Pfingsten – Der 50. Tag nach Ostern

Pfingstrose

Pfingstrose | Foto: Karl Traintinger| Dorfbild.com

Das Wort Pfingsten leitet sich ab von griechisch pentēkostē hēméra „fünfzigster Tag“. Am 50. Tag nach Ostern überkam die Apostel und Jünger Jesu der Heilige Geist und sie begannen „in fremden Sprachen zu reden“, wie die Apostelgeschichte berichtet. Dieses Ereignis war der Beginn der christlichen Mission.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Die Bezeichnung pentēkostē hēméra wurde zum Namen des Festes, das jährlich in Erinnerung an das Ereignis, das auch als Pfingstwunder bekannt ist, stattfindet. Im Sprachgebrauch wurde pentēkostē hēméra „fünfzigster Tag“ zu pentēkostē „fünfzigster“ gekürzt. Kürzungen dieser Art sind auch heute in unserem Sprachgebrauch üblich. So sagen wir beispielsweise er feiert seinen Fünfzigsten oder Fünfziger und meinen „er feiert seinen fünfzigsten Geburtstag“. Oder wir sagen sie feiert ihr Zwanzigstes und meinen „sie feiert ihr zwanzigstes Dienstjubiläum“.

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Die griechische Bezeichnung für das Fest wurde bereits in althochdeutscher Zeit übernommen – jedoch mit einigen Änderungen. Der erste Wortteil pénte „fünf“ wurde mit althochdeutsch fimf „fünf“ übersetzt, der zweite Wortteil -kostē in die althochdeutsche Schreibung -chusti übertragen, wobei die Schreibung -ch- den Laut [k] symbolisiert. So entstand das althochdeutsche Wort fimfchusti. Im Mittelhochdeutschen wurde fimfchusti zu pfingsten umgewandelt. Der erste Wortteil fimf- wurde zu pfin- und -chusti wurde zu -gsten zusammengezogen. Daraus ergab sich dann unser heutiges Wort Pfingsten.

Pfingsten war und ist jedoch nicht nur ein kirchliches Fest, sondern auch ein weltliches. Ein beliebtes Volksfest ist das Pfingstbier. Veranstalter dieses Festes waren in den Städten die Zünfte und am Land die Gemeinden. Den Kirchenvertretern war das Pfingstbier häufig ein Dorn im Auge, da diese Feste gerne in Saufgelage endeten. So wird im Jahr 1590 berichtet, in Sachsen würden die Bauern ihre Kirchen als Bierkeller für das Pfingstbier missbrauchen, damit es kühl bleibe und es gleich dort mit Gotteslästerung und Fluchen saufen.

Zu Pfingsten wurden die Gemeindeweiden für das Vieh geöffnet. Daher hießen diese Weiden auch Pfingstweide oder Pfingstanger. Geschmückte Kühe, Pferde und mancherorts sogar Hunde und Gänse wurden in feierlicher Prozession auf die Weiden geführt. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem mit Kränzen und Girlanden geschmückten Ochsen. In einigen Gegenden trugen die Ochsen nicht nur Kränze und Girlanden, sondern auch Perücken, Tücher und Bänder. Dieser Ochse wurde Pfingstochse genannt. Am Ende der Prozession wurde der Pfingstochse geschlachtet, gebraten und bei einem gemeinsamen Fest verspeist. Dieser Brauch geht zurück auf alte Opferrituale zu den Frühjahrsfeiern.

Der Pfingstochse begegnet uns auch in den Redewendungen aufgeputzt wie ein Pfingstochse, aufgedonnert wie ein Pfingstochse für „übermäßig und geschmacklos geschmückt“. Diese Redewendung wurde noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem auf Frauen angewendet. Den Pfingstumzügen ging eine junge Frau voran, die festlich geschmückt war und Pfingstbraut genannt wurde. Offenbar wurde bei der Schmückung der Pfingstbraut gelegentlich etwas übertrieben, wodurch die Redewendung aufgeputzt wie eine Pfingstbraut entstand. Im Sprachgebrauch wurde dann das Wort Pfingstbraut durch Pfingstochse ersetzt. Vermutlich weil der Pfingstochse noch auffälliger geschmückt war als die Pfingstbraut. So konnte im allgemeinen Sprachgebrauch gesagt werden sie sitzt aufgeputzt wie ein Pfingstochse da, wenn eine Frau auffällig, überladen und geschmacklos geschmückt und bekleidet war. Heute wird diese Redewendung nicht mehr für Frauen verwendet. Die Redewendung wurde abgewandelt in er stolziert daher wie ein Pfingstochse und wird für Männer verwendet, die übermäßig und geschmacklos herausgeputzt sind.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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