Ostern – Ein christliches Fest mit vorchristlichem Namen

Weichselbaumblüte

Weichselbaumblüte | Foto: Karl Traintinger| Dorfbild.com

Das Fest zur Auferstehung Christi trägt im Deutschen den Namen Ostern und im Englischen den Namen Easter. Dieser Name ist insofern auffällig, da er nur in diesen beiden Sprachen verwendet wird.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

In vielen europäischen Sprachen wird das Fest zur Auferstehung Christi mit Namen bezeichnet, die sich von dem hebräischen Wort pésach ableiten. So zum Beispiel lateinisch pascha, italienisch Pasqua, französisch Pâques, schwedisch Påsk, norwegisch Påske, dänisch Påske. Da die Kreuzigung und Auferstehung Christi zur Zeit des jüdischen Pessah-Festes stattfand, haben die frühen Christen diese Bezeichnung für ihr eigenes Fest übernommen und im christlichen Sinne umgedeutet.

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Im Englischen und Deutschen hingegen trägt dieses Fest einen anderen Namen: Easter im Englischen und Ostern im Deutschen. Die Gründe, warum dieser Namen nur in diesen beiden Sprachen verwendet wird und nicht auch in anderen germanischen Sprachen, sind nicht endgültig geklärt. Von den verschiedenen Erklärungsversuchen erscheint jene Annahme am plausibelsten, die für den Namen Ostern eine Entlehnung aus dem Angelsächsischen annimmt.

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Der älteste Beleg findet sich in den Schriften des angelsächsischen Benediktinermönchs und Gelehrten Beda Venerabilis (ca. 672-735 n. Chr.). Nach Beda habe der Eosturmonath „Ostermonat“ seinen Namen von der Göttin Eostre, der zu Ehren im April Feste gefeiert wurden. Dieser alte Name sei beibehalten worden, auch wenn nun in diesem Monat das christliche Fest der Auferstehung gefeiert werde. Eostre könnte der Name einer angelsächsischen Frühlingsgöttin gewesen sein, aber auch eine Bezeichnung für den Tagesanbruch im Osten – altenglisch éast. Nach christlicher Lehre fand die Auferstehung Christi zur Zeit des Tagesanbruchs statt. Daher könnte die angelsächsische Benennung des Festes auch nach dem angenommenen Zeitpunkt der Auferstehung erfolgt sein. Aufgrund der Textstelle bei Beda wurde lange Zeit vermutet, es könnte als Entsprechung für die Göttin Eostre eine althochdeutsche Göttin Ostara gegeben haben. Da es jedoch für eine Göttin Ostara bis heute keine Belege gibt, ist diese Annahme sehr zweifelhaft.

Weite Teile des deutschen Sprachraums wurden im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr. von angelsächsischen Mönchen und Priestern christianisiert. Mit dem Christentum gelangten viele neue Begriffe und Wörter in die Sprachen der missionierten Völker. Es ist daher denkbar, dass die zum Christentum Bekehrten von den angelsächsischen Missionaren, gemeinsam mit den vielen anderen neuen Wörtern des Christentums, auch die Bezeichnung für das Fest der Auferstehung übernommen haben. So wird bereits im ältesten Sprachdenkmal der deutschen Sprache, dem Abrogans aus dem 8. Jahrhundert, das lateinische Wort pascha „Ostern“ mit Ostarun übersetzt.

Auch am Hof und an der Hofschule Karls d. Großen (ca. 747-814 n. Chr.) hatten viele angelsächsische Gelehrte einflussreiche Positionen inne. Als Karl in seinem Reich die lateinischen Monatsnamen durch deutsche Namen ersetzte, wurde der lateinische Monatsname Aprilis in den althochdeutschen Namen Ostarmanoth „Ostermonat“ geändert, da das Osterfest meistens im April stattfindet. Auch bei dieser Benennung kann von einem Einfluss der angelsächsischen Gelehrten ausgegangen werden.

Fixer Bestandteil von Ostern sind die Ostereier. Mit dem Wort Osterei wurde zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert eine Naturalabgabe bezeichnet, die zu Ostern den Pfarrern, Küstern, Lehrmeistern oder auch Schulmeistern abzuliefern war. In manchen Teilen Deutschlands wurde diese Abgabe auch Gründonnerstagseier genannt, weil der Abgabetermin der Gründonnerstag war. Als Geschenk für die Kinder am Ostersonntag finden sich die Ostereier erst ab dem 17. Jahrhundert.

Neben Eiern mussten zu Ostern auch andere Naturalabgaben abgeliefert werden. Diese Abgaben wurden nach dem Termin, an dem sie fällig waren, benannt, wie zum Beispiel Osterkalb, Osterlamm, Osterhuhn, Osterkäse, Osterlaib oder Osterfladen. Und schließlich konnten zu Ostern auch Geldabgaben fällig sein, die Ostersteuer, Osterzehnt oder auch Ostergeld genannt wurden.

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Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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