Von Caesar zu Kaiser – Ein Name wird Herrschertitel

julis_caesarBild von Rudy and Peter Skitterians auf Pixabay

Die Spuren von Gaius Iulius Caesar finden sich nicht nur in der Weltgeschichte, sondern auch in den Sprachen. Sein Name wurde zu einem Herrschertitel, zu einem Synonym für Despotismus und zu einem sprachlichen Merkmal von Außergewöhnlichem.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Kaiser geht zurück auf den römischen Feldherrn und Staatsmann Gaius Iulius Caesar (100-44 v. Chr.). Nach dessen Ermordung durch römische Senatoren entschied sein Großneffe und Nachfolger Octavian (63 v. Chr.-14 n. Chr.), im Andenken an seinen Onkel, den Namen Caesar als Titel zu führen. In die Geschichte ist Octavian mit seinem Ehrentitel Augustus „der Erhabene, Ehrwürdige“ eingegangen. Die nachfolgenden römischen Kaiser übernahmen beide Titel, sodass der offizielle Titel des Herrschers im römischen Reich nun Caesar Augustus war. Unter Hadrian (76-138 n. Chr.) wurde Caesar Augustus der Titel des regierenden Kaisers und Caesar der Titel des Thronfolgers. Seit Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. war Caesar die Amtsbezeichnung der beiden Unterkaiser. ___STEADY_PAYWALL___

Schon sehr früh wurde der Titel Caesar in die germanischen Sprachen entlehnt. Über das Gotische fand der Titel seinen Weg ins Russische, wo er zu Zar verkürzt wurde. Im weiteren Zeitverlauf hat sich Kaiser nur im deutschsprachigen Raum als Titel des obersten Herrschers einer Monarchie erhalten. In den romanischen Sprachen und im Englischen wurde der lateinische Titel imperator „oberster Befehlshaber, Herrscher“ mit der Bedeutung „Kaiser“ weiterverwendet. So wurde aus lateinisch imperator im Französischen empereur, im Italienischen imperatore, im Spanischen emperador und im Englischen emperor.

Die machtpolitischen Bestrebungen Caesars und das Missfallen seiner Zeitgenossen daran, machte seinen Namen auch zu einem Synonym für Despotismus. So stehen die Worte Cäsarismus bis heute für „despotische Staatsgewalt“ und Cäsarenherrschaft und Cäsarentum für „diktatorische Herrschaft“.

Während der Habsburgermonarchie wurde das Wort Kaiser in Zusammensetzungen zu einer beliebten Markierung von Außergewöhnlichem, Besonderem, des Besten oder Größten, wie beispielsweise Kaiserwetter, Kaiseradler, Kaisersemmel, Kaiserfleisch oder Kaiserschmarrn. In Salzburg erinnerte 225 Jahre lang die Kaiserbuche an Kaiser Joseph II. (1741-1790), die 1779 anlässlich seines Besuches gepflanzt wurde und 2004 einem Sturm zum Opfer fiel.

Eine andere Geschichte liegt dem Wort Kaiserschnitt zugrunde. Dieses Wort geht zurück auf eine Etymologie des römischen Gelehrten Plinius d. Ä. (ca. 24-79 n. Chr.), der schrieb, der Name Caesar würde sich von lateinisch caedere „(heraus)hauen, aufschneiden“ ableiten, weil der erste Träger dieses Namens aus dem Mutterleib herausgeschnitten worden wäre. Aufgrund dieser Etymologie wurde diese Operation sectio caesarea „cäsarischer Schnitt“ genannt, woraus in der deutschen Übersetzung Kaiserschnitt wurde. Im Mittelalter bezeichnete sectio caesarea eine operative Entbindung, bei der den Frauen, die vor oder während der Geburt starben, das Kind aus dem Leib geschnitten wurde, um es zu retten oder beide getrennt begraben zu können. Als Entbindungsoperation im heutigen Sinne wurde der Kaiserschnitt erstmals um 1500 durchgeführt.

Im Französischen und Italienischen blieb Caesar ein Eigenname, wurde jedoch zu einem männlichen Vornamen umgewandelt – im Französischen zu César und im Italienischen zu Cesare. In Verbindung mit dem Familiennamen Borgia erhielt der Name Cesare wieder eine machtpolitische Färbung. Cesare Borgia (1475-1507), Sohn von Papst Alexander VI. (1431-1503), war ein skrupelloser Renaissancefürst. Er war das Vorbild von Niccolò Machiavelli’s (1469-1527) Werk Il Principe: der ehrgeizige, skrupel- und gewissenlose Fürst, der sich jeden Mittels – auch dem des Verbrechens – bedient, um seine Ziele zu verwirklichen. Mit Il Principe machte sich Machiavelli einen Namen als Staatstheoretiker. Im heutigen Sprachgebrauch begegnet er uns im Wort Machiavellismus, das eine politische Praxis bezeichnet, bei der Machtpolitik mit allen Mitteln – ohne Rücksicht auf moralische Werte – praktiziert wird.

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