Gefährliche Momente (3)

Der Schlenkengrat vom Schmittenstein aus.

In der Höhle der Bären – der Schlenken

An einem Wochentag im Frühsommer packte ich in aller Herrgottsfrüh meine Bergausrüstung in den Rucksack, dazu eine Jause und eine Taschenlampe.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Wie schon öfters zum Beginn der Bergwanderer-Saison wollte ich die relativ leichte Tour auf den Schlenken und den Schmittenstein zum Eingewöhnen gehen. Ebenfalls besuchen wollte ich die Schlenken-Durchgangshöhle, die ich eher zufällig kennengelernt hatte. Meine Frau hatte diesmal keine Zeit gehabt um mitzugehen, also ging ich allein.

Das Auto unterhalb der Halleiner Hütte abgestellt, marschierte ich an dieser vorbei über die Schlenkenalmen unterhalb des Grates zum relativ steilen Aufstieg auf den Schmittenstein. Unterhalb des riesigen Gipfelblocks geht es eben auf einem schmalen Steig zum kurzen Kletterstück auf den Gipfel. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sollte man hier schon besitzen. Vom Gipfel hat man dann einen schönen Rundblick auf die höheren Berge der Umgebung.

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Weg am Schlenken zum Schmittenstein (1982)

Nach den obligaten Fotos und dem Verputzen der Jause machte ich mich wieder auf den Abstieg zur Scharte, die den Schmittenstein vom Schlenken trennt. Das Wetter hatte sich inzwischen verschlechtert und es waren kaum andere Wanderer unterwegs. Nach kurzer Strecke auf dem Schlenkengrat bog ich rechts ab zum Nordportal der Schlenkenhöhle. Der Abstieg dorthin ist nicht gekennzeichnet und auch nicht ungefährlich. Zwischen Latschen hindurch führt ein steiler und kaum sichtbarer Weg nach unten. Stellenweise ist es sehr sumpfig und daher extrem rutschig.

Unterhalb des Gipfelblocks des Schmittensteins sollte man schwindelfrei und trittsicher sein.

Die Höhle hatte man in der Mitte der 1920er Jahre bei einer Fuchsjagd wiederentdeckt. Sie ist ca. 130 Meter lang und liegt auf 1560 Meter Seehöhe. In zahlreichen Grabungen seit 1934 fand man viele Knochen vom Höhlenbären, aber auch Spuren von einer Reihe anderer Tierarten. Auch menschliche Werkzeuge und bearbeitete Knochen mit einem Alter über 40.000 Jahren entdeckte man, jedoch keinen Hinweis, dass in der Höhle auch Menschen gelebt hatten.

Höhlenbären Eckzahn aus der Schlenkenhöhle

Verfehlt man den Höhleneingang und klettert weiter nach unten, so kommt man nach wenigen Metern zu einer senkrechten Wand, die weit unten in eine steile Geröllhalde übergeht. Einen Sturz da hinunter würde man kaum überleben und unten war ein unbewohntes Seitental, wo kaum Menschen hinkamen. Ich aber fand den zweigeteilten nördlichen Höhleneingang auf Anhieb und stieg in die große Halle hinunter, die am Beginn wartet.

Mittagessen auf engstem Raum vor dem Südausgang der Höhle (1982)

Die Schlenkenhöhle hatte ich kennengelernt, als 1982 in der Zeitung Helfer für die Grabung in der Höhle gesucht wurden. Wiener Professoren, Studenten, Salzburger Höhlenforscher und freiwillige Helfer forschten und gruben ein oder zwei Wochen lang in der Höhle. Mühselig wurde die Ausrüstung inklusive Stromaggregat zur Höhle geschleppt.

Dann teilte man die Leute ein. Eine Gruppe, zu der auch ich gehörte, grub Schicht um Schicht in eingeteilten Quadraten ab. Man mußte dort im „Bärengang“ zum Südausgang je nach Höhe der Höhle im Hocken oder Liegen arbeiten. Die großen Knochen wurden sofort dokumentiert, die lehmige Erde in Eimern in die große Halle zum Sieben gebracht. Das erledigte die zweite Gruppe. Der Rest der Leute war für Dokumentation, Verpflegung oder Ausrüstung zuständig. Es war eine schwere aber interessante Arbeit.

Zurück zum Quartier oder zum Auto gingen wir über beide Ausgänge, je nach Lust und Laune. Zum Südausgang war eine temporäre eigene Aufstiegshilfe angelegt worden. Hier kam man sonst nur sehr schwer hinauf.

Heute aber war ich allein in der Höhle. Die Taschenlampe konnte nur eine kleine Fläche ausleuchten. Beleuchtete man den Weg, dann war der Kopf an den niedrigeren Stellen gefährdet. Es herrschte totale Stille außer dem stetigen Tropfen von Wasser in einen Topf, den die Forscher für das nächste Jahr stehengelassen hatten. Es war schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man sich vorstellte, wie hier die riesigen Bären mit einer Schulterhöhe bis zu 170 cm ihre Winterruhe verbrachten. Wenn ich mir hier drinnen in der Höhle den Fuß verstauchte oder brach, dann würde ich lange nicht gefunden werden. Die Lampe würde irgendwann erlöschen, der Hunger sich bemerkbar machen. Nur Wasser gab es genug.

Mit Tochter Andrea 1988 auf dem Gipfel des Schmittensteins

Es ging aber alles gut. An den Latschen hangelte ich mich wieder zum Grat empor und machte mich über den Schlenkengrat und den Aussichtspunkt Jagernase auf den Weg zum Auto.

und beim zweigeteilten Nordeingang der Höhle

Einige Jahre später wiederholte ich diese Bergtour mit meiner achtjährigen Tochter, die ich allerdings an den gefährlicheren Stellen sicherte. Heute ist der Zugang zur Höhle nur mit besonderer Erlaubnis der Landesregierung erlaubt und daher von mir auch nicht genauer beschrieben.

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Dorfladen

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