Fronleichnam – Der Leib des Herrn

Wallfahrtskirche Maria im Mösl,

Wallfahrtskirche Maria im Mösl, Arnsdorf | Foto: Karl Traintinger| Dorfbild.com

Das Wort Fronleichnam ist seit dem 13. Jahrhundert belegt und ist eine Zusammensetzung aus den Worten Fron- „des Herrn“ und Leichnam mit der alten Bedeutung „Leib, Körper“. Die ursprüngliche Bedeutung von Fronleichnam ist daher „des Herren Leib“.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Zu Fronleichnam finden feierliche Prozessionen statt, deren Mittelpunkt die Monstranz ist. Die Monstranz ist ein kostbar verziertes Behältnis, in dem die Hostie gezeigt wird, die für Katholiken der Leib Christi ist. Darauf bezieht sich die Bezeichnung Fronleichnam „Leib des Herrn“.

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Das althochdeutsche Wort frōno „des Herrn, dem Herrn zugehörig“ leitet sich von frō „Herr“ ab, und wurde im Mittelalter sowohl im religiösen als auch im weltlichen Sinn verwendet. Im religiösen Kontext war frō „Herr“ eine Bezeichnung für Christus, den christlichen Gott, aber auch für vorchristliche Götter. So wurde der Tag des Herrn, der Sonntag, im Mittelalter auch frōntag genannt. Im weltlichen Sinn wurde frō als Bezeichnung und allgemeine Anrede für einen Lehnsherrn, Fürsten oder König verwendet.

Das althochdeutsche Wort frōno war auch ein Rechtsausdruck mit der Bedeutung „herrschaftlich, staatlich, öffentlich“. Daraus leitete sich das frōnogelt „Frongeld“ ab, die dem Herrscher zur Verfügung stehende Staatskasse und die öffentlichen Gelder, und der frōnozins „Fronzins“ eine Abgabe an die Staatskasse.

Aus der Bedeutung von frōno „dem Herrn zugehörig“ entwickelte sich die Bedeutung „was dem Herrn gehört, zusteht“. Daraus leitete sich dann die Frone ab, in älterer Schreibung Frohne. Die Frone war eine unbezahlte Arbeitsleistung, die von Bauern für ihren Lehnsherren erbracht werden musste. Ein alternativer Ausdruck dafür ist Frondienst. Arbeiter, Diener und Beamte, die in herrschaftlichem Dienst standen, wurden Froner genannt, alternativ auch Fröner oder Frönling. Die Dienstleute des Herrn waren die Fronleute.

Von Fron leiten sich auch die Worte fronen und frönen „dem Herrn dienen, dem Herrn unterworfen sein“ ab. Beide Formen sind Varianten des gleichen Wortes. Fronen wurde im rechtlichen, gesetzlichen und steuerlichen Kontext verwendet. Wenn von den Bauern Güter beschlagnahmt wurden, hieß es sein Gut wurde ihm gefront. Das Wort frönen hat sich in unserem Sprachgebrauch erhalten, jedoch veränderte sich die Bedeutung zu „sich einer Sache hingeben“. Zumeist begegnet es uns in der Redewendung seinen Lastern frönen. Es findet sich aber auch in anderen Kombinationen wie beispielsweise der Neugierde frönen, einer schlechten Angewohnheit frönen, seinem Hobby frönen, dem Genuss frönen oder der Fauhlheit frönen.

Der zweite Wortteil von Fronleichnam ist das Wort Leichnam, das sich erstmals im Althochdeutschen des 8. Jahrhunderts findet. Althochdeutsch līchhamo ist eine Zusammensetzung aus līch „Körper, Leib“ und hamo „Hülle, Kleidung“. Das Wort līch bezeichnete in althochdeutscher Zeit den lebenden Körper des Menschen. Līchhamo hatte daher ursprünglich die Bedeutung „Körperhülle“. Hier liegt die Vorstellung zugrunde, dass der Körper die Hülle der Seele ist. Das Wort dürfte der Dichtersprache entstammen. Über die Variante līchenhamo entwickelte sich im Mittelhochdeutschen das Wort zu līchname, woraus die heutige Form Leichnam entstand.

Auf althochdeutsch līch „Körper“ geht auch das Wort Leiche zurück. Die Bedeutungsveränderung bei den Worten Leichnam und Leiche hin zu „toter Körper des Menschen“ entwickelte sich über die Formel toter Leichnam bzw. tote Leiche. Die Bedeutung des Beiwortes tot wurde mit der Zeit auf die Worte Leichnam und Leiche übertragen. Daher musste das Wort tot nicht mehr beigefügt werden und Leichnam und Leiche erhielten die Bedeutung „toter Körper“.


Tipp:
Rochus Gratzfeld: Fronleichnam adelig

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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