„SCHÄFERS ALL“ – Science-Fiction-Theater

Foto: Plakatausschnitt/ ARGEkultur

Die junge Salzburger Regisseurin Ingrid Adler inszeniert das futuristische Digital-Drama von Katharina Paul und überwacht dabei als Bordcomputer LIV das Befinden der Astronautin Schäfer, die durchs All düst. Die Uraufführung fand am 10. Jänner 2020 im ausverkauften Studio der ARGEkultur statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Kapitän Schäfer ist eine Heldin, obwohl sie das gar nicht so gerne hört. Sie hat die Erde verlassen und fliegt einer ungewissen Zukunft entgegen. Eine Rückkehr ist nicht vorgesehen. Sie ist bereit, ihr geistiges und genetisches Material zur Verfügung zu stellen, und wartet darauf, ihre tiefgefrorenen Eizellen zu befruchten, sobald sie einen neuen Planeten erreicht. Echte Menschen wird sie zwar nie wieder sehen, doch sie wird die Mutter von Tausenden von Kindern sein. Bis es so weit ist, steht ihr der Bordcomputer LIV hilfreich zur Seite. Er kontrolliert nicht nur ständig die technischen Details des Raumschiffes, sondern kümmert sich auch um die Gesundheit und geistige Verfassung der Astronautin. Als sich Anomalien einstellen, kann LIV jedoch deren Ursachen nicht ergründen. Auch das mantrische Programm „Ich bin fit und konzentriert…!“ zeigt bei Schäfer immer weniger Wirkung. Selbst die Unterhaltungen mit ihrer Kaffee trinkenden Freundin Astred vermögen sie nicht mehr aufzuheitern. Nach und nach verliert sie jedes Zeitgefühl und ihre Logbuch-Eintragungen und Mitteilungen an die Erdlinge werden immer wirrer. Langsam beginnt sie, an ihrem Verstand zu zweifeln, auch wenn ihr von ihrer Vorgesetzten ständig versichert wird: „Wir sind stolz auf sie!“ Schäfer ist zwar nach wie vor von der Notwendigkeit ihrer Mission überzeugt, doch beunruhigen sie nicht nur die ständigen Klopfgeräusche.

Das Publikum darf Sophie Hichert als Astronautin auf ihrem Flug begleiten, beneidet sie jedoch sicher nicht um diese eigenwillige Mission. Niemand will ihr sagen, wie lange sie schon unterwegs ist, und auch der seelenlose Bordcomputer (Ingrid Adler), der doch sonst alles kontrolliert, gibt darüber nur unverständliche Auskünfte. Die Wiener Videokünstlerin Resa Lut stellt auf fünf Leinwänden die Verbindung der Astronautin mit der Erde her, doch wirken sowohl ihre Vorgesetzte (wiederum Ingrid Adler) wie auch ihre Freundin Astred (Katharina Paul) immer künstlicher und verwirren damit nicht nur Kapitän Schäfer, sondern auch das Publikum. Traum und Realität, digitale und analoge Welt vermischen sich bis zur überraschenden, sehr realen, finalen Punktlandung.

Ich muss gestehen, dass ich von der digitalen Welt zwar fasziniert, doch leider etwas überfordert bin. Da ich auch um Science-Fiction-Filme und Literatur meist einen Bogen mache, war dieses Stück eine echte Herausforderung für mich, da mir das nötige Vokabular fehlte. Dank Internet bin ich jetzt etwas klüger und, wenn es meine Zeit erlaubt, werde ich mich mit Ingrid Adlers ausführlichem Programmheft (32 Seiten!) auseinandersetzen, zu finden unter www.ingridadler.at/news. Da bleiben dann sicherlich keine Fragen zur digitalen Parallelwelt mehr offen.

„SCHÄFERS ALL“ – Science-Fiction-Theater von Katharina Paul. Uraufführung. Regie: Ingrid Adler. Bühne: Resa Lut und Ingrid Adler. Videokunst und Digitales Puppenspiel: Resa Lut. Licht und Tontechnik: Marek Streit. Kamera: Marek Streit, Hannes Valtiner. Musik: Roger Egli. Kostüm: Veronika Müller-Hauszer. Auf der Bühne: Sophie Hichert, Ingrid Adler und Katharina Paul (nur Video).

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