Kraut – Nutzpflanze, Arznei und Gewürz

Weißkraut, Blaukraut| Foto: Karl Traintinger| Dorfbild.com

Das Wort Kraut war ursprünglich eine allgemeine Bezeichnung für kleinere grüne Blätterpflanzen, die für Mensch und Vieh essbar sind. Im Gegensatz dazu wurden unbrauchbare grüne Blätterpflanzen als Unkraut bezeichnet.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Kraut ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und war in althochdeutscher Zeit eine allgemeine Bezeichnung für kleinere grüne Blätterpflanzen, die essbar sind. Mit dem althochdeutschen Wort krūt wurde Gemüse, im speziellen Gemüsekohl und Kopfsalat, Gras, Würz- und Heilkräuter bezeichnet. Das Wort krūt wurde jedoch nicht nur für die gesamte Pflanze verwendet, sondern konnte auch nur die grünen Blätter und Stängel von Nutzpflanzen bezeichnen. In mittelhochdeutscher Zeit hatte krût die Bedeutung „Gemüse, Kraut, Kräuter“. Das krûtbette war ein Gemüsebeet, der krûtgarte ein Gemüsegarten, der krûttisch der Gemüsestand am Markt.

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Unser heutiges Wort Gemüse begegnet erst im 15. Jahrhundert und ist eine Kollektivbildung zu Mus „Brei, zerkleinerte Nahrung“. Kollektivbildungen sind Sammelbezeichnungen für eine Gruppe von Elementen mit gleichen oder ähnlichen Merkmalen oder Eigenschaften, wie beispielsweise Gestüt zu Stute, Gebüsch zu Busch oder Gebirge zu Berg. Das Wort Mus hatte ursprünglich die Bedeutung „Speise, Essen“ im Allgemeinen. Diese allgemeine Bedeutung wurde mit der Zeit auf „Brei, zerkleinerte Nahrung“ eingeengt. Für das Wort Gemüse entwickelte sich daraus die heutige Bedeutung „pflanzliche Nahrung, essbare Pflanzen“.

Die Bedeutungsentwicklung des Wortes Gemüse bewirkte eine Änderung im Gebrauch des Wortes Kraut. Im heutigen Sprachgebrauch hat sich die alte Verwendung von Kraut bei den Bezeichnungen Weißkraut, Blaukraut und Rotkraut erhalten. Auch wird das verarbeitete Weißkraut, das Sauerkraut, häufig nur kurz Kraut genannt.

Mit Kraut wurden jedoch nicht nur essbare Nutzpflanzen bezeichnet, sondern auch Pflanzen, die zur Behandlung von Krankheiten geeignet waren. Diese alte Verwendung von Kraut hat sich bis heute erhalten, wird jedoch zumeist mit dem Wort Heilkraut oder Heilkräuter näher spezifiziert. Für diese Kräuter wurden früher in den katholischen Kirchen jedes Jahr am 15. August zu Mariä Himmelfahrt eigene Messen gehalten, in denen die Kräuter geweiht wurden. Diese Messen wurden Krautmesse genannt, die Weihe der Kräuter Krautweihe oder Wurzweihe.

Das Wort Kraut stand aber auch für Gewürz, wie zum Beispiel im Wort Küchenkräuter. Und auch bei Gartenkräutern handelt es sich heute nicht um Kohl oder Gemüse, sondern um Kräuter, die zum Würzen oder für Heilzwecke geeignet sind.

Rund um Kraut haben sich auch umgangssprachliche Redewendungen erhalten. Der Ausdruck etwas schießt ins Kraut „etwas nimmt rasch zu, etwas nimmt überhand“ bezog sich ursprünglich auf Pflanzen, wie zum Beispiel Kartoffeln, die zu viele Blätter austrieben und dadurch nur kleine Knollen oder Früchte hatten. Zum gekochten Kraut wurde früher Schmalz hinzugegeben, damit das Essen fetter wurde. Daraus entstand die Redewendung das macht das Kraut fett mit der Bedeutung „das hilft, das macht es besser“. Von diesem Ausdruck leitet sich die heutige Redewendung das macht das Kraut auch nicht fett ab mit der Bedeutung„das nützt auch nichts, das hilft nicht viel“.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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