Neben den zeitlichen Angaben dienten Sommer und Winter auch als Bezeichnungen für Orte oder Gebiete. Die Sommerseite ist die Seite, die nach Süden gewandt ist. Die Winterseite ist die Seite, die nach Norden gewandt ist, ebenso wie die Winterlage oder die Winterhalde.

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Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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