„Romeo und Julia“ – Eine Liebe, die nie altert

Der Ballettchef des Salzburger Landestheaters, Reginaldo Oliveira, hat der wohl romantischten Liebesgeschichte der Weltliteratur neues Leben eingehaucht. Der Ballettklassiker von Sergej Prokofjew verzauberte das Premierenpublikum am 22. Februar 2020 mit genialer Musik, überwältigend schönen Bildern und tänzerischen Höchstleistungen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Romeo und seine Freunde haben gerne Spaß und treiben sich übermütig in den Straßen Veronas herum. Die arroganten Capulets sind für sie eine Provokation und so geraten sie ständig in Streit. Als sie von einem Maskenball in deren Schloss erfahren, schleichen sie sich als Partycrasher ein. Die jungen Damen der feinen Gesellschaft sind von den munteren Knaben schwer begeistert.

Romeo hat jedoch nur Augen für die schöne Julia und folgt ihr in den Garten. Die Eindringlinge werden bald schon als Montagues entlarvt und vertrieben, aber Romeo und Julia lassen sich nicht so leicht trennen. Als Romeo jedoch Julias Cousin Tybalt tötet, schaut es für die jungen Liebenden gar nicht mehr rosig aus. Julia weigert sich vergeblich, den feinen Prinzen Paris zu heiraten, und so kommt ein verhängnisvolles Giftfläschchen zum Einsatz. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Die flotten Montagues in ihren kessen Jeans und heißen Hotpants erinnern mit temperamentvollen und aggressiven Bewegungen an die Straßengangs aus „West Side Story“. Die Capulets hingegen wirken in ihren prachtvollen Kleidern und edlen Gehröcken steif und distanziert (Kostüme: Judith Adam).

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Am Premierenabend tanzten Márcia Jaqueline als Julia und Flavio Salamanka als Romeo und überzeugten nicht nur als grandiose Tänzer, sondern auch als Schauspieler mit enormer Ausdruckskraft.

Aus dem fröhlichen, unbeschwerten Mädchen wird durch die Liebe zu Romeo eine starke Frau, die um ihre Freiheit kämpft. Leicht hat sie es nicht mit ihrer Familie, denn die strenge Mutter (Harriet Mills) und der farblose Vater (Paulo Muniz) fordern vehement Julias Hochzeit mit Prinz Paris (Klevis Neza) ein. Nur die Amme (Larissa Mota) hat Mitleid mit dem armen Kind, auch wenn ihre List mit dem ganz speziellen Gift leider schiefgeht. Romeos Freunde Mercutio (Iure de Castro) und Benvolio (Diego da Cunha) strotzen nur so vor Energie und so ist es kein Wunder, dass es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Capulets kommt. Ein Wiedersehen gibt es mit Ballettmeister Alexander Korobko in der Rolle des finsteren Tybalt, der von Romeo niedergestochen wird.

Reginaldo Oliveira hält sich im ersten Akt ziemlich genau an Shakespeares Vorlage. Im zweiten Teil kommt er jedoch ohne Pater Lorenzo aus und das macht die Geschichte besonders intim. Spektakuläre Bilder liefert der schief liegende Renaissance-Palast, den Sebastian Hannak auf die Bühne gelegt hat. Zum tragischen Finale wird dieser zur grauen Ruine, durch die die verzweifelten Liebenden irren, bis sie in der Familiengruft gemeinsam den Tod finden.

Ein opulenter Ballettabend in wundervoller Kulisse und Kostümen, der mit einer perfekten Mischung aus klassischem und modernem Tanz besticht, mit viel Witz im Detail unterhält und mit mitreißenden Ensembleszenen begeistert.

Romeo und Julia“ – Ballett von Reginaldo Oliveira nach William Shakespeare. Musik von Sergej Prokofjew. Szenische Konzeption und Choreographie: Reginaldo Oliveira. Bühne: Sebastian Hannak. Kostüme: Judith Adam. Dramaturgie: Maren Zimmermann. Mit: Flavio Salamanka, Iure de Castro, Klevis Neza, Márcia Jaqueline, Harriet Mills, Mikino Karube, Larissa Mota, Chigusa Fujiyoshi, Paulo Muniz, Cassiano Rodrigues, Lucas Leonardo, Diego da Cunha, Niccoló Masini, Alexander Korobko, Karine de Matos, Valbona Bushkola, Cara Hopkins, Héctor Ortega González. Fotos: Anna-Maria Löfflberger und Admyll Kuyler

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Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
Geb. 1946 in Salzburg,1964 Matura im Realgymnasium. Abiturientenlehrgang HAK. 2000 Ausbildung zur ehrenamtlichen Bibliothekarin und seither in der öffentlichen Bibliothek Hallwang tätig. “Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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