Ein unnötiger, aber sinnvoller Streit.

Leo Fellinger/ Kunstbox Seekirchen

Fotos: Leo Fellinger/ Kunstbox Seekirchen

Mitten im Corona-Ausnahmezustand ist eine Auseinandersetzung entbrannt zwischen Kulturverein Kunstbox Seekirchen und dem Regionalverband Salzburger Seenland.

Von Leo Fellinger

Anlass war eine Anzeige der BioHeuRegion in den Salzburger Nachrichten, in der Dr. Gerhard Pausch, Energie-Koordinator im Regionalverband als Initiator der Seenland Repair Cafés bezeichnet wurde. Etwas, das den Kulturverein Kunstbox, der das Projekt eigentlich vor 5 Jahren initiiert hatte, schon seit langem stört. Mehrmals wurde der Regionalverband auch darauf hingewiesen, ohne Erfolg. Nun, nach dieser Anzeige, machte der Kulturverein seinem Ärger öffentlich Luft mit einem Leserbrief und einer Veröffentlichung auf der Kunstbox-Facebook-Seite. Der Sachverhalt in verkürzter Form:

Im August und September 2014 entwickelte der Kulturverein die Idee der Schaffung eines Reparaturnetzwerks im Salzburger Seeland als Teil des Kunstbox-Jahresschwerpunkts “Die Kunst zu teilen”. Am 5. Oktober 2014 erfolgte die Registrierung des “Repair Cafe Seeland” beim Rechte-Inhaber in Holland durch Kulturverein Kunstbox. Damit wurde der Verein Mitglied im weltweiten Netzwerk. Im Dezember 2014 erfolgte eine erste Kontaktaufnahme mit dem Regionalverband, der nach der Erstdurchführung und erfolgreichen Implementierung des Projekts das Repair Café als fixe Einrichtung des Seelandes übernehmen sollte. Der Regionalverband stand der Idee positiv gegenüber. Gespräche folgten. Im Mai 2015 registrierte der Kulturverein die Domain www.repaircafeseenland.at, baute eine eigenen Website dazu auf und ging damit online. Ehrenamtliche Reparateure wurden gesucht. Am 19. Juni 2015 erfolgte die offizielle Zusage des Regionalverbands zum vorliegenden Konzept Repair Cafe Seeland des Kulturvereins Kunstbox und auch die Bestätigung der Teilnahme des Regionalverbands als Partner. In dem Schreiben wurde auch erstmals der zukünftige Repair-Café-Koordinator Dr. Gerhard Pausch ins Spiel gebracht.

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Am 19. September 2015 erfolgte die Durchführung des ersten Repair Cafés im Salzburger Seeland im Kulturhaus Emailwerk Seekirchen. Umsetzung und Personal: Kulturverein Kunstbox, Beobachter: Gerhard Pausch, Regionalverband. Im April 2016 werden alle Unterlagen, Website usw. an den Regionalverband übergeben. Ab dann tourt – wie im Ursprungskonzept vorgesehen – die Einrichtung höchst erfolgreich durch das Salzburger Seenland.

Alles gut, möchte man meinen. Die Meinung des Regionalverbands deckt sich leider nicht mit der von Kunstbox. Ihre Darstellung: “Die Idee Repair Cafés zu veranstalten hatten Kunstbox und Regionalverband ziemlich gleichzeitig und man hat sich im Lauf der jeweiligen Vorbereitungen zufällig kennen gelernt und ist überein gekommen, den ersten Termin gemeinsam durchzuführen. In den letzten fünf Jahren haben die Mitgliedsgemeinden des Regionalverbands, die freiwilligen Reparateure und nicht die Kunstbox die Seenland Repair Cafés zu dem gemacht, was sie jetzt sind und dafür wurde ihnen auch der Regionalitätspreis 2017 verliehen. Es findet sich auch nach wie vor das Logo der Kunstbox auf der Homepage der Seenland Repair Cafés und das sollte reichen, um auf eine gemeinsame Idee von vor fünf Jahren hinzuweisen…”

Damit können die Verantwortlichen des Kulturvereins Kunstbox leider nicht leben, da es nicht den Tatsachen entspricht. Kunstbox ist ein lokal, regional und überregional agierender Kulturverein. Dieser versteht sich nicht nur als lebendiges Zentrum zeitgenössischer Kultur, als Spiel- und Produktionsstätte für freie KünstlerInnen, sondern auch als Schmelztiegel aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Zu unseren Zielen zählt daher auch, diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen und eigenständig Initiativen zu entwickeln, die einerseits Strömungen sichtbar machen, aber anderseits auch etwas Konkretes beitragen zum gesellschaftlichen Leben. In diesem Sinne haben wir auch die Initiierung des Seeland Repair Cafés verstanden. Und selbstverständlich legen wir solche Initiativen so an, dass sie nicht nur gedacht, konzipiert, initiiert und implementiert werden, sondern auch weiterhin wirken. Um öffentlichen Nutzen zu erzeugen. Und selbstverständlich sind wir darauf angewiesen, dass solche Initiativen sichtbar werden als konkrete Ergebnisse unserer Arbeit. Wenn nun eine andere Organisation diese Ergebnisse – und besonders die initiale Aktivität – für sich beansprucht, stellen wir die Dinge öffentlich richtig. Und das ist es, was wir beabsichtigen, eine Richtigstellung. Nichts anderes. Deckt sich zu 100% mit den Vereinszielen. Gutes und Richtiges zu tun für die Region, in der wir wirken und leben.

Zusammengefasst: Eigentlich ein völlig überflüssiger Streit, wäre man sich in jeder Hinsicht partnerschaftlich begegnet. Denn es braucht beides: die Initialzündung und die Systemerhaltung – nur wenn beides exzellent ist, kommt was Gutes dabei heraus. Wenn jeder sich zu seinem Teil, seiner Rolle bekennt. Dem Kulturverein Kunstbox geht es auch nicht darum, bei jeder sich bietenden Möglichkeit namentlich erwähnt zu werden, nein. Der Ärger entstand vor allem dadurch, dass sich der Regionalverband immer als “Initiator” bezeichnete. Eine “Initiative” ist laut Definition der erste Schritt zu einer Handlung und kommt aus dem Lateinischen – initiare “den Anfang machen, einführen, einweihen”; zu initium “Anfang”. Und den Anfand machte der Kulturverein Kunstbox, wie die obenstehende (beleg- und belastbare) Chronologie beweist. Einfach schade, dass man nicht bei der ersten inhaltlichen Definition – nachzulesen im Pressetextes 2015 – geblieben ist:

“Am Samstag, den 19. September 2015 fand auf Initiative des Kulturvereins Kunstbox das erste Repair Café im Salzburger Seenland statt. Mit von der Partie der Regionalverband Salzburger Seenland, der aus dieser gelungenen Premiere eine erfolgreiche Serie gestalten wird.” 

Alle wären zufrieden. Schade. Ein unnötiger Streit.

Kulturverein KunstBox
Anton-Windhager-Straße 7
A-5201 Seekirchen

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