Lichtmess – Feiertag, Zahltag und Lostag

Lichter in der Stille Nacht Kapelle Oberndorf

Lichter in der Stille Nacht Kapelle Oberndorf | Foto: Karl Traintinger| Dorfbild.com

Am 2. Februar werden in den katholischen Kirchen die Kerzen für die Gottesdienste geweiht. Daher erhielt dieser Tag die Bezeichnung Lichtmess. Lichtmess war jedoch nicht nur ein kirchlicher Feiertag. Dieser Tag war auch ein bedeutender Zinstag, ein Termin für die Abgabe von Steuern, der Tag, an dem Knechte und Mägde ihren Dienstherren wechselten und ein Lostag für das Wetter der folgenden Wochen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Lichtmess war aus zwei Gründen ein wichtiges Datum. Mit Lichtmess endete früher die Weihnachtszeit und es war der Tag, an dem das Bauernjahr begann. Am 2. Februar war es Knechten und Mägden möglich, ihren Dienstherren zu wechseln. Bestimmungen zur Anstellung und zum Dienstwechsel von Mägden, Knechten und Dienstboten an Lichtmess finden sich in vielen mittelalterlichen Rechtsbüchern und Stadtrechten. So zum Beispiel im Memminger Stadtrecht von 1396: es soll auch niemand hier zu Memmingen eine Magd dingen, denn an unser Frauen Tag zu Lichtmess. Zu Lichtmess konnten jedoch nicht nur die Dienstboten entscheiden, ob sie den Herrn wechselten. Auch die Dienstherren hatten an diesem Tag das Recht, ihre Bediensteten zu kündigen und die Dienstboten, Pächter oder Bauern von ihren Ländereien zu weisen. So ist im Schwabenspiegel, einem mittelalterlichen Rechtsbuch, zu lesen: will der Herr den Bauersmann weisen von seinem Gut, das soll er tun zu unser Frauen Lichtmesstag.

Lichtmess war aber auch ein wichtiges Datum für die Erbringungen von Abgaben, Steuern und Pachtzinsen. Die Steuern und Abgaben, die an diesem Tag dem Landesherrn zu entrichten waren, wurden als Lichtmessgeld oder Lichtmesssteuer bezeichnet. Die Abgaben wurden jedoch nicht nur in Münzen erbracht, sondern auch in Naturalien, wie zum Beispiel eine Bestimmung aus dem 15. Jahrhundert in Schwaben belegt. Dort waren die Bauern verpflichtet zu Lichtmess drei Hühner abzuliefern. Diese Abgabe wurde Lichtmesshennen genannt.

Ebenso mussten mancherorts Lichtmessscharwerke erbracht werden. Das Wort Scharwerk ist eine Zusammenfügung aus Schar „Gruppe, größere Anzahl von Menschen“ und Werk „Arbeit, Tätigkeit“. Scharwerke waren Arbeiten, die Bauern und Untertanen in Gruppen gemeinsam für ihre Herren unentgeltlich leisten mussten. Ein anderes Wort dafür war Frondienst. Welcher Art diese Arbeiten waren, wurden von den Landesherren, Fürsten und deren Beamten festgelegt. Der Bogen spannte sich vom Zäune errichten über Botendienste erledigen bis hin zu Wald- und Feldarbeiten und ähnlichen Diensten.

Und schließlich ist Lichtmess ein Lostag für das Wetter der folgenden Wochen. Die Regel lautet: Wenn es zu Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit. Ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell. Oder: Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.

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Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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