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Kein gesprochenes Wort. In Pantomime gepresst die Artikulation der handelnden Personen. Musik von Igor Strawinsky, zum schon von jeher faszinierenden Thema: ein Pakt mit dem Teufel. Im musikalischen Spiel findet die Geschichte ihre Entsprechung. 

Mag. Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

Klar und einprägsam präsentieren sich Bühnenbild und Kostüme in Schwarz und Weiß, nur ein Hut, ein gewaltiger Hut, protzt mit roten Boa Federn, markantes Symbol für den Höllenfürsten.

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Zur Linken ist das Orchester aufgebaut – Violine, Klarinette, Fagott, Kontrabass, Trompete, Posaune und Schlagwerk, die Musiker mit schwarzer Kopfbedeckung. Im Zentrum ein weißes Quadrat, Spielfläche für öffentliche Auftritte, und zur Rechten, dem Orchester als Gegengewicht gestellt, ein Tisch. Zwei Frauen, zwei Männer.

Den Teufel gelüstet es nach der Geige des kleinen Soldaten, er tauscht sie ihm ab gegen sein Zauberbuch. Das scheinbar so verführerische Buch verhilft dem Soldaten doch keineswegs zu seinem Glück. 

Gemessene, abgezirkelte Bewegungen – wie von einer unsichtbaren Macht her gesteuert bewegen sich die Akteure mechanischen Puppen gleich im Bühnenraum. Die akkurate Kargheit hält von Beginn an eine Spannung aufrecht, die sich im heftigen Aufruhr der Schlussszenen, im Kampf zwischen Gut und Böse auflöst.

Das allein auf Pantomime reduzierte Spiel fordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers und fördert seine Phantasie, macht ihn frei für einen verschlüsselten Inhalt: Der Mensch kann am falschen Ort nicht lange leben. Die Geige des heimkehrenden Soldaten, der seine Seele dem Teufel verschreibt, weiß es besser, verweigert sich dem Spiel. Aufgezwungene, vertauschte Rollen brechen früher oder später in sich zusammen.

Igor Strawinsky, 1882 in Russland geboren, in New York gestorben, ist bekannt für seine Musik rhythmischer Motorik, wie auch für seinen Einfluss auf die neue Musik. Charles Ferdinand Ramuz schrieb das Libretto zu dem aus dem Russischen stammenden Volksmärchenmotiv.

Die Inszenierung im Schauspielhaus verzichtet auf die erklärenden, erzählenden Texte und gibt damit dem ursprünglichen Stoff eine dichte, kompakte Fassung, die hohe Eigenständigkeit besitzt.

Große Anerkennung für die Leistung der Mimen, dem Orchester und den Mut zur Reduktion.

Eine Aufführung gleichsam maßgeschneidert für das Schauspielhaus.

Die Geschichte vom Soldaten | Musik: Igor Strawinsky, Libretto: Charles Ferdinand Ramuz | MIT: FLORIAN EISNER, DANIELA ENZI, CHRISTOPH KAIL, AGNIESZKA WELLENGER | BÜHNENMUSIK: NATHALIE CHEE, FERDINAND STEINER, PHILIPP TUTZER, NADIA PERATHONER, MARTIN BÜRGSCHWENDTER, WOLGANG NAVRATIL, MARKUS PRONEBNER, BERNHARD JAUCH, ANDREAS STEINER | MUSIKALISCHE GESAMTLEITUNG: PETER WESENAUER | REGIE: ARTURAS VALDSKIS | AUSSTATTUNG: ARTURAS VALDSKIS, REDA-MARIJA RICHTER | Fotos: Eva-maria Griese/ Schauspielhaus