Fastnacht, Fasching und Karneval

Faschingsumzug

Faschingsumzug Lamprechtshausen Februar 2001 | Foto: Karl Traintinger| Dorfbild.com

Im deutschen Sprachraum stehen uns für die Benennung der Vorfastenzeit drei Wörter zur Verfügung: Fastnacht, Fasching und Karneval. Alle drei Wörter beziehen sich in ihrer ursprünglichen Bedeutung nicht auf das lustige Treiben der Vorfastenzeit, sondern ausschließlich auf den Tag vor Aschermittwoch.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Die Wörter Fastnacht und Fasching sind im Deutschen seit dem 13. Jahrhundert belegt. Mit dem mittelhochdeutschen Wort vaste wurde im Mittelalter das Fasten im Allgemeinen bezeichnet, aber auch die Fastenzeit. Die mittelhochdeutsche vastenaht oder faschenaht war daher „die Nacht vor der Faste, die Nacht vor der Fastenzeit, die Nacht vor dem Aschermittwoch“. In Österreich und Bayern findet sich zeitgleich neben vastenaht auch das Wort vaschang, das vermutlich aus einer Zusammenfügung von Faste und Gang entstanden ist und im weiteren Zeitverlauf in der Umgangssprache zu Fasching wurde.

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Das Wort Karneval kam erst im 17. Jahrhundert aus dem Italienischen ins Deutsche. Ebenso wie Fastnacht bezeichnete das italienische Carnevale ursprünglich nur den Tag vor Beginn der Fastenzeit. Carnevale geht zurück auf einen mittellateinischen Ausdruck, der sich in einer Mönchsregel aus dem 8. Jahrhundert findet: de carne levare ieiunium „das Fasten, die Enthaltsamkeit (ieiunium) vom Fleisch (carne) aufnehmen (levare)“ oder „das Fasten, die Enthaltsamkeit vom Fleisch beginnen“. Dieser Ausdruck wurde in den italienischen Dialekten des 10.-13. Jahrhunderts gekürzt und zusammengefügt zu carnelevare, später carnelevale und entwickelte sich so zum heutigen Carnevale. Als das Wissen um die ursprüngliche Formulierung mit der Zeit verlorenging, wurde das Wort im Volksmund umgedeutet zu carne vale „Fleisch, leb wohl!“.

Gemeinsam ist allen drei Wörtern die ursprünglich ausschließliche Verwendung für den Tag oder die Nacht vor Beginn der Fastenzeit. Erst nach und nach wurden Fastnacht, Fasching und Karneval für die Benennung eines längeren Zeitraums verwendet. Fastnacht, Fasching und Karneval bezeichnen heute die Zeit zwischen 6. Jänner und Aschermittwoch und sind synonym für ausgelassenes, närrisches Treiben, Kostümfeste und Maskenbälle.

Wie weit sich Fastnacht von der ursprünglichen Bedeutung entfernt hat, ist auch an dem Wort Weiberfastnacht erkennbar. Die Weiberfastnacht findet in Deutschland am Donnerstag vor dem Aschermittwoch statt. Dieser Brauch entstand im 19. Jahrhundert in dem Ort Beuel, der heute der Stadt Bonn eingegliedert ist. Beuel war der Sitz zahlreicher Wäschereien, in denen die Wäsche aus den umliegenden Städten und auch aus Köln gewaschen wurde. In der Karnevalszeit lieferten die Männer am Donnerstag vor Aschermittwoch die gewaschene Wäsche nach Köln und blieben dann gleich mehrere Tage dort, um am lustigen Treiben teilzunehmen. Dies veranlasste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die zuhause gebliebenen Wäscherinnen einen eigenen Festumzug zu veranstalten und eine Karnevalssitzung abzuhalten, an der nur Frauen teilnehmen durften. Daraus entwickelte sich die heute bekannte Weiberfastnacht mit dem Sturm auf das Rathaus und der symbolischen Übernahme der Macht durch die Frauen.


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